Josef Göppels Vermächtnis: Archivbestand als Schlüssel zur CSU-Umweltpolitik
von Redaktion

Mit einem ersten Josef-Göppel-Archivabend hat die Hanns-Seidel-Stiftung gemeinsam mit der Familie Göppel im April 2026 an das politische Wirken des früheren CSU-Bundestagsabgeordneten erinnert. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft von MdL Tanja Schorer-Dremel und brachte Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in München zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Bedeutung der umfangreiche Nachlass Göppels für die Erforschung der Umweltpolitik innerhalb der CSU und darüber hinaus besitzt.
Josef Göppel galt über Jahrzehnte als eine der prägenden Stimmen der Umweltpolitik in Bayern und Deutschland. Der Diplom-Forstingenieur verband Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunalpolitik frühzeitig miteinander und setzte sich bereits in den 1980er-Jahren für nachhaltige Entwicklung, erneuerbare Energien und eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung ein. Besonders eng mit seinem Namen verbunden ist der Aufbau der Landschaftspflegeverbände, die heute eine zentrale Rolle im praktischen Naturschutz spielen.
Der im Archiv der Hanns-Seidel-Stiftung verwahrte Nachlass dokumentiert diese Entwicklung eindrucksvoll. Bereits 2017 hatte Göppel seine Unterlagen als Vorlass an die Stiftung übergeben. Mit rund 30 laufenden Metern Aktenmaterial aus allen Phasen seines politischen Wirkens eröffnet der Bestand einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Umweltpolitik in Bayern und innerhalb der CSU.
Bedeutende Forschungsquelle
Archivleiter Dr. Christian Petrzik bezeichnete den Bestand als bedeutende Quelle für die Forschung: Der Nachlass ermögliche vielfältige Perspektiven auf die Geschichte der Umweltpolitik sowie auf innerparteiliche Debatten innerhalb der CSU. Forschende und Autoren seien ausdrücklich eingeladen, mit dem Material zu arbeiten – auch mit Blick auf mögliche biografische Projekte.
Die Schirmherrin der Veranstaltung, MdL Tanja Schorer-Dremel, würdigte insbesondere Göppels Verdienste um die Landschaftspflegeverbände. Die Idee zu deren Gründung sei eine „herausragende Leistung“ gewesen. Allein in Bayern seien mit Unterstützung des Freistaats inzwischen 71 Verbände entstanden, die bis heute eine tragende Säule des Naturschutzes darstellen.
Brücken bauen für eine nachhaltige Zukunft
Auch Vertreter des Naturschutzes erinnerten an die Aktualität von Göppels Anliegen. Beate Rutkowski, stellvertretende Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern, warnte davor, den Naturschutz politisch zu marginalisieren. Dieser bilde die Grundlage wirtschaftlichen Handelns – nicht nur in Bayern, sondern europaweit.
Unter der Überschrift „Brücken bauen für eine nachhaltige Zukunft“ blickte die Familie Göppel zugleich nach vorn. Sophia Göppel-Kraft betonte die besondere Qualität der Veranstaltungsreihe, die seit dem Tod ihres Vaters im Jahr 2022 gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern organisiert werde. Ziel sei es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Räume für den gesellschaftlichen Dialog zu schaffen. Für 2027 sei zudem die Verleihung eines Josef-Göppel-Preises in Kooperation mit dem Deutschen Landschaftspflegeverband geplant.
Ökologie und wirtschaftliche Verantwortung
Der Archivabend machte deutlich, dass Josef Göppels politisches Erbe weit über seine aktive politische Laufbahn hinauswirkt. Seine Arbeit gilt bis heute als wichtige Referenz für die Diskussion über nachhaltige Entwicklung, kommunalen Naturschutz und die Verbindung von Ökologie und wirtschaftlicher Verantwortung.
Hintergrund: Josef Göppel
Josef Göppel (1950–2022) war Begründer der Landschaftspflegebewegung in Deutschland. 1986 initiierte er in Mittelfranken einen der ersten Landschaftspflegeverbände Deutschlands. 1993 folgte die Gründung des Deutschen Verbands für Landschaftspflege (DVL), dessen Vorsitz er über viele Jahre innehatte.
Göppel trat 1970 gleichzeitig der CSU und dem BUND Naturschutz bei. Er war Mitglied des Bezirkstags von Mittelfranken, Kreistagsmitglied im Landkreis Ansbach sowie Stadtrat in Herrieden. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Bayerischen Landtag an, anschließend bis 2017 dem Deutschen Bundestag. Über mehr als zwei Jahrzehnte leitete er zudem den Umweltarbeitskreis der CSU und prägte deren Umweltprogramm maßgeblich mit.
Auch nach seiner aktiven Zeit in der Bundespolitik engagierte sich Göppel weiter für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung – unter anderem als Mitinitiator der Genossenschaft Regionalstrom Franken eG sowie als ehrenamtlicher Energiebeauftragter des Bundesentwicklungsministeriums für Afrika. Seine Beteiligung an der Verfassungsbeschwerde gegen unzureichenden Klimaschutz trug mit dazu bei, dass das Bundesverfassungsgericht 2021 ein richtungsweisendes Klimaurteil fällte.
Website: www.goeppel.de