Güteschutz Kanalbau auf der IFAT: Kanalnetze unter Druck - Kommunen kämpfen mit Personalengpässen und Investitionsstau
von Constanze von Hassel

Deutschlands Kanalinfrastruktur steht vor wachsenden Herausforderungen und die Ursache ist nicht allein das fehlende Geld. „Viele Projekte scheitern nicht an fehlenden Mitteln, sondern am fehlenden Personal in den Verwaltungen“, erklärte Marco Künster, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Kanalbau, vor Journalisten beim Güteschutz Kanalbau-Pressegespräch auf der IFAT.
Obwohl ausreichend Tiefbaukapazitäten vorhanden sind, fließen diese derzeit vor allem in Energieprojekte, sodass der Kanalbau vielerorts ins Hintertreffen gerät. Die Folgen sind zunehmend sichtbar. Schadensfälle nehmen zu, es drohen Kanaleinbrüche und damit langfristige Belastungen für Boden und Grundwasser.
Das Problem ist strukturell. Kanalnetze benötigen eine kontinuierliche Erneuerung. Wird diese über Jahre vernachlässigt, entsteht ein Sanierungsstau, der sich später kaum noch aufholen lässt. „Dann kommt alles auf einmal und das ist weder finanziell noch organisatorisch leistbar“, so Künster.
Personal als Engpassfaktor
Besonders kritisch ist die Situation in vielen Kommunalverwaltungen. Planung, Ausschreibung und Bauüberwachung erfordern qualifiziertes Personal. Genau daran fehlt es jedoch häufig. Eine Branchenabfrage auf dem jüngsten Kanalgipfel zeigte laut Ulf Michel, Vorsitzender von Güteschutz Kanalbau, ein klares Bild: Nur wenige Projekte scheitern aus Kostengründen; ein Großteil wird wegen fehlender personeller Kapazitäten nicht umgesetzt. Für Kommunen bedeutet das, dass selbst bei vorhandenen Mitteln Maßnahmen oft nicht realisiert werden können.
Qualität hängt am Auftraggeber
Ein zentraler Hebel liegt bei den Kommunen selbst. Die Qualität der Bauausführung hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent Auftraggeber Standards einfordern und kontrollieren. Werden Anforderungen nicht klar formuliert oder nicht überprüft, entsteht ein Wettbewerb über den Preis zulasten der Qualität. Langfristig führt das zu höheren Folgekosten und zusätzlichen Belastungen für die kommunalen Haushalte.
Bayern mit Nachholbedarf
In Bayern wird das System der Gütesicherung bislang zurückhaltender genutzt als in vielen anderen Bundesländern. Als Grund nennt die Ansprechpartner von Güteschutz Kanalbau die Vielzahl an Vergabestellen, die eine flächendeckende Umsetzung erschweren. Für Kommunen im Freistaat ergibt sich daraus ein klarer Handlungsbedarf. Standards müssen stärker verankert und konsequent angewendet werden, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Digitalisierung als Teil der Lösung
Vor diesem Hintergrund setzt die Branche verstärkt auf digitale Qualifizierung. Die Gütegemeinschaft stellte auf der IFAT den Relaunch der E-Learning-Plattform vor, die Bauleiter und Fachpersonal praxisnah schulen soll. Michel sieht darin einen wichtigen Baustein. Wissen müsse schneller und breiter in die Anwendung gebracht werden, insbesondere aufgrund des bereits spürbaren Fachkräftemangels. Die Plattform soll Quereinsteigern die Umschulung erleichtern und gleichzeitig bestehendes Personal gezielt weiterqualifizieren. Damit reagiert die Branche auf eine der zentralen Herausforderungen im kommunalen Infrastrukturbereich.