225 Jahre Bayerische Vermessungsverwaltung: Fundament für Eigentum, Planung und Digitalisierung

GZ Ausgabe GZ-12-2026 vom 18. Juni 2026 | Verwaltung & Digitalisierung
von Redaktion
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V.l.: Wolfgang Bauer, Abteilungsleiter für Digitalisierung, Breitband und Vermessung im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, Wissenschaftsastronaut Prof. Dr. Ulrich Walter, Alexandre Vulic, französischer Generalkonsul und Finanzminister Albert Füracker.Bild: © StMFH, Fotograf: Christian Blaschka

Pionierarbeit für einen modernen Staat - Mit einem Festakt in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz hat die Bayerische Vermessungsverwaltung ihr 225-jähriges Bestehen gefeiert. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker würdigte die Verwaltung als „Garant für die Sicherung von Grundeigentum“ und zugleich als hochmodernen Geodatendienstleister. Seit 1801 habe die Vermessungsverwaltung maßgeblich dazu beigetragen, Bayern verlässlich zu erfassen, Eigentum zu sichern und staatliches Handeln auf präzise Grundlagen zu stellen.

Die Ursprünge reichen in die Zeit der ersten systematischen Landesvermessung zurück. Bayern wurde damals als erstes Flächenland Europas exakt vermessen – ohne elektronische Hilfsmittel, mit Messtisch, Karte und Tusche. Besonders hervorgehoben wurde die erste Basislinie zwischen Unterföhring und Aufkirchen, deren Genauigkeit aus heutiger Sicht noch immer beeindruckt. Diese historischen Arbeiten bilden bis heute eine Grundlage des bayerischen Liegenschaftskatasters, das als „Karte zum Grundbuch“ Rechtssicherheit und Nachbarschaftsfrieden schafft.

Füracker betonte, dass die Leistungen der Vermessungsverwaltung für Planung, Bau, Infrastruktur, Eigentumssicherung und Verwaltung unverzichtbar seien. Allein 2025 wurden rund 80.000 Gebäudevermessungen und 27.000 Grenzvermessungen durchgeführt sowie rund 210.000 Grenzpunkte abgemarkt. Eine besondere Rolle spielen dabei auch die rund 27.000 Feldgeschworenen, das älteste kommunale Ehrenamt Bayerns.

Vom Kataster zum Geodatendienstleister

Aus der klassischen Vermessungsverwaltung ist längst ein digitaler Geodatendienstleister geworden. Das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung sowie die 51 Ämter für Digitalisierung, Breitband und Vermessung stellen hochwertige amtliche Geodaten bereit – etwa Luftbilder, digitale Flurkarten, Höhen- und Gebäudemodelle. Über den BayernAtlas sind diese Daten für Bürger, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung nutzbar.

Wichtiger Partner der Kommunen

Auch für die Kommunen hat die Verwaltung große Bedeutung: Seit 2014 gehören Breitbandförderung und Digitalisierung zu ihren Aufgaben. Breitbandzentrum, Breitbandmanager und BayernLabs unterstützen Städte und Gemeinden bei digitalen Infrastrukturfragen. Nach Angaben des Ministeriums sind inzwischen mehr als 99 Prozent der bayerischen Haushalte mit schnellem Internet versorgt, rund 74 Prozent gigabitfähig. Der Freistaat hat seit 2014 rund 2,7 Milliarden Euro in den geförderten Glasfaserausbau investiert.

Französische Wurzeln

Internationale Bezüge prägten den Festakt ebenfalls. Der französische Generalkonsul Alexandre Vulic erinnerte an die französischen Wurzeln der bayerischen Landesvermessung. Die Gründung des topographischen Büros und des Steuerkatasters im Jahr 1801 sei eng mit den damaligen französisch-bayerischen Beziehungen verbunden gewesen. Daraus habe Bayern eine eigenständige, starke Vermessungstradition entwickelt.

Raumfahrt und KI

Einen Blick in die Zukunft warf der ehemalige Wissenschaftsastronaut Prof. Dr. Ulrich Walter. In seiner Keynote zu „New Space“ und Künstlicher Intelligenz zeigte er, wie wiederverwendbare Raketen, Satellitenkonstellationen und neue Geschäftsmodelle die Raumfahrt verändern. Zugleich mahnte er zu kritischem Denken im Umgang mit KI: Sie sei ein leistungsfähiges Werkzeug, könne menschliches Urteilsvermögen aber nicht ersetzen.

Der nächste Schritt: CuBy

Zum Jubiläum richtet sich der Blick der Bayerischen Vermessungsverwaltung auch ins All: Im Sommer 2026 soll die bayerische Satellitenmission „CuBy“ starten. Künftig sollen Kleinsatelliten alle drei Tage hochaufgelöste Satellitenbilder einer Teilfläche Bayerns liefern. Diese Daten sollen unter anderem Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Umweltbeobachtung und Katastrophenschutz unterstützen.

Wolfgang Bauer, Abteilungsleiter für Digitalisierung, Breitband und Vermessung im Finanz- und Heimatministerium, dankte den Beschäftigten, den Feldgeschworenen, den Kommunen sowie den Partnern aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Bayerische Vermessungsverwaltung sei in ihrer Größe und Kompetenz bundesweit einzigartig erhalten geblieben – und habe den Wandel von der analogen Karte zum digitalen Geodatensystem erfolgreich gestaltet.

Tradition und Zukunft

Die Bayerische Vermessungsverwaltung steht seit 225 Jahren für Verlässlichkeit, Präzision und Rechtsklarheit. Zugleich ist sie ein zentraler Akteur der digitalen Transformation im Freistaat – von der Grundstücksgrenze bis zum Satellitenbild.

https://www.ldbv.bayern.de

Jubiläumsfilm:

https://youtu.be/AalXF3y2e9E?si=vr9x6EZBWw0nbO5L

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