13. Bayerisches BreitbandForum in Gunzenhausen: Zukunft vernetzen, Kommunen stärken

GZ Ausgabe GZ-20-2026 vom 22. Oktober 2026 | Verwaltung & Digitalisierung
von Doris Kirchner
Gruppenfoto
V.l.: Julia Akkaya, Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation; Constanze von Hassel, Bayerische GemeindeZeitung; Bürgermeister Matthias Hörr, Stadt Gunzenhausen; Theresa von Hassel, Bayerische GemeindeZeitung, Stefan Graf, Bayerischer Gemeindetag und Klaus Spreng, Bayerisches Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Bild: jk

Etwa 200 kommunale Entscheidungs- und Mandatsträger sowie leitende Mitarbeiter aus Kommunalverwaltungen, Ministerien, Wirtschaft und Verbänden nahmen am 13. Bayerischen BreitbandForum in Gunzenhausen, einer Gemeinschaftsveranstaltung von Bayerischer Gemeindezeitung und Bayerischem Gemeindetag, teil. Zudem folgten 30 Partner und Aussteller der Einladung. Medienpartner war einmal mehr TV Bayern live.

Neben dem Festnetzausbau setzte das Breitbandforum in diesem Jahr einen eigenen Schwerpunkt auf das Thema Mobilfunk. Während das Glasfasernetz das leistungsfähige Rückgrat bilden, ermöglicht Mobilfunk die digitale Nutzung unterwegs und außerhalb des festen Anschlusses. Vor diesem Hintergrund wurden der aktuelle Stand der Mobilfunkversorgung in Bayern, die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Perspektive auf 6G beleuchtet. Zugleich wurde die praktische Frage diskutiert, welche Faktoren für eine erfolgreiche Mobilfunkversorgung entscheidend sind.

Darüber hinaus wurde gemeinsam mit dem Breitbandzentrum Bayern erstmals eine Bürgermeistersprechstunde angeboten. Dabei konnten die Rathauschefinnen und -chefs ihre individuellen Fragen zum Breitbandausbau im persönlichen Gespräch mit den zuständigen Ansprechpartnern klären.

Glasfasermarkt im Wandel

In ihrer Begrüßung beschrieb Constanze von Hassel, Chefredakteurin der Bayerischen GemeindeZeitung, unter anderem einen grundlegenden Wandel des Glasfasermarktes. Aus der früheren „Goldgräberstimmung“ sei inzwischen eine Marktbereinigung geworden: Unternehmen würden verschwinden oder übernommen, Ausbauprojekte verschoben oder gestoppt, teilweise zögen sich Telekommunikationsunternehmen aus Kommunen zurück, in denen sie zuvor eigenwirtschaftlichen Ausbau angekündigt hatten. Gleichzeitig wächst das Glasfasernetz weiter. Die Herausforderung verschiebe sich deshalb vom reinen Ausbau hin zu Fertigstellung, Betrieb und Wirtschaftlichkeit der Netze.

Für Kommunen komme hinzu, dass Breitband inzwischen mit anderen drängenden Aufgaben um Aufmerksamkeit und Geld konkurriert – von schwierigen Kommunalfinanzen bis zu Bevölkerungsschutz, Resilienz und ziviler Verteidigung, fuhr von Hassel fort. Erledigt sei das Thema trotzdem nicht. Gerade Probleme bei nicht fertiggestellten Projekten, Baumängeln, Haftung und Dokumentation beschäftigten die Rathäuser.

Ausbau bleibt kommunale Aufgabe

Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag unterstrich, dass sich der Ausbau trotz schwieriger Rahmenbedingungen fortsetzt und die Kommunen weiterhin investieren. Neben den Fördermitteln von Bund und Freistaat leisteten sie im geförderten Ausbau eigene Beiträge. Gerade die bayerische Kofinanzierung der Bundesförderung schaffe dabei attraktive Bedingungen für kommunale Projekte. Für Graf bleibt der fachliche Austausch zwischen Kommunen, Fördermittelgebern, Telekommunikationsunternehmen und weiteren Akteuren deshalb wichtig.

Bürgermeister Matthias Hörr zeigte am Beispiel Gunzenhausen auf, was diese Entwicklung konkret für eine Kommune bedeutet. Die mittelfränkische Stadt hat sich mit vier weiteren Gemeinden zusammengeschlossen und einen Zuwendungsbescheid von rund 16 Millionen Euro für den Ausbau des Stadtgebiets einschließlich der Ortsteile und der beteiligten Gemeinden erhalten. Nun beginne die anspruchsvolle Umsetzungsphase mit Ausschreibung, Tiefbau und Fragen zu Verlegetechniken. Für Hörr bleibt der Breitbandausbau trotz konkurrierender kommunaler Aufgaben eine Frage der Chancengerechtigkeit und gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land.

Im Rahmen des Kommunalforums des Bayerischen Gemeindetags bezeichnete Klaus Spreng vom Bayerischen Finanzministerium die Ausgangslage bei der Breitbandförderung als vergleichsweise gut. 99,5 Prozent der bayerischen Haushalte verfügten über mindestens 30 Mbit/s. 379 Kommunen hätten bereits eine Gigabitversorgung von mehr als 90 Prozent und trügen das Siegel „GigabitRegion Bayern“. Bayernweit bezifferte der Referatsleiter die Gigabitversorgung auf rund 76 Prozent, weitere sieben Prozent befänden sich im Bau. Entscheidend sei nun der Rest: Von insgesamt knapp 3,8 Millionen Adressen verfügten rund 2,4 Millionen aktuell oder perspektivisch über Glasfaser, weitere rund 773.000 über Koaxialversorgung. Die rein bayerischen Förderprogramme seien inzwischen ausgelaufen, weshalb der Schwerpunkt auf der Kofinanzierung der Bundesförderung liege.

Förderbedarf übersteigt die Mittel

Im Förderaufruf 2026 gingen laut Spreng 270 Infrastruktur- und 29 Lückenschlussanträge ein. Hinter den 270 Infrastrukturprojekten, für die eine Bundesförderung von rund 720 Millionen Euro beantragt wurde, stehen 323 Gemeinden; 15 Anträge sind interkommunale Projekte. Die zunächst für Bayern vorgesehene Landesobergrenze beträgt gerade einmal 169 Millionen Euro. Dies bedeute allerdings nicht, dass Bayern auf diesen Betrag begrenzt bleibt: Nicht ausgeschöpfte Mittel anderer Länder könnten anschließend über einen Bundestopf verteilt werden, dessen endgültiger Umfang zum Zeitpunkt des Vortrags allerdings noch nicht feststand.

Klare Empfehlung: „Jetzt handeln!“

Für 2027 sei ein Förderaufruf ähnlich dem diesjährigen zu erwarten. 2028 plane der Bund dagegen größere Veränderungen. Was danach folgt, sei offen, so Spreng. Die derzeitige Bundesförderrichtlinie läuft bis Ende 2028, für die Zeit ab 2029 fehle bislang eine klare Perspektive. Seine klare Empfehlung an die Kommunen lautete deshalb: „Jetzt handeln!“

BBF-Doku in GZ 24

In Ausgabe 24/2026 der Bayerischen GemeindeZeitung (Erscheinungsdatum: 17. Dezember) wird eine Sonderdokumentation der Tagung veröffentlicht. Weitere Informationen unter https://www.bayerisches-breitbandforum.de.

Freigegebene Vorträge finden Sie passwortgeschützt im Internet. Das Passwort fordern Sie bitte unter veranstaltungen@gemeindezeitung.de an.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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