VDV-Jahrespressekonferenz: Gemischte Bilanz für Bus und Bahn

GZ Ausgabe GZ-5-2026 vom 26. Februar 2026 | Infrastruktur & Technik
von Doris Kirchner
Portrait
VDV-Präsident Ingo Wortmann. Bild: VDV

Auf seiner Jahrespressekonferenz hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen eine gemischte Bilanz für das Jahr 2025 gezogen. Nach Berechnungen des VDV nutzten im vergangenen Jahr 9,9 Milliarden Fahrgäste die Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland. Das entspricht einem leichten Zuwachs von 0,8 Prozent gegenüber 2024.

VDV-Präsident Ingo Wortmann bewertete die steigenden Fahrgastzahlen grundsätzlich positiv, machte jedoch deutlich, dass das Wachstum deutlich höher ausfallen könnte. Als Bremsfaktoren nannte er den schlechter werdenden Zustand der Infrastruktur, Probleme bei Beschaffung und Zulassung von Fahrzeugen sowie bürokratische Hürden bei der Personalgewinnung. Diese Entwicklungen wirkten sich zunehmend auf Qualität und Zuverlässigkeit aus und seien auch für die Kundinnen und Kunden spürbar. Mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres sei man daher nur teilweise zufrieden. Ziel bleibe es, möglichst vielen Menschen gute Mobilitätsangebote bereitzustellen, dafür seien jedoch passende politische Rahmenbedingungen erforderlich.

Keine Fortschritte bei ÖPNV-Modernisierungspakt und Regionalisierungsgesetz

Konkret kritisierte Wortmann, dass der im Koalitionsvertrag angekündigte ÖPNV-Modernisierungspakt weiterhin nicht umgesetzt sei. Auch bei der Weiterentwicklung des Regionalisierungsgesetzes gebe es bislang keine erkennbaren Fortschritte. Der VDV habe Bundesverkehrsminister Schnieder entsprechende Vorschläge unterbreitet. Die Realisierung des Modernisierungspakts werde bislang vom Bundesfinanz- und vom Bundesverkehrsministerium unter Hinweis auf fehlende zusätzliche Finanzmittel abgelehnt, da insbesondere finanzielle Forderungen der Länder und Kommunen befürchtet würden. Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV dürfe jedoch keine politische Verhandlungsmasse sein, betonte Wortmann mit Blick auf die täglich rund 24 Millionen Fahrgäste in Ballungszentren und ländlichen Räumen. Die Verkehrsunternehmen und Verbünde stünden bereit, weitere Maßnahmen zur Steigerung von Produktivität, Effizienz und Qualität umzusetzen, sofern die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen würden.

Als geeigneten Ansatzpunkt für einen Modernisierungspakt sieht der VDV die bereits begonnene vierte Änderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes. Das Gesetz gilt aus Sicht des Verbands als Erfolgsgeschichte der direkten Bundesförderung für die Modernisierung des ÖPNV in den Kommunen und eigne sich daher als Ausgangspunkt für ein umfassendes Modernisierungsprogramm der Bundesregierung. Der Verband schlägt unter anderem vor, die Enddaten 2030 sowie Nachrangigkeiten bei der Förderung der Grunderneuerung von Verkehrswegen zu streichen, Vorhaben zur Erreichung von Klimazielen stärker zu berücksichtigen, Digitalisierung und Automatisierung von Verkehrswegen einschließlich On-Board-Units zu fördern, öffentliche Schutzräume nicht nur beim Neubau zu unterstützen und die jährliche Dynamisierungsrate von derzeit 1,8 Prozent an einen Baukostenindex zu koppeln, um steigende Infrastrukturkosten auszugleichen.

Deutschlandticket

Auch beim Deutschlandticket sieht die Branche eine insgesamt stabile Entwicklung. Nach der erneuten Preiserhöhung zum 1. Januar 2026 von 58 auf 63 Euro pro Monat blieb eine Kündigungswelle erneut aus. Während die Kündigungsquote nach der Preiserhöhung 2025 noch bei rund acht Prozent gelegen hatte, beträgt sie aktuell 5,75 Prozent und liegt damit deutlich unter dem Vorjahreswert. Wortmann erklärte, dass auch in diesem Jahr keine Kündigungswelle zu erkennen sei. Dies sei wichtig angesichts der angespannten Einnahmesituation der Branche. Künftig müsse gemeinsam mit Bund und Ländern eine stabile Gesamtfinanzierung des Deutschlandticket sichergestellt werden, um weitere Potenziale des Angebots zu erschließen. Dafür brauche es eine auskömmliche Finanzierung aus öffentlichen Haushalten, den vereinbarten Preisindex sowie eine bundesweite, faire Einnahmeaufteilung. Zum Jahresende 2025 nutzten rund 14,6 Millionen Menschen das Deutschlandticket. Davon entfielen 74 Prozent auf Standardtickets, 15 Prozent auf Jobtickets und 11 Prozent auf Semestertickets.

Branche unter Druck

Gleichzeitig steht die Branche wirtschaftlich weiter unter Druck. Auf der Kostenseite wirkten sich insbesondere deutlich steigende Personalkosten aus, die innerhalb eines Jahres um fünf Prozent zulegten. Andere große Kostenblöcke wie Strom und Diesel seien dagegen nur moderat gestiegen oder teilweise sogar leicht gesunken. Parallel dazu sei die Produktivität im Fahrdienst in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen. Eine aktuelle Branchenuntersuchung führt dies auf reduzierte tarifvertragliche Arbeitszeiten sowie steigende Abwesenheitszeiten zurück.

Schienengüterverkehr bereitet Sorge

Neben dem Personenverkehr bereitete dem Verband vor allem die Entwicklung im Schienengüterverkehr Sorgen. Nach vorläufiger Auswertung des VDV lag die Beförderungsleistung 2025 bei rund 133,9 Milliarden Tonnenkilometern und damit unter dem Niveau von 2016 mit 138,4 Milliarden Tonnenkilometern. Das entspricht einem Rückgang von rund 3,2 Prozentpunkten. Die pandemiebedingten Ausschläge seien inzwischen verschwunden, zurück bleibe ein harter intermodaler Wettbewerb in einem schwierigen Umfeld aus konjunktureller Stagnation, höheren Zöllen, Bürokratie, steigenden Kosten für Trassen, Energie und Löhne, Fachkräftemangel sowie regulatorischen Unsicherheiten.

Besonders problematisch seien kurzfristige Entscheidungen bei der Schienenmaut, fehlende Verlässlichkeit bei Förderprogrammen für den kombinierten Verkehr, den Einzelwagenverkehr und die Trassenpreisförderung sowie ein nicht mehr zeitgemäßes Trassenpreissystem, dessen Reformbedarf europaweit bekannt sei.

Engpässe im Schienennetz

Zugleich verschärfen sich laut Verband die Engpässe im Schienennetz. Nach dem Netzfahrplan 2026 gelten inzwischen 26 Strecken als überlastet. Der Zustand des Netzes verschlechtert sich weiter, Stellwerke werden nur noch mit der Schulnote 4 bewertet. Parallel nimmt die Bautätigkeit deutlich zu: 2024 wurden 21.000 Baustellen oder Bauereignisse gezählt, 2025 bereits 26.000, für 2026 werden rund 28.000 erwartet. Die Auswirkungen seien im Betrieb deutlich spürbar. Umleiterstrecken seien häufig nicht ausreichend leistungsfähig, so dass weniger oder gar keine Trassen zur Verfügung stünden und Umleitungen teils praktisch unmöglich seien. Längere Laufzeiten und zusätzliche Störungen führten zu Qualitätsverlusten bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Hinzu kämen erhebliche Mehraufwände durch Umwege, zusätzliche Traktion sowie höheren Personal- und Fahrzeugeinsatz, während auch Terminal-, Abstell- und Baunebenkosten die Kosten weiter nach oben trieben.

Für mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit

Grundsätzlich begrüßt die Branche die geplanten Korridorsanierungen und das Ziel, die Infrastruktur robuster und leistungsfähiger zu machen. Gleichzeitig mahnt der VDV an, den bestehenden Markt nicht aus dem Blick zu verlieren. Vollsperrungen seien für den Güterverkehr häufig zu starr, Umleiterstrecken vielerorts nicht ausreichend ertüchtigt oder in unzureichender Qualität verfügbar. Alle Güterbahnen seien stark betroffen, teils mit existenzgefährdenden Folgen. Wenn Züge große Umwege fahren müssten, dauerhaft nicht ihre volle Länge nutzen könnten oder unklar sei, wann sie beim Kunden ankommen, sprängen Kunden ab und Umsätze gingen schlagartig zurück, während Fixkosten bestehen blieben.

Stabile Förderung unverzichtbar

Die Jahresbilanz 2025 macht aus Sicht des VDV deutlich, dass sowohl Güter- als auch Personenverkehr auf der Schiene mehr Verlässlichkeit und Planbarkeit benötigen. Erforderlich seien ausreichende Kapazitäten, bezahlbare Trassen und eine stabile, langfristige Förderung, damit nicht nur gebaut, sondern auch gefahren werden könne.

Vorschläge des VDV

Der Verband hat hierzu Vorschläge erarbeitet und politischen Entscheidern vorgelegt. Aus Sicht der Branche geht es dabei um die Sicherung und transparente Veröffentlichung von Umleiterkapazitäten, die Überprüfung von Sperrkonzepten je Korridor, eine faire Kompensation von Bau- und Betriebserschwernissen, pragmatische Regelwerke für temporäre Stresslagen, eine stärkere Berücksichtigung des Schienengüterverkehrs in der vom Bundesverkehrsministerium eingerichteten Taskforce für eine zuverlässige Bahn sowie um ein neues, transparentes, planbares und faires Trassenpreissystem mit dem Ziel, das Preisniveau spürbar zu senken und Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Straßengüterverkehr zu verringern.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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