Ministerialdirigent Wolfgang Bauer über den Stand des Bayerischen Behördennetzes, die digitale Zukunft der Kommunen und die Pläne für einen zentralen kommunalen IT-Dienstleister: Das Behördennetz ist mehr als nur Infrastruktur

GZ Ausgabe GZ-12-2026 vom 17. Juni 2026 | Verwaltung & Digitalisierung
von Constanze von Hassel
Ministerialdirigent Wolfgang Bauer. Foto: stmfh
Ministerialdirigent Wolfgang Bauer. Foto: stmfh

Das Bayerische Behördennetz gilt als Rückgrat der digitalen Verwaltung im Freistaat. 2024 gab Finanzminister Albert Füracker der Bayerischen GemeindeZeitung dazu ein Interview. Nun, zwei Jahre später, ist Zeit für ein Update: Wie gut funktioniert dieses Fundament in der kommunalen Praxis? Wo stehen Ausbau und Nutzung heute und welche Herausforderungen zeigen sich vor Ort? Die GZ spricht dazu mit Ministerialdirigent Wolfgang Bauer, Leiter der Abteilung Digitalisierung, Breitband und Vermessung im Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat.

GZ: Herr Bauer, Staatsminister Füracker hat 2024 im Interview mit der Bayerischen GemeindeZeitung betont: „Das Behördennetz wird auch in Zukunft ein wichtiges Fundament der Digitalisierung sein und kontinuierlich fortentwickelt.“ Wie weit ist diese Fortentwicklung aus Ihrer Sicht heute tatsächlich vorangekommen.
Wolfgang Bauer:
Die Weiterentwicklung des Bayerischen Behördennetzes ist ein fortlaufender Prozess, in dem neue Technologien und Anforderungen in weiterentwickelte Produkte und Leistungen umgesetzt werden. So gewährleisten wir, dass das Bayerische Behördennetz sich jederzeit auf dem aktuellen Stand der Technik befindet und unseren Nutzern ein leistungsfähiges und attraktives Produktportfolio angeboten werden kann.


Kaskadierter Zugang

GZ: Wie stark ist das Behördennetz in-zwischen tatsächlich in den Kommunen angekommen und wo sehen Sie noch Lücken?
Bauer:
Das Bayerische Behördennetz steht den Kommunen seit vielen Jahren zur Verfügung. Anders als bei staatlichen Behörden erfolgt der Zugang für kreisangehörige Kommunen jedoch nicht direkt, sondern im Normalfall über ihre zuständigen Kreisverwaltungsbehörden (sogenannter kaskadierter Zugang).

GZ: Was sind aktuell die größten Hindernisse für Kommunen beim Anschluss und bei der Nutzung?
Bauer:
Vor allem kleinere Kommunen stehen vor der Herausforderung allgemein im IT-Bereich und besonders im Bereich des Behördennetzes eigene Kompetenzen und Ressourcen aufbauen und erhalten zu können. Stellenweise werden diese Aufgaben durch die übergeordneten Kreisverwaltungsbehörden wahrgenommen, doch auch dort ist häufig nur ein Basisservice leistbar.

Diese Herausforderungen haben wir auch in der Zukunftskommission #Digitales Bayern 5.0 mit der kommunalen Familie diskutiert und mögliche Lösungswege identifiziert.

GZ: Das Modell läuft stark über die Landkreise: Funktioniert diese Struktur aus Ihrer Sicht überall gleichermaßen gut?
Bauer:
Fast flächendeckend stellen die Landratsämter ihren angehörigen Gemeinden ein eigenes Kommunalnetzwerk für die Behördennetzleistungen zur Verfügung. Dieses Angebot wird derzeit bereits von rund zwei Dritteln der so versorgbaren Gemeinden genutzt. Hier sehen wir beträchtliches Entwicklungspotential, das zeitnah gehoben werden sollte.

GZ: Wo zeigt sich für Kommunen im Alltag der größte praktische Mehrwert des Behördennetzes?
Bauer:
Einer der bedeutendsten Vorzüge des Behördennetzes ist die Möglichkeit, den Nutzern gebündelte Basisdienstleistungen in einem geschützten Umfeld zur Verfügung zu stellen. Das reduziert die Notwendigkeit paralleler und teurer Insellösungen. Hier profitieren auch die Kommunen.

GZ: Die Anforderungen an Kommunen im Bereich Digitalisierung, IT-Betrieb und Cybersicherheit wachsen stetig. Welche Weichen müssen aus Ihrer Sicht jetzt gestellt werden, damit die Kommunen diese Aufgaben auch künftig leistungsfähig und wirtschaftlich bewältigen können?
Bauer:
Ein entscheidender Schritt wird die Einrichtung des zentralen kommunalen IT-Dienstleisters sein, den das StMFH federführend vorantreibt. Dieser soll die bayerischen Kommunen künftig bestmöglich bei der Digitalisierung unterstützen und seine Services soweit wie möglich über das Behördennetz bereitstellen. Geplant ist unter anderem zu ermöglichen, den kommunalen Serverbetrieb schrittweise in eigenen Rechenzentren zu bündeln sowie Online-Dienste und ausgewählte Fachverfahren zentral anzubieten. Damit können Kommunen von gemeinsamen Strukturen, höherer Effizienz und einem einheitlich hohen IT-Sicherheitsniveau profitieren – Anforderungen, die für viele Kommunen allein nur schwer zu bewältigen wären.

GZ: Vielen Dank für das Gespräch!

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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