BEG veröffentlicht erstmals Ranking zur Betriebsqualität: Mehr Vergleichbarkeit im SPNV
von Redaktion

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) führt mit dem neuen Ranking „Betriebsqualität“ erstmals eine einheitliche Bewertungsgröße zur Zuverlässigkeit des bayerischen Regional- und S-Bahn-Verkehrs ein. Ziel ist eine bessere Vergleichbarkeit der einzelnen Netze. Grundlage des Rankings sind vier zentrale Kennzahlen: die Zugfahrquote (Anteil der tatsächlich gefahrenen Züge), die Pünktlichkeit, die Regelzugbildung (Einsatz der geplanten Sitzplatzkapazität) sowie die Anschlussquote. Die Kennzahlen werden – unter Berücksichtigung der unterschiedlichen betrieblichen Komplexität der Netze – zu einem Gesamtwert zusammengeführt.
In der Auswertung für das Jahr 2024 belegt das Regionalnetz „Kissinger Stern“ (Betreiber: Erfurter Bahn) mit 99 von 100 möglichen Punkten den Spitzenplatz. Die Schlusslichter bilden die Expressverbindungen München–Prag (Die Länderbahn) und München–Hof (DB Regio).
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter begrüßt das neue Instrument: „Ich finde es gut, dass wir jetzt erstmals ein gesamthaftes Bild bei der Betriebsqualität im bayerischen Schienenpersonennahverkehr haben. Der Spitzenplatz der Erfurter Bahn zeigt: Auch kleinere Unternehmen können Höchstleistungen erbringen. Ziel muss sein, dass sich die Betriebsqualität in allen Netzen weiter verbessert.“
Kissinger Stern mit Spitzenwerten
BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs betont den Anreizcharakter des Rankings: „Der Gesamtwert Betriebsqualität macht sichtbar, wie zuverlässig die Verkehrsunternehmen das vom Freistaat beauftragte Angebot umsetzen. Ergänzend zu bestehenden finanziellen Anreizen wollen wir die Unternehmen motivieren, ihren Fahrgästen ein möglichst verlässliches Reiseerlebnis zu bieten.“ Bewertet wurden 29 Regionalverkehrsnetze sowie die S-Bahn-Netze München und Nürnberg. Der „Kissinger Stern“ überzeugte trotz hoher betrieblicher Komplexität mit einer Zugfahrquote von 99,7 Prozent, einer Pünktlichkeit von 95,4 Prozent sowie sehr hohen Werten bei Anschlussquote und Regelzugbildung.
Die beiden Expressnetze nach Prag und Hof erreichten jeweils 79,4 Punkte. Ausschlaggebend waren vor allem niedrige Pünktlichkeitswerte – trotz Wertungsbonus für besonders anspruchsvolle betriebliche Rahmenbedingungen. Im bayernweiten Durchschnitt erzielten die Regionalverkehrsnetze 92,2 Punkte. Die S-Bahnen werden separat ausgewiesen, da hier keine Anschlussquoten erhoben werden. Die S-Bahn Nürnberg kommt auf 95,3 Punkte, die S-Bahn München auf 93,7 Punkte.
Gewichtung und Komplexität
In den Gesamtwert fließen die Zugfahrquote mit 50 Prozent, die Pünktlichkeit mit 25 Prozent, die Regelzugbildung mit 15 Prozent und die Anschlussquote mit 10 Prozent ein. Kurzfristige Zugausfälle werden berücksichtigt, langfristig geplante Ausfälle – etwa wegen Baustellen – hingegen nicht. Zusätzlich gleicht ein Korrekturfaktor Unterschiede in der Netzkomplexität aus, etwa durch stark belastete Knoten, eingleisige Strecken oder gemeinsame Nutzung mit Güter- und Fernverkehr.
Ergänzung zur Servicequalität
Das neue Ranking ergänzt das bestehende BEG-Ranking zur Servicequalität, das Faktoren wie Sauberkeit und Kundenservice abbildet. Beide Bewertungen werden bewusst getrennt ausgewiesen, da die Betriebsqualität auch stark von Infrastruktur und externen Einflüssen abhängt. https://beg.bahnland-bayern.de/de/