RENEXPO 2026 in Salzburg: Energiewende braucht Vernetzung, Tempo und Ehrlichkeit

GZ Ausgabe GZ-8-2026 vom 16. April 2026 | Infrastruktur & Technik
von Constanze von Hassel
Gruppenfoto
V.l. Messechef Alexander Kribus, Dr. Stefan Haslinger, Vertreter von Schubert Cleantech, Horst Ebner, Vertreter des Energieunternehmens Gutmann Christopher Schöpf, Vertriebsvorstand der e.battery systems AG, GZ-Chefredakteurin Constanze von Hassel und Johannes von Schkopp, Vertreter des Übertragungsnetzbetreibers TenneT Germany. Bild: Messe Salzburg

Die RENEXPO – connect energies 2026 hat sich spürbar weiterentwickelt: Mit 1.327 Fachbesuchern und 82 Ausstellern (+30 Prozent) zeigte die Messe im Salzburger Messezentrum, dass die Energiewende zunehmend als integrierte Systemaufgabe verstanden wird. Neben der klassischen Wasserkraft rückten insbesondere Speichertechnologien, Netzintegration und sektorübergreifende Lösungen in den Fokus. Alexander Kribus, Geschäftsführer des Messezentrums Salzburg, zog ein entsprechend positives Fazit: „Mit der Weiterentwicklung des Formats ist es gelungen, Bewährtes wie die Wasserkraft mit Zukunftsthemen wie Speicher, Netze und Systemintegration zusammenzuführen.“

Im Zentrum der von Constanze von Hassel, Chefredakteurin der Bayerischen GemeindeZeitung, moderierten beiden Talkrunden stand die Frage, wie Versorgungssicherheit in einem zunehmend erneuerbaren Energiesystem gewährleistet werden kann. Einigkeit herrschte in der ersten Runde darüber, dass der Ausbau erneuerbarer Energien allein nicht ausreicht. Dr. Leonhard Schitter, Vorstandsvorsitzender der Energie AG Oberösterreich, betonte die Dimension der Herausforderung: „Die Königsdiziplin dieser Energietransformation wird nicht nur der Bau der Infrastruktur sein, sondern vor allem auch das zur Verfügung stellen der Flexibilität.“

„Wir brauchen alles“

Auch Michael Baminger, Vorstandsvorsitzender der Salzburg AG, machte klar, dass einfache Lösungen nicht greifen: „Wir brauchen alles, was wir kriegen können.“ Gemeint sind damit gleichermaßen Netzausbau, Speicher, Flexibilitätsoptionen und neue Marktmechanismen.

Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich, zeigte sich grundsätzlich optimistisch, stellte aber klare Anforderungen an Politik und Verwaltung: „Es geht; es ist eine Frage der Maßnahmen und der Ambition.“

Dr. Benedikt Ennser, Leiter der Sektion Energie im österreichischen Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, verwies auf die Rolle der regulatorischen Rahmenbedingungen: „Wir müssen es schaffen, dass sich die Akteure automatisch systemdienlich verhalten.“

Eine wirtschaftspolitische Einordnung lieferte Dr. Peter Ramsauer, ehemaliger deutscher Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und langjähriger Bundestagsabgeordneter: „Die Frage ist nicht, ob wir uns das leisten können, sondern zu welchen Kosten.“

In der zweiten Talkrunde verschob sich der Fokus auf konkrete Technologien und deren Zusammenspiel. Johannes von Schkopp, Vertreter des Übertragungsnetzbetreibers TenneT Germany, ordnete die Rolle von Speichern ein: „Die Speichertechnologien sind ein Teil der Lösung.“

Christopher Schöpf, Vertriebsvorstand der e.battery systems AG, eines Unternehmens für Energiespeichersysteme, bestätigte die Dynamik im Markt, relativierte aber zugleich Erwartungen: „Es ist ein unglaublicher Hype, aber es wird einen Technologiemix brauchen.“

Horst Ebner, Vertreter des Energieunternehmens Gutmann, lenkte den Blick auf die oft unterschätzte Nachfrageseite und die Rolle flexibler Tarife: „Wir müssen die Kunden anreizen, dann Strom zu verbrauchen, wenn er im Überfluss vorhanden ist.“

Dr. Stefan Haslinger, Vertreter von Schubert Cleantech, einem Unternehmen für Energie- und Infrastrukturtechnik, hob die Bedeutung von Sicherheit und Resilienz hervor: „Wir müssen bei Sicherheit und Verfügbarkeit dieselben Maßstäbe ansetzen wie bisher.“

Zentrales Thema: Finanzierung

Ein zentrales Thema beider Diskussionsrunden blieb die Finanzierung der Transformation. Dr. Leonhard Schitter warnte eindringlich vor fehlenden Investitionsspielräumen: „Wenn wir nicht investieren können, wird die Energiewende nicht funktionieren.“ Martina Prechtl-Grundnig ergänzte mit Blick auf politische Eingriffe: „Ständige Änderungen der Spielregeln machen es teurer.“

Zugleich wurde sichtbar, dass der Umbau des Energiesystems ohne gesellschaftliche Akzeptanz nicht gelingen wird. Michael Baminger plädierte für mehr Offenheit in der Debatte: „Wir sollten aufhören, Dinge zu simplifizieren, die Transformation ist aufwendig.“

Die RENEXPO 2026 zeigt damit eindrucksvoll: Die Energiewende ist längst kein reines Technologieprojekt mehr, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Infrastruktur, Marktmechanismen, Regulierung und gesellschaftlicher Akzeptanz. Oder, wie es Dr. Benedikt Ennser zusammenfasst: „Die Energiewende ist ein gesellschaftliches Projekt.“

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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