Darum sind die Tickets so schnell weg

GZ Ausgabe GZ-19-2026 vom 8. Oktober 2026 | Verwaltung & Digitalisierung
von Pat Christ
Bild eines Tourist-Info-Schildes
Tourismus wird längst nicht mehr nur kommunal organisiert, immer mehr Drittanbieter tummeln sich auf diesem Markt. Bild: Pat Christ

Geschäftsmodelle von Drittanbietern zwingen Touristen zum tieferen Griff in die Tasche - Hingehen, Ticket lösen, staunen – dass das eine Illusion ist, wissen alle, die schon mal eine begehrte Sehenswürdigkeit besuchten. Je begehrter eine Attraktion ist, umso größer ist die Gefahr, dass dann, wenn man den Besuch geplant hat, alle Tickets ausverkauft sind. Touristen werden dadurch gezwungen, die Dienste sogenannter Skip-the-Line-Anbieter in Anspruch zu nehmen.

Deren Angebote existieren auch in Bayern, bestätigt das Bayerische Tourismusministerium. In ganz Europa tummeln sich diese Unternehmen. Drittanbieter machen es sich zunutze, dass es bei berühmten Attraktionen oft keine andere Möglichkeit gibt, als ein teures Skip-The-Line-Ticket zu kaufen. Und zwar nicht zuletzt deshalb, weil sie selbst vorab günstige Online-Tickets aufkauften. Das betrifft im Übrigen nicht nur den Tourismusbereich. Der „Spiegel“ deckte vor wenigen Wochen auf, dass Bots in Sekundenschnelle Konzertkarten aufkaufen. Mit immensem Aufschlag tauchen die später bei Ticketplattformen auf.

Bevorzugter Zutritt gegen Aufpreis

Der Begriff „Skip-the-Line”, der die Tourismusszene zunehmend prägt, umfasst Unterschiedliches. Betreiber von Sehenswürdigkeiten selbst bieten mitunter gegen Aufpreis einen bevorzugten Zugang an. Drittanbieter beschaffen sich vorab Eintrittskarten und bieten diese zusammen mit weiteren Leistungen zu einem höheren Preis an. Die Palette der Zusatzangebote reicht von Audioguides, Führungen, Transfers bis zu kompletten Tagesausflügen.

Beispiel Eiffelturm: Hier sind Tickets, je nachdem, auf welche Höhe man hinaufwill und ob man den Aufzug benutzen möchte oder lieber Treppen steigt, ab einem Alter von 12 Jahren für 15 bis 37 Euro zu haben. Kinder zwischen vier und elf Jahren kosten zwischen 3,80 Euro und 9,20 Euro. Auf der Homepage des Eiffelturms wird vor alternativen Anbietern gewarnt. „Wir raten Ihnen zu äußerster Vorsicht im Internet: Betrügerische Websites, die vorgeben, offiziell zu sein, werden in Suchmaschinen und KI-Schnittstellen ganz oben angezeigt”, heißt es da. Ein Skip-the-Line-Recht können sich Touristen grundsätzlich nicht erkaufen.

Drittanbieter sind oft teuer

Drittanbieter verlangen meist ein Vielfaches des regulären Tickets. Dies bestätigt eine Eiffelturm-Besucherin, die 2023 in Paris war. „Über den offiziellen Ticketshop waren für uns keine passenden Tickets mehr verfügbar, darum habe ich über ‘GetYourGuide’ ein Angebot des Drittanbieters ‘Cityzore” gekauft”, erzählt sie. Für zwei Erwachsene und ein Kind musste sie knapp 210 Euro berappen. Der „GetYourGuide”-Voucher sei allerdings keine Eintrittskarte gewesen: „Wir mussten zunächst zu einem Treffpunkt in der Avenue de la Bourdonnais.

Dort wurden die eigentlichen Eintrittskarten herausgegeben. Eine Begleiterin ging danach mit der Familie zum Turm und brachte die drei zu einem Zugang. Der Vorteil des teuren Angebots bestand in dem Fall nicht darin, dass für viel Geld das Recht erkauft wurde, sämtliche Warteschlangen zu überspringen. Vielmehr hatte der Drittanbieter offenbar Eintrittskarten für einen Termin zur Verfügung, für den keine regulären Online-Tickets mehr zu bekommen gewesen waren.

Beim „Panoramapunkt Berlin“ am Potsdamer Platz hingegen können sich Besucher Wartezeitverkürzungen erkaufen. Der Betreiber selbst bietet hier VIP-Tickets an. VIPs müssen nicht am Aufzug warten. Regulär kostet der Eintritt mit Zeitticket sieben Euro. Für den VIP-Eintritt mit Zeitfenster werden elf Euro verlangt.

Auch die Vatikanischen Museen bieten offiziell ein Ticket „ohne Warteschlange“ an. Der volle Eintrittspreis beträgt derzeit 20 Euro. Für die Online-Reservierung „ohne Warteschlange“ werden zusätzlich fünf Euro berechnet. Auch hier kommt die Skip-the-Line-Leistung unmittelbar von der Sehenswürdigkeit.

Das Interesse, Skip-the-Line-Tickets anzubieten, ist sehr groß, im Internet wimmelt es von Unternehmen. „Skip-the-Line-Tickets sind rechtlich grundsätzlich zulässig, solange sie vom Betreiber der Sehenswürdigkeit selbst oder von autorisierten Partnern angeboten werden”, sagt dazu das Bayerische Tourismusministerium. Es handele sich hierbei um eine vertragliche Vereinbarung über eine bevorzugte Serviceleistung.

Vertragsfreiheit

Betreiber von Sehenswürdigkeiten dürften aufgrund der Vertragsfreiheit selbst entscheiden, zu welchen Bedingungen und Preisen sie Einlass gewähren. Vermittler oder Drittanbieter müssten allerdings klar angeben, welche Leistung das angebotene Ticket umfasst. Irreführende Werbung, versteckte Abo-Fallen beim Kaufprozess oder das bewusste Vortäuschen nicht existenter Exklusivrechte sind laut Tourismusministerium unzulässig.

Noch trudelten bei der Verbraucherzentrale Bayern keine Beschwerden zu Skip-the-line-Tickets ein, so Rechtsreferentin Sonja Neumann. Allerdings warnt auch sie: „Grundsätzlich sollten Verbraucher beachten, dass eine Zeitersparnis nicht garantiert ist und für Sicherheitskontrollen oder Teilbereiche trotzdem Wartezeiten anfallen können.” Meist werde nur die Warteschlange am Ticketschalter umgangen. Haben Verbraucher einen bestimmten Zeitslot gebucht, sollten sie unbedingt pünktlich sein, da sonst der Einlass verweigert werden könne.

Schlangen am Abend

Dass man lange warten muss, um in eine Sehenswürdigkeit hineinzukommen, ist in München eher selten, sagt Susanne Mühlbauer vom Geschäftsbereich Tourismus der Landeshauptstadt. Bei manchen Sonderausstellungen könne das der Fall sein, vor allem, wenn sie bald zu Ende gehen. Schlangen bilden sich in München auch oft an eintrittsfreien Abenden, etwa an jedem ersten Donnerstag im Monat im Lenbachhaus oder an jedem letzten Freitag im „Haus der Kunst“. „Aufgrund des großen Andrangs und der Partyatmosphäre kann es dort sehr voll werden”, so die Pressesprecherin.

Ob es zu Schlangen kommt, hängt nicht zuletzt vom Wetter ab. Das Deutsche Museum und „Sea Life München” seien klassische „Schlechtwetter-Museen“: „Besonders in den Schulferien und an Wochenenden kann es zu längeren Wartezeiten kommen.” Beide Einrichtungen bieten Zeitfenster-Tickets an. Zur gebuchten Uhrzeit kommt man zügig rein. Auch für die Münchner Residenz sind Zeitfenster-Tickets verfügbar. Online-Tickets oder QR-Code werden direkt am Einlass vorgezeigt. Ein Anstehen an der Kasse erübrigt sich: „Das betrifft ebenso Skip-the-Line-Angebote.”

Das US-amerikanische Online-Reisebüro „Expedia Group“ bietet in München Skip-the-Line für das Residenzschloss an. Regulär kann man für 20 Euro das Residenzmuseum, die Schatzkammer und das Cuvilliés-Theater besuchen. „Expedia“ offeriert eine Skip-the-Line-Tour durch das Residenzschloss und den Hofgarten für 55 Euro. „Überspringe die Menschenmassen mit Skip-the-Line-Tickets für einen reibungslosen zeitlichen Einlass“, wirbt das Unternehmen.

Es geht noch teurer

Das kann sich natürlich nicht jeder leisten, geht man davon aus, dass man gewöhnlich zu zweit reist. Womit 110 Euro anfallen. Es geht allerdings noch teurer. Die Tourismus-Online-Plattform „Viator“ offeriert „Skip-the-line Nymphenburg Palace Munich Tour with Transfers” für 204,30 Euro pro Person. In jedem Fall müssen die Tickets vorab aufgekauft worden sein.

Nicht nur für Besucher, sondern auch für Träger von Sehenswürdigkeiten haben Vorausbuchungen ihren Vorteil, so Susanne Mühlbauer. Den Einrichtungen ermöglichten sie eine bessere Planung der erwarteten Besucherzahlen und des dafür notwendigen Personaleinsatzes. Für manche Gäste könne ein solches Ticket ein entscheidendes Kriterium bei der Besuchswahl sein.

Über eine sehr gute Nachfrage der Sehenswürdigkeiten und Museen freut sich die Nürnberger Congress- und Tourismus-Zentrale. „Lange Schlangen vor den Sehenswürdigkeiten oder eine Situation, in der zentrale Attraktionen regelmäßig spontan nicht mehr besucht werden können, sind uns aber nicht bekannt“, so Pressesprecherin Franziska Steyer. Bei einzelnen Kultureinrichtungen und touristischen Angeboten gebe es Führungen mit festen Zeitfenstern und begrenzten Kapazitäten. Dort sei eine Buchung empfehlenswert, wenn nicht gar notwendig.

Attraktive „Nürnberg Card“

Nürnberg sei aktuell nicht mit Städten vergleichbar, in denen Sehenswürdigkeiten regelmäßig nur noch mit langfristig im Voraus gebuchten Tickets zugänglich sind. Anbieter von „Skip-the-Line-Tickets“ für Nürnberger Museen und Sehenswürdigkeiten seien im Übrigen nicht bekannt. Als komfortables, transparentes Angebot für Gäste empfiehlt Franziska Steyer die „Nürnberg Card“: „Sie ermöglicht 48 Stunden lang freien Eintritt in zahlreiche Museen und Sehenswürdigkeiten.” Skip-the-Line-Tickets lehnt man in Nürnberg nicht grundsätzlich ab. Dies könne eine Form der Besucherlenkung sein.

Auch wenn es keine offiziellen Partnerschaften gibt, tummeln sich Drittanbieter auch in Nürnberg. Etwa der globale Reiseveranstalter „Rosotravel”. Für 181 Euro pro Kopf wird durch die Stätten des Zweiten Weltkriegs geführt. Im Preis für die rund fünfstündige Tour ist ein Besuch der Gedenkstätte für die Nürnberger Prozesse im Justizpalast und des Reichsparteitagsgeländes enthalten. Regulär kostet der Eintritt ins „Memorium Nürnberger Prozesse“ 7,50 Euro für Erwachsene. Samstags und sonntags werden öffentliche Führungen angeboten. Die kosten zusätzlich zum Eintritt fünf Euro.

Dass Besucherlenkung eine wichtige Rolle spielt, bestätigt Angelika Urbach, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung. Grundsätzlich könnten zwar alle Sehenswürdigkeiten der Schlösserverwaltung spontan besichtigt werden. „In der Hochsaison sowie bei besonders beliebten Objekten, wie etwa Schloss Neuschwanstein, und bei besucherstarken Liegenschaften empfiehlt es sich jedoch, Tickets im Voraus zu erwerben”, sagt sie. Durch Online-Ticketing und den Verkauf von Zeitslot-Tickets würden Warteschlangen am Ticketcenter von Schloss Neuschwanstein vermieden. Besucher verteilten sich besser über den Tag.

Blick von der Brücke

Eintrittskarten können je nach Saison mehrere Monate im Voraus online gebucht werden. „Derzeit sind Tickets bis 15. Oktober 2026 verfügbar.” Sollten online und vor Ort keine Tickets mehr erhältlich sein, wird der Besuch der Marienbrücke empfohlen: „Von dort aus kann man Schloss Neuschwanstein in seiner einzigartigen Kulisse genießen.” Auch Schloss Hohenschwangau und Schloss Linderhof seien nicht weit entfernt. In Schloss Linderhof seien meist auch in der Hochsaison regelmäßig noch Tickets für einen spontanen Schlossbesuch erhältlich.

Die Bayerische Schlösserverwaltung kooperiert laut Angelika Urbach nicht mit kommerziellen Anbietern. „Ticketverkauf und Besuchsorganisation erfolgen grundsätzlich durch die Bayerische Schlösserverwaltung selbst“, betont sie. Die einzige Ausnahme bildet Schloss Neuschwanstein. Dort betreibt der Wittelsbacher Ausgleichsfonds das „Ticket Center Hohenschwangau“ sowie den offiziellen Online-Ticketshop. Die Eintrittskarten für Schloss Neuschwanstein würden im Namen der Bayerischen Schlösserverwaltung verkauft.

In den Sehenswürdigkeiten der Bayerischen Schlösserverwaltung gebe es kein „Skip-the-Line“-System und damit auch keine unterschiedliche Behandlung von Gästen, so die Pressesprecherin. Darum existierten auch keine autorisierten Drittanbieter für „Skip-the-Line“-Tickets, die einen bevorzugten Zugang ermöglichen. Bei jenen Plattformen, die Skip-the-Line anbieten, handele es sich um keine offiziellen Verkaufsstellen der Schlösserverwaltung oder des Ticket Centers Hohenschwangau. Die Schlösserverwaltung kooperiere mit diesen Anbietern nicht. In Hohenschwangau selbst möchte man sich zu Drittanbietern nicht äußern.

Tickets für Schloss Neuschwanstein „ohne Anstehen mit Audioguide” ab 45 Euro werden etwa über die Reiseplattform “Getyourguide” offeriert. Anbieter ist das „International Ticket and Travel Center“ in Füssen. Der Voucher von „Getyourguide” ermöglicht dennoch keinen direkten Zugang zu Schloss Neuschwanstein. Man muss zum Ticketabholen erst mal nach Füssen.

Das „International Ticket and Travel Center“ erklärt, warum man höhere Preise als bei einer direkten Online-Buchung verlangt. „Die Tickets für Neuschwanstein sind schnell ausverkauft. Wir bemühen uns sehr, für unsere Kunden eine kleine Anzahl an Tickets im Voraus zu sichern, insbesondere in der Hochsaison“, heißt es. Für die Vorausreservierung der Tickets fielen zusätzliche Gebühren an. Hinzu kämen Aufpreise von Plattformen wie etwa „GetYourGuide“.

Pat Christ

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