„Bodenschutz ist ohne Wasserschutz nicht denkbar“
von Markus Bauer

9. Wasserforum der Regierung der Oberpfalz - „Wasser“ bleibt – vor allem angesichts des Klimawandels – ein wichtiges Thema, so das Credo des inzwischen 9. Wasserforums Oberpfalz, dem rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Bereichen, alle aber mit wichtigen Bezügen zum Wasser, im Großen Sitzungssaal der Regierung der Oberpfalz beiwohnten.
Das Tagungsthema lautete diesmal „Die Bedeutung von Bodenschutz und Bodenwasserhaushalt für den Trinkwasserschutz“.
Als „Wasserfamilie“ bezeichnete die Regierungsvizepräsidentin Christiane Zürn in ihrer Begrüßung die aus Vertretern vieler Verbände und Einrichtungen bestehende Gästeschar. Sie verwies auf die aktuelle Trockenheit und seltenere und heftigere Niederschläge. Damit einher gehe ein nur oberflächlicher Ablauf des Wassers, weniger Versickerung im Boden und eine geringere Grundwasserbildung: Alles gravierende Auswirkungen auf den Boden.
Grundwasservorrat ist aufgebraucht
Ihre Aussagen konkretisierte Georg Strobl (Sachgebiet Wasserwirtschaft bei der Regierung der Oberpfalz). Rückblickend auf die Monate November 2025 bis März 2026 waren alle – mit Ausnahme Januar – zu warm. Hinsichtlich der Niederschläge lagen alle fünf Monate – außer Februar – weit unter dem Durchschnitt. „In weiten Teilen Bayerns herrscht aktuell extreme Trockenheit“, stellte Strobl fest. Damit seien – auch in Bezug auf das Grundwasser – die Vorräte aufgebraucht, „wir sind mit niedrigen und sehr niedrigen Messständen ins neue Jahr gestartet“, stellte Strobl fest.
Zum Tagungsthema referierte Dr. Jörg Zausig, Vorsitzender des Hauptausschusses Gewässer und Boden der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. „Bodenwasser und vorsorgender Bodenschutz“ hatte er sein Referat überschrieben, Ergänzend zu den Aussagen seiner Vorredner nannte er die erhöhte Verdunstung von Wasser, was zur Grundwasserreduzierung, Austrocknung von Quellen, trockenen Böden und Erhöhung des Wassergehalts in der Atmosphäre beiträgt. Die Tendenz gehe zu höheren Niederschlägen im Winterhalbjahr, längeren Perioden mit stabiler Witterung (viele Niederschläge oder lang anhaltende Trockenheit) und zur Zunahme schwerer Stürme. In diesem Kontext spielt der Boden eine zentrale Rolle, da er Lebensgrundlage und Bestandteil des Naturhaushaltes (Wasser- und Nährstoffspeicher) ist. Daher gelte es, den Boden zu schützen: flächenhaft, physikalisch und stofflich. „Das Bodenmanagement hat großen Einfluss auf die Infiltrationsleistung und das Bodengefüge auf den Bodenwasserhaushalt“, erklärte Zausig. Für das Bauen verwies er auf den physikalischen Bodenschutz: Festlegung bodenkundlicher Schutzziele, Lösung der Bauzeitenkonflikte mit naturschutzfachlichen Anforderungen, bodenkundliche Fachplanung zusammen mit der Ausführungsplanung, bodenkundliche Fachbauleitung bei großen Erdbaumaßnahmen. Anhand einiger Beispiele zeigte Zausig konkrete Möglichkeiten für eine klimaresilientere Bodenbewirtschaftung auf.
Wasser ist ein Produkt des Bodens
„Gesunder Boden als Schlüssel für Wasserhaushalt, Erosionsschutz und Trinkwasserschutz“ lautete das Vortragsthema von Franz Rösl, der Vorsitzender der Interessengemeinschaft gesunder Boden e.V. ist. „Wasser ist ein Produkt des Bodens, ein lebendiger Organismus und kein technischer Filter“, lauteten seine einleitenden Thesen. An Beispielen zeigte er die Gesundheit und Struktur mehrerer Böden und ihrer Schichten auf. Besonders die Funktionen des Bodens für das Trinkwasser hob Rösl hervor: Infiltration, Speicherung, Reinigung und Pufferung, Schutz vor Austrag. Die Voraussetzung dafür ist eine Strukturstabilität. So wirke sich die Größe und damit der Druck der Reifen von Fahrzeugen über die Ackerkrume und die Pflugsohle auf den Unterboden unterschiedlich aus, was letztlich zu Veränderungen der Strukturen bis hin zu bleibenden Schäden führen kann. Rösl gab den Rat, mehr Humus aufzubauen, da damit mehr Wasserspender verfügbar werde. „Mit aktivem Humusaufbau und angepassten Bodenbewirtschaftungssystemen lassen sich die Funktionen der Böden nutzen. Und mit einem gesunden Boden für ausreichend und gesundes Wasser sorgen!“ Mit diesen Aspekten fasste Rösl seinen Vortrag zusammen.
Die „Schnittstelle Boden-Wasserschutz beim Bau des Sued-OstLinks“, also in diesem Kontext zu beachtende Aspekte, beleuchtete Helena Ziegenhagel, die bei diesem Projekt für die bodenkundliche Baubegleitung zuständig ist. „Bodenschutz ist ohne Wasserschutz nicht denkbar“, lautete ihre einleitende These. Grundsätzlich gehe es um vorsorgenden Bodenschutz beim Bau, wo vor allem Verdichtungen und Gefügeschäden vermieden und minimiert werden sollten. „Unterbodenverdichtungen, nicht mechanisch rekultiviert, gelten als irreversibel.
Ziel ist, Boden und Bodenfunktionen im Ursprungszustand wiederherzustellen“, erläuterte Ziegenhagel. Sie nannte die gesetzlichen Vorgaben und die Aufgaben der Bodenkundlichen Baubegleitung (BBB): Beratung aller am Bau Beteiligter hinsichtlich der Auflagen zum Bodenschutz, Beratung zu bodenfeuchteabhängigen Arbeiten, Beratung zu Themen wie Begrünung, Bodenaushub und Wiedereinbau und Beratung bei nötigen Abweichungen zur Genehmigung und Konkretisierungen.
Neben der BBB begleitet auch die hydrogeologische Baubegleitung die Baustelle. Die Referentin zeigte schließlich einige konkrete Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung von Bodenverdichtungen und Gefügeschäden. Abschließend wies sie auf Erosion und Flächenversiegelungen hin – ebenfalls mit dem Thema „Bodenschutz“ zusammenhängende Themen.
Zum Abschluss widmete sich Christoph Hüttl, Leiter des Sachgebiets Raumordnung, Landes- und Regionalplanung an der Regierung der Oberpfalz, dem Thema „Schutzgut Wasser in der Regionalplanung“. Er zeigte den aktuellen Stand der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Wasserversorgung in den Regionalplänen und konkretisierte dies am Beispiel der Planungen für Windkraftanlagen.