DSTGB-Webinar: Daten teilen statt besitzen
von Doris Kirchner

Warum Kooperation zum Erfolgsfaktor für die digitale Kommune wird - Daten sind längst eine zentrale Ressource für die Entwicklung leistungsfähiger und zukunftsfähiger Kommunen. Ob Verkehrssteuerung, Tourismus, Stadtentwicklung oder digitale Bürgerservices: In nahezu allen kommunalen Handlungsfeldern entstehen täglich wertvolle Daten. Ihr Potenzial bleibt jedoch häufig ungenutzt, solange sie in einzelnen Fachbereichen oder Organisationen isoliert vorliegen. Wie Kommunen ihre Datenschätze besser erschließen und durch Kooperationen konkrete Mehrwerte schaffen können, wurde in der Digitalen Innovators Lounge des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) unter dem Titel „Daten teilen statt Daten besitzen – Erfolgsfaktor für Kommunen, Mobilität und Tourismus?“ erörtert.
Alexander Handschuh, Beigeordneter und Sprecher des DStGB, stellte in seinem Impuls heraus, dass Kommunen bereits heute über eine Vielzahl wertvoller Daten verfügen. Diese seien häufig in unterschiedlichen Fachverfahren oder Einrichtungen vorhanden, würden jedoch vielfach nicht miteinander verknüpft. Künftig müsse daher weniger die Frage im Mittelpunkt stehen, wer Daten besitzt, sondern wie sie gemeinsam genutzt werden können. Der Wandel von Datensilos hin zu kooperativen Datenökosystemen sei eine zentrale Voraussetzung für die digitale Transformation der Kommunen.
Damit dieser Wandel gelingen kann, brauche es mehr als leistungsfähige Technik. Handschuh betonte insbesondere die Bedeutung einer offenen Verwaltungskultur, die Zusammenarbeit fördert und den Austausch von Daten als Chance versteht. Ebenso wichtig seien klare rechtliche Rahmenbedingungen, verlässliche Datenschutzstandards und sichere digitale Infrastrukturen. Nur wenn Vertrauen zwischen den beteiligten Akteuren bestehe, könne das Potenzial kommunaler Daten vollständig ausgeschöpft werden.
Technik muss konkreten Nutzen bieten
Wie sich gemeinsame Datenräume in der Praxis nutzen lassen, zeigte Axel Reichmann, Strategic Partner Manager bei Google Global Product Partnerships. Anhand verschiedener Anwendungsbeispiele erläuterte er, wie die intelligente Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen neue digitale Dienstleistungen ermöglicht. Gerade im Bereich der Mobilität können aktuelle Verkehrsdaten dazu beitragen, Verkehrsströme besser zu lenken und Angebote bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Auch im Tourismus eröffnen gemeinsam genutzte Daten neue Möglichkeiten, Besucherströme zu analysieren, Informationen gezielter bereitzustellen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Voraussetzung dafür sei jedoch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Unternehmen und weiteren Partnern.
Dass Digitalisierung vor allem dann erfolgreich ist, wenn sie den Menschen einen konkreten Nutzen bietet, darauf verwies Michael Dambacher, Oberbürgermeister der baden-württembergischen Stadt Ellwangen und stellvertretender Vorsitzender des DStGB-Digitalausschusses. Er stellte die Ellwangen-App als Beispiel für eine gelungene kommunale Digitalisierungsstrategie vor. Die Anwendung bündelt Informationen und Angebote der Stadt auf einer zentralen Plattform und vernetzt Verwaltung, Bürgerschaft, Handel, Vereine und weitere lokale Akteure. Damit verbessert sie nicht nur den Zugang zu kommunalen Dienstleistungen, sondern stärkt zugleich die Sichtbarkeit lokaler Angebote und die Attraktivität der Innenstadt. Digitalisierung, so Dambacher, sei kein Wettbewerb zwischen Kommunen, sondern ein gemeinsamer Lernprozess, von dem alle profitieren können.
Podiumsdiskussion
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Datenkooperationen weit über technische Fragen hinausgehen. Szilvia Kalmár, Director European Policy & Government Affairs bei Via Mobility, hob hervor, dass gemeinsam genutzte Daten die Grundlage für moderne und bedarfsgerechte Mobilitätsangebote bilden. Sie ermöglichten eine bessere Planung, effizientere Verkehrsangebote und eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer.
Einigkeit bestand unter den Diskutanten darüber, dass erfolgreiche Digitalisierung nur durch Zusammenarbeit gelingen kann. Offene Standards, interoperable Systeme und der Austausch zwischen Kommunen, Wirtschaft und weiteren Partnern schafften die Voraussetzungen dafür, vorhandene Daten sinnvoll zu nutzen. Gleichzeitig blieben Datenschutz, Transparenz und Datensicherheit unverzichtbare Grundlagen für das Vertrauen der Bürger.
Daten sollten als strategische Ressource verstanden werden, deren Nutzen mit jeder Form der Zusammenarbeit wächst. Kommunen profitierten davon, Daten nicht nur innerhalb der eigenen Verwaltung zu verknüpfen, sondern auch gemeinsam mit regionalen Partnern, Mobilitätsanbietern oder touristischen Einrichtungen zu nutzen. Voraussetzung dafür seien verlässliche rechtliche und technische Rahmenbedingungen sowie eine Verwaltungskultur, die Kooperation aktiv unterstützt.