Die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau wird 40: Mit Qualität in die Zukunft
von Redaktion

Ob Energiewende oder Breitbandausbau, leistungsfähige Infrastruktur braucht höchste Bauqualität. Im Jahr ihres 40-jährigen Jubiläums steht die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e. V. (GLT) mehr denn je für fundierte Qualitätsanforderungen und technische Expertise. Seit vier Jahrzehnten etabliert sie mit objektivierten Prüfverfahren und dem RAL-Gütezeichen 962 ein belastbares Qualitätssicherungssystem, das Ausführungsstandards definiert, überprüfbar macht und dauerhaft absichert.
Als sich im Dezember 1986 „neun Herren und eine Dame“ zur Gründung der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau zusammenfanden, ahnte wohl niemand, dass sie nicht nur Pionierarbeit leisten, sondern ein ebenso überzeugendes wie gesellschaftlich bedeutsames Qualitätssicherungssystem auf den Weg bringen. Aus ihrer Initiative entstand eine Organisation, die heute als anerkannte Benchmark für fachliche Expertise, technische Präzision, hochwertige Ausführung und Sicherheit auf der Baustelle gilt. Pünktlich zum Jubiläumsjahr überschreitet auch die Zahl der GLT-Mitgliedsunernehmen die Marke von 300, ein sichtbares Zeichen für die gewachsene Bedeutung der Gütegemeinschaft.
Seit der Entstehung vor 40 Jahren hat die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau e.V. viel erreicht, um die einheitliche und objektive Überprüfung der Arbeitsqualität im (Kabel-)Leitungstiefbau zu fördern. „Ein erster Meilenstein, der bis heute am Markt Orientierung schafft und mit dem Unternehmen sich von Mitbewerbern positiv abheben, war die Einführung des Gütesiegels RAL-GZ 962 Kabelleitungstiefbau, das die GLT schon seit 1992 verleiht“, erläutert GLT-Präsident Matthias Fiedler. 2014 wurde das Gütezeichen auf Wunsch von Auftraggeberseite in RAL-GZ 962/1 für den Bereich Leitungstiefbau und RAL-GZ 962/2 für den Kabelleitungstiefbau gegliedert. Heute tragen 10 Prozent der GLT-Mitglieder das RAL-GZ 962/1, während die Mehrheit (90 Prozent) das RAL-GZ 962/2 vorweisen kann.
Qualität ist nicht verhandelbar
Qualität braucht klare und verlässliche Maßstäbe. „Deshalb gehört es zur Aufgabe unserer Expertinnen und Experten sich von Beginn an in normgebende Gremien einzubringen und die fachlichen Grundlagen der Branche aktiv mitzugestalten“, beschreibt GLT-Geschäftsführerin Susanne Hake das hohe Engagement der Gütegemeinschaft. Das zeigte sich bereits 1994 bei der Neuauflage der „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Aufgrabungen in Verkehrsflächen“ (ZTV A), an der die GLT maßgeblich beteiligt war. Auch das Instrument der „Eigenüberwachungen“ – ein Herzstück der GLT-Prüfungen im Rahmen der Vergabe des Gütezeichens – wird zu diesem Zeitpunkt klar definiert und verbindlich in die Norm aufgenommen. Bereits zehn Jahre später entwickelte die GLT mit der ATV DIN 18322 Kabelleitungstiefbau ein eigenes Regelwerk, das kurze Zeit darauf Eingang in die VOB 2006 findet.
Aber das Engagement der GLT beschränkt sich nicht auf die Weiterentwicklung technischer Standards, sondern weitete sich konsequent über die Jahre auf die Mitgestaltung übergeordneter Rahmenbedingungen aus. So bringt die GLT auch beim flächendeckenden Ausbau der Gigabitnetze ihre Expertise mit Nachdruck ein und wirkt aktiv an praxistauglichen politischen Leitplanken mit. „Hier war unsere Gütegemeinschaft im Jahr 2020 maßgeblich daran beteiligt, mit der DIN Trenching, der 18220 ´Trench-, Fräs- und Pflugverfahren zur Legung von Leerrohrinfrastrukturen und Glasfaserkabeln für Telekommunikationsnetze´ ein marktkonformes Instrument für einen qualitätsorientierten Glasfaserausbau zu schaffen“, so Fiedler. Nach drei Jahren intensiver fachlicher Arbeit im Kreise vieler relevanter Akteure wurde die Norm 2023 fertiggestellt. Sie unterstreicht das klare Selbstverständnis der Gütegemeinschaft, dass qualitativ hochwertige, nachhaltige und generationengerechte Bauweisen auch in Zeiten hohen Ausbaudrucks oberste Priorität haben.
Standards stärken
Über ihre eigenen Qualitätsaktivitäten hinaus setzt die Gütegemeinschaft seit vielen Jahren bewusst auf enge Partnerschaften. In Kooperation mit Verbänden wie dem Rohrleitungsbauverband (rbv) oder dem Güteschutz Kanalbau bündelt sie fachliche Kompetenz und praktische Erfahrung, um Qualitätsmaßstäbe im Leitungstiefbau weiterzuentwickeln. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden maßgebliche Regelwerke für den Gas-, Wasser-, Fernwärme- und Elektrobereich, darunter die GW 381, FW 600 und VDE 4220/4221. Für sie alle bildeten die Güte und Prüfbestimmungen des RAL-GZ 962 die fachliche Grundlage.
Bekenntnis der Auftraggeber zum Gütezeichen
Ein Gütezeichen entfaltet seine Wirkung vollumfänglich, wenn es auch auf Auftraggeberseite bewusst getragen wird. „Dieses klare Bekenntnis zur Qualität ist ein entscheidender Baustein für einen qualitätsorientierten Leitungstiefbau“, unterstreicht Hake. Rund 15 Jahre nach der Gründung rückte die GLT deshalb einen neuen Schwerpunkt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Von da an stand verstärkt die Aufgabe im Fokus, Auftraggeber vom gemeinsamen Qualitätsgedanken zu überzeugen und sie als Partner zu gewinnen. Mit Erfolg. „Immer mehr Auftraggeber sind über die Jahre dazu übergegangen, unser Gütezeichen RAL-GZ 962 gezielt als Instrument zu nutzen, um Bauqualität in Ausschreibungen und Verträgen zu sichern und aktiv zu fördern.“ Dass dies selbstverständlich geworden ist, ist das Ergebnis eines langen, vertrauensvollen Dialogs. Früh suchte die GLT das Gespräch mit Auftraggebern und gewann sie für den gemeinsamen Qualitätsgedanken. Aus ersten Kontakten, etwa im Jahr 2002 mit der DEW 21 in Dortmund und 2004 mit der Mainova in Frankfurt, entwickelte sich eine tragfähige Zusammenarbeit, die bis heute besteht. Beide Unternehmen sind weiterhin außerordentliche Mitglieder und engagieren sich im Güteausschuss.
Wissen weitergeben, Qualität sichern
Wissen und fachliche Expertise leben davon, geteilt zu werden. Mit der Gründung der Service und Zertifizierung GmbH im Jahr 2010, mit der die GLT ihren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb auslagerte, fiel daher zugleich der Startschuss für die Seminarreihen der Gütegemeinschaft. Die große Nachfrage von Beginn an zeigt, wie hoch der Bedarf an fundierter, praxisnaher Weiterbildung in der Branche ist und wie sehr die GLT auch hier als verlässliche Partnerin wahrgenommen wird.
Ergänzt wird dieses Engagement durch eigene Fachpublikationen. Dazu zählen die „Arbeitshinweise für die Ausführung von Arbeiten im Kabelleitungstiefbau“ aus dem Jahr 2000, die erste Auflage der Broschüre Eigenüberwachung von 2005 sowie das 2012 erschienene Fachbuch „Kabellegungs- und Ziehtechniken – und was sonst noch alles dazu gehört“ von Dieter Schaffaff, das inzwischen in zweiter Auflage vorliegt. Sie alle tragen dazu bei, Wissen zu sichern, weiterzuentwickeln und für die Praxis zugänglich zu machen.
Sichtbar sein
Dass die GLT in der Branche großen Zuspruch und hohe Sichtbarkeit genießt, ist nicht zuletzt ihrer Offenheit für neue Wege zu verdanken. Mit viel Engagement wurden praxisnahe Instrumente wie das Kabelzugberechnungsprogramm, eine App zur Eigenüberwachung sowie der Förderpreis im Kabelleitungstiefbau entwickelt. Sie alle zeigen, dass Qualität und Innovation für die Gütegemeinschaft untrennbar zusammengehören.
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels richtet sich der Blick zugleich nach vorn. Die Zukunft der Branche beginnt bei den Jüngsten, deshalb setzt sich die GLT mit Überzeugung für den Nachwuchs ein. Um schon früh Neugier und Begeisterung für den Beruf zu wecken, entstand das Pixibuch „Meine Schwester ist Leitungstiefbauerin“. „Mit inzwischen 130.000 Exemplaren, die spielerische Einblicke in den Arbeitsalltag geben, steht es heute in vielen Kinderzimmern und trägt die Faszination des Leitungstiefbaus in die nächste Generation“, ist Fiedler überzeugt.
Viele engagierte Köpfe
Hinter 40 Jahren Gütegemeinschaft Leitungstiefbau stehen vor allem Menschen, die sich mit Fachwissen, Verantwortungsbewusstsein und persönlichem Engagement eingebracht haben. Ohne sie wäre diese Erfolgsgeschichte nicht denkbar. Viele von ihnen begleiten die GLT über lange Jahre hinweg und stehen damit auch nach außen für Verlässlichkeit und Kontinuität.
So hatte die Gütegemeinschaft in vier Jahrzehnten ihres Bestehens lediglich vier Präsidenten: den „Gründungsvater“ Wolfgang Krah, der 2014 unter anderem für sein Engagement im Bereich Qualität bei Bauausführungen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, Dr. Sven Lehmann, Willi Thomsen und Matthias Fiedler. Sie alle engagieren sich ehrenamtlich in Gremien und prägen die inhaltliche Arbeit des Vereins maßgeblich.
Seit 2002 führt Dipl.-Ing. Susanne Hake als Geschäftsführerin die Geschäfte der GLT mit großer fachlicher Kompetenz und Beständigkeit. Verstärkt wird das Team durch Sylvia Krüger seit 2007,Jutta Litwin seit 2017 und seit kurzem durch Birgit Hummel.
Auch im Güteausschuss zeigt sich diese Kontinuität. Mit Fritz-Eckard Lang, Gerhard Hallstein, Matthias Fiedler und Susanne Hake wird dort in jeder Sitzung verantwortungsvoll und mit Augenmaß über die Einhaltung der Gütebestimmungen gewacht.
Zukunft im Blick
Wenn sich die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau im April 2026 zur Jahresversammlung am Chiemsee trifft, richtet sich der Blick nicht nur auf das Jubiläum, sondern vor allem nach vorn. Themen wie der Breitbandausbau, die Aufgaben im Zuge der Energiewende und die Einrichtung eines Betreiberregisters zeigen, wie eng die Zukunft des Landes mit der Leistungsfähigkeit des Leitungstiefbaus verknüpft ist.
Auch vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung stellt sich die GLT diesen Herausforderungen mit Verantwortungsbewusstsein und Gestaltungswillen. Für GLT-Präsident Matthias Fiedler ist das ein klares Signal für die Bedeutung der gemeinsamen Arbeit: „Auf unsere Branche kommt es jetzt an. Wir bauen die nötige Infrastruktur. Aber nur mit Qualität können wir die dynamischen Aufgaben verantwortungsvoll und generationengerecht lösen. Dafür wird sich die Gütegemeinschaft Leitungstiefbau auch in Zukunft intensiv engagieren.“