Bayerisches Baugewerbe: Zwischen vorsichtiger Stabilisierung und kommunaler Baukrise
von Doris Kirchner

Die Herbst-Konjunkturumfrage des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen (LBB), vorgestellt am 26. November 2025 im PresseClub München, zeichnet ein zweigeteiltes Bild der bayerischen Bauwirtschaft: Während sich der Wohnungsbau auf extrem niedrigem Niveau leicht stabilisiert, steckt der öffentliche Hoch- und Straßenbau weiterhin in einer tiefen Krise. Für Städte und Gemeinden verschärft sich damit der ohnehin hohe Investitionsdruck.
Insgesamt bleibt die Geschäftslage kritisch, auch wenn der Pessimismus gegenüber dem Vorjahr spürbar nachgelassen hat. Erwarteten 2024 noch mehr als die Hälfte der Betriebe eine Verschlechterung ihrer Lage, sind es in diesem Herbst 33 Prozent. 61 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, lediglich 7 Prozent blicken optimistisch in die kommenden Monate. „Die Lage ist weiterhin kritisch, aber nicht mehr so düster wie vor einem Jahr“, fasste Verbandspräsident Georg Gerhäuser die Stimmung zusammen.
Erholung, aber keine Trendwende
Erste Lichtblicke zeigen sich im Wohnungsbau. Von Januar bis September 2025 wurden in Bayern laut Bayerischem Landesamt für Statistik 41.237 Wohnungen genehmigt. Damit lag das Genehmigungsvolumen im dritten Quartal um 13 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders der Ein- und Zweifamilienhausbau verzeichnet nach massiven Einbrüchen eine Erholung um 21 Prozent. Entsprechend sind die Erwartungen in diesem Segment vergleichsweise am besten: Zehn Prozent der Wohnungsbauunternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage.
Der Verband sieht darin jedoch noch keine Trendwende. Um den Wohnungsbau nachhaltig zu beleben, fordert Gerhäuser verlässliche politische Rahmenbedingungen. Als zentrales Instrument gilt die angekündigte Förderung des Effizienzhaus-55-Standards: 71 Prozent der befragten Betriebe halten sie für geeignet, sofern sie ausreichend finanziert und vor allem planbar ausgestaltet ist. „Abrupte Förderstopps wie in den vergangenen Jahren dürfen sich nicht wiederholen“, so Gerhäuser.
Als weiteren Hebel bezeichnete der Verbandspräsident den sogenannten Bauturbo. Dieses Instrument müsse nun auch von den Kommunen konsequent genutzt werden, um Genehmigungs- und Bauprozesse zu beschleunigen. Seine Wirkung könne jedoch nur dann voll entfaltet werden, wenn die Kommunen zugleich über ausreichende finanzielle und personelle Spielräume verfügten.
Düstere Lage
Deutlich düsterer ist die Lage im öffentlichen Hochbau und im Straßenbau. Drei von vier Betrieben im öffentlichen Hochbau sowie 56 Prozent der Straßenbauunternehmen melden zu geringe Auftragsbestände. Entsprechend negativ fällt die Umsatzbilanz 2025 aus: 65 Prozent der Betriebe, die für die öffentliche Hand bauen, verzeichneten Umsatzrückgänge, im Straßenbau waren es 53 Prozent. Für 2026 erwarten 46 Prozent der Unternehmen im öffentlichen Bau weiter sinkende Umsätze, nur vier Prozent rechnen mit Zuwächsen.
Als Ursachen nennt der Verband fehlende Haushaltsfreigaben, einen spürbaren Auftragstopp – etwa im Autobahnbau – sowie stark gestiegene Entsorgungskosten infolge fehlender Deponiekapazitäten und langwieriger Genehmigungsverfahren. Für die Kommunen verschärft sich dadurch ein strukturelles Problem: Schulen, Kitas, Straßen und Brücken müssen saniert oder neu gebaut werden, gleichzeitig steigen die Anforderungen durch Energiewende, Klimaanpassung und demografische Entwicklung. „Die Finanznot, besonders bei Städten und Gemeinden, ist besorgniserregend“, warnte Gerhäuser.
Festhalten an Personal
Vor diesem Hintergrund fordert der Landesverband, dass der Freistaat – wie im Entwurf des neuen Doppelhaushalts angekündigt – seine Investitionsquote deutlich erhöht. Nur so lasse sich der wachsende Investitionsstau im kommunalen Bereich auflösen.
Positiv bewertet die Branche, dass die Betriebe trotz der angespannten Marktlage an ihrem Personal festhalten. Fachkräfte blieben weitgehend im System, Abgänge erfolgten nahezu ausschließlich altersbedingt. Auch die Ausbildung soll auf bisherigem Niveau fortgeführt werden. Das wertet der Verband als wichtige Voraussetzung, um die anstehenden kommunalen Bauaufgaben künftig bewältigen zu können.
Der Ausblick bleibt dennoch verhalten. Viele Unternehmen arbeiten von der Substanz, finanzielle Reserven schwinden. Ohne verlässliche Förderprogramme, vereinfachte Standards, beschleunigte Verfahren und eine zügige Freigabe kommunaler Haushalte droht sich die Krise im öffentlichen Bau weiter zu verfestigen – mit spürbaren Folgen für die kommunale Infrastruktur in Bayern.