Bayerische Landesausstellung 2027: „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“
von Redaktion

Konzeptvorstellung mit Kunstminister Markus Blume: 200 Jahre Frauengeschichte und weibliches Engagement - Frauen, die geholfen, geheilt, gekämpft und Bayern verändert haben: Ihnen widmet das Haus der Bayerischen Geschichte die Landesausstellung 2027 unter dem Titel „Schwesterherz! Frauen retten Bayern“. Das Konzept wurde jetzt von Kunstminister Markus Blume im Münchner Café Luitpold vorgestellt – an einem geschichtsträchtigen Ort, an dem bereits 1899 der erste Allgemeine Bayerische Frauentag stattgefunden hatte.
Vor 127 Jahren kamen dort Frauen aus ganz Bayern zusammen, um über Bildung, Beruf, wirtschaftliche Selbstständigkeit und ihre rechtliche Stellung zu diskutieren. Die sogenannte „Frauenfrage“ wurde damit öffentlich zum Thema. An diesen historischen Aufbruch knüpft die kommende Landesausstellung an. Vom 4. Mai bis 7. November 2027 wird sie in den Klosteranlagen des Dominikus-Ringeisen-Werks in Ursberg zu sehen sein.
Kunstminister Markus Blume bezeichnete die Ausstellung als Hommage an die „weiß-blaue Frauenpower“. Sie rücke Frauen ins Rampenlicht, die durch ihren Einsatz für andere und ihren Mut, neue Wege zu gehen, das Land geprägt hätten. Zu den vorgestellten Persönlichkeiten zählen unter anderem die Wissenschaftspionierin Adele Hartmann, die Widerstandskämpferin Sophie Scholl und die 68er-Ikone Uschi Obermaier. Mit Ursberg und Dillingen stünden zugleich zwei Orte im Mittelpunkt, an denen Hilfe und Fürsorge eine lange Tradition hätten.
Frauen schreiben Geschichte
Die Ausstellung spannt einen Bogen über rund 200 Jahre bayerischer Geschichte. Ausgangspunkt ist das Jahr 1816, das sogenannte „Jahr ohne Sommer“. Unwetter, Missernten und Inflation brachten große Teile der Bevölkerung in Not. Frauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten halfen mit Spenden und in Suppenküchen. In den 1860er-Jahren erhoben Arbeiterinnen wie Therese Studer ihre Stimme für bessere Bedingungen. 1893 gründete Ellen Ammann die Bahnhofsmission, um Frauen, die in den Städten eine neue Existenz suchten, Schutz und Unterstützung zu bieten.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Kampf um Gleichberechtigung. Künstlerinnen und Frauenrechtlerinnen widersetzten sich gesellschaftlichen Konventionen und setzten sich für Selbstbestimmung ein. Frauen erkämpften sich den Zugang zu höherer Bildung: 1903 wurde schließlich auch das Frauenstudium in Bayern zugelassen. Damit eröffneten sich neue berufliche Perspektiven, etwa in der Medizin.
Die Schau erinnert außerdem an Frauen, die im Ersten Weltkrieg unter schwierigen Bedingungen Verwundete versorgten, und an jene, die während der NS-Diktatur Widerstand leisteten und menschenverachtendes Unrecht dokumentierten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkten Architektinnen, Bauunternehmerinnen und Journalistinnen maßgeblich am Wiederaufbau mit. Bis in die Gegenwart reicht der Blick auf den Einsatz für körperliche Selbstbestimmung, gleiche Bezahlung und gesellschaftliche Teilhabe. Zeitzeuginnen berichten dabei auch von ihren persönlichen Erfahrungen und davon, wo sie selbst Unterstützung benötigen.
Geschichte inklusiv erlebbar machen
Neben der historischen Vermittlung setzt das Haus der Bayerischen Geschichte auf ein umfassendes Ausstellungserlebnis. Direktor Dr. Richard Loibl betonte, dass die Schau für Besucherinnen und Besucher mit und ohne Behinderung gleichermaßen zugänglich sein solle. Geplant sind eine aufwendige Gestaltung, zahlreiche Mitmachstationen, mediale Präsentationen und vielfältige inklusive Angebote.
Ein besonderer künstlerischer Akzent kommt von der Lichtkünstlerin Vanessa Hafenbrädl. Sie gestaltet eine Lichtschau in der Kapelle St. Florian, die das Ausstellungsthema auf besondere Weise erlebbar machen soll. Ergänzt wird das Angebot durch ein Rahmenprogramm der beteiligten Partner, darunter die Bildungs- und Kulturwerkstatt Klosterort Ursberg gGmbH.
Von Frauenmut und Frauengeist
Wie aktuell das Anliegen des ersten Bayerischen Frauentags geblieben ist, zeigt dessen damaliges Festspiel von Marie Haushofer. Darin heißt es: „Jede, wer sie sei, trag’ heut nach ihrer Kraft und Weise bei, dass künftighin des Menschenvolks Geschichte, von Frauenmut und Frauengeist berichte.“
Dieser Gedanke bildet auch den Leitgedanken der Landesausstellung 2027. Sie macht sichtbar, wie Frauen über Generationen hinweg Verantwortung übernommen, gesellschaftliche Veränderungen angestoßen und Bayern mitgestaltet haben. Aus dem historischen Ruf nach mehr Rechten wird so eine ebenso eindrucksvolle wie aktuelle Geschichte von Mut, Solidarität und Zusammenhalt.