Bayerisches Anwenderforum 2026: Wege zur digitalen Verwaltung
von Doris Kirchner

Das 18. Bayerische Anwenderforum in München unter der Schirmherrschaft von Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring brachte erneut Entscheider sowie Verantwortliche aus Landes- und Kommunalverwaltung, öffentlichen IT-Dienstleistern und ausgewählten Partnern aus der Wirtschaft zusammen. Die Veranstaltung bot eine Plattform, um aktuelle Herausforderungen der Verwaltungsmodernisierung zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln. Begleitend präsentierten Unternehmen und Organisationen in einer Fachausstellung ihre Lösungen und Innovationen für den öffentlichen Sektor.
Auf der Agenda standen Themen wie Verwaltungsdigitalisierung, E-Government, Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität, Cloud-Technologien sowie Plattform- und Portalstrategien. Fachvorträge, Podiumsdiskussionen und Praxisberichte boten Einblicke in laufende Projekte und zeigten Möglichkeiten auf, Verwaltungsprozesse effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten.
Fünf Foren beschäftigten sich mit den Themen „Digitaler Wandel unter Zeitdruck: Ökosysteme, die schnell wirken müssen“, „Liefern, Lernen, Nachsteuern: Große Landesprojekte auf dem nächsten Level“, „Souveränität als Investition: Strategien für Autarkie, Innovation & Tempo in der Verwaltung“, „Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit: Wie viel kostet Stillstand?“ sowie „Von Agentic AI bis zum Marktplatz: Wann und wie Nachnutzung endlich skaliert“. Der Abschlussimpuls ‚Digitalisierung gelingt nicht durch Strategiepapiere allein‘ zeigte, wie gelungene Change Communication Stakeholder aktiviert, Orientierung schafft und Veränderung im Arbeitsalltag wirksam macht – mit konkreten Best Practices, Werkzeugen und Denkansätzen zum direkten Anwenden.
Bavarian Best Practice Award
Ein Höhepunkt des Forums war die Verleihung des Bavarian Best Practice Award 2026. Damit wurden Projekte ausgezeichnet, die beispielhaft zur Digitalisierung der Verwaltung beitragen und innovative Ansätze in den Bereichen digitale Transformation, Kooperation und datenbasierte Anwendungen aufzeigen. Gemeinsam mit Dr. Caroline Mükusch, Geschäftsführerin der Infora GmbH, nahm Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach die Preisverleihung vor.
Den Preis in der Kategorie „Digitale Ökosysteme & Kooperation“ erhielt das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Statistik für die Securebox „Kommunale Wärmeplanung“. Die Anwendung unterstützt Kommunen dabei, sensible Daten für die gesetzlich vorgeschriebene Wärmeplanung sicher und datenschutzkonform auszutauschen. Damit wird die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Energieversorgern und weiteren Beteiligten erleichtert und die Umsetzung kommunaler Klimaschutzmaßnahmen beschleunigt. Laut Energieministerium nutzen bereits rund 1.820 Gemeinden die Securebox; dies entspreche einem Abdeckungsgrad von rund 90 Prozent.
In der Kategorie „Digitale Transformation von Verwaltungsleistungen“ wurde der mittelfränkische Markt Weisendorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) geehrt. Das Projekt „Digitaler Zwilling für Verwaltung, Gremien und Bürger“ bildet kommunale Strukturen digital ab und ermöglicht eine anschauliche Visualisierung von Planungen und Entscheidungsprozessen. Ziel ist es, Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Transparenz sowie die Bürgerbeteiligung zu stärken.
Der Award in der Kategorie „KI & datengetriebene Innovation“ ging an die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns für das Projekt „Datenbasierte Archivierung von Akten der Bayerischen Staatsverwaltung“. Mithilfe moderner Datenanalyseverfahren und einer eigens entwickelten Software können große Mengen gleichförmiger Verwaltungsakten systematisch ausgewertet und archivisch bewertet werden. Dadurch werden Auswahlprozesse nachvollziehbarer, effizienter und wissenschaftlich fundierter. Das Projekt entstand mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales sowie in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Statistik und Data Science der LMU München. Das Bayerische Staatsministerium der Justiz stellte den für die Erprobung benötigten Beispieldatensatz zur Verfügung. Dabei handelte es sich um die Metadaten eines Jahrgangs der an den bayerischen Gerichten geführten Zivilverfahrensakten.