Neues Landesamt stärkt den Bevölkerungsschutz
von Redaktion

Bayern bündelt seine Kräfte im Bevölkerungsschutz: Seit April arbeitet das neue Bayerische Landesamt für Bevölkerungsschutz. Innen- und Katastrophenschutzminister Joachim Herrmann stellte Aufgaben und Strukturen der Behörde vor. Für Kommunen und Kreisverwaltungsbehörden soll das Landesamt vor allem bei großflächigen Krisenlagen ein leistungsfähiger Partner sein.
Naturkatastrophen, Ausfälle kritischer Infrastruktur und die veränderte sicherheitspolitische Lage stellen den Bevölkerungsschutz vor neue Herausforderungen. Das Bayerische Landesamt für Bevölkerungsschutz hat am 15. April 2026 seine Arbeit aufgenommen und soll die Einsatzbereitschaft bei außergewöhnlichen Schadens- und Krisenlagen stärken. „Wir müssen den Bevölkerungsschutz umfassend in all seinen Facetten verstehen – vom Brandschutz und der Sicherstellung des Rettungsdienstes über den Katastrophenschutz in Friedenszeiten bis zum Zivilschutz im Verteidigungsfall“, erklärte Herrmann.
Das Landesamt ging aus der bisherigen Abteilung „Feuerwehr, Rettungsdienst, Bevölkerungsschutz“ des Innenministeriums hervor. Dort arbeiten 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Statt bislang fünf gibt es nun sieben Sachgebiete. Neu sind die Bereiche „Einsatzvorbereitung“ und „Zivile Verteidigung“.
Damit bündelt Bayern Aufgaben von Feuerwehr und Rettungsdienst über den Katastrophenschutz bis zur Vorbereitung auf den Verteidigungsfall. „Mit dem Landesamt stärken wir nachhaltig die Handlungsfähigkeit für Lagen des Katastrophenschutzes und der Zivilen Verteidigung auf Landesebene“, betonte Herrmann.
Hochwasser als fiktiver Ernstfall
Für Kommunen und Kreisverwaltungsbehörden ist entscheidend, dass bei größeren Ereignissen eine zentrale Stelle Informationen zusammenführt und Unterstützung koordiniert. Die Gefahrenabwehr bleibt Aufgabe der zuständigen Stellen vor Ort – gemeinsam mit Feuerwehren, Rettungsdiensten und Hilfsorganisationen.
Wie das Zusammenspiel funktioniert, demonstrierten die Mitarbeiter des Landesamts anhand eines fiktiven Hochwassers. Solche Ereignisse können mehrere Kommunen und Landkreise treffen, kritische Infrastruktur gefährden und zusätzliche Einsatzkräfte und Material erfordern. Eine zentrale Rolle übernimmt das 2023 eingerichtete Bayerische Melde- und Lagezentrum für den Bevölkerungsschutz. Es ist rund um die Uhr besetzt und wächst im Katastrophenfall zur „Führungsgruppe Katastrophenschutz Land Bayern“ auf. Dort werden Informationen zusammengeführt und Maßnahmen mit Polizei sowie Hilfs- und Rettungsorganisationen abgestimmt.
Eine Besonderheit ist die Nähe zum ebenfalls im Innenministerium angesiedelten Landespolizeipräsidium. So könnten sich Polizei und Katastrophenschutz im Krisenfall auf kurzen Wegen abstimmen, hob Herrmann hervor. Beim Hochwasserszenario demonstrierte die Polizei ihre Aufgaben. Dazu zählen der Schutz von Menschenleben, die Sicherung kritischer Infrastruktur und die Zusammenarbeit mit Katastrophenschutzbehörden und Hilfsorganisationen.
Bevölkerungsschutz breiter aufgestellt
Mit dem Landesamt trägt Bayern einem veränderten Verständnis von Bevölkerungsschutz Rechnung. Neben Naturkatastrophen rücken der Schutz kritischer Infrastruktur und die Vorbereitung auf Krisen bis hin zum Verteidigungsfall stärker in den Mittelpunkt.
Für Städte, Gemeinden und Landkreise kommt es darauf an, dass die verschiedenen Ebenen ineinandergreifen: Die örtlichen Strukturen müssen leistungsfähig bleiben, während bei großflächigen Ereignissen rasch überregionale Hilfe organisiert werden kann. Das Landesamt soll auf Landesebene die Fäden zusammenführen – damit Unterstützung im Ernstfall schnell dort ankommt, wo sie vor Ort gebraucht wird.