Tag der bayerischen Regionen in Nürnberg: Förderbescheide für innovative Digitalprojekte
von Doris Kirchner

Beim fünften Tag der bayerischen Regionen in Nürnberg stand der Austausch über Sichtbarkeit und Kommunikation regionaler Projekte im Mittelpunkt. Der Bezirk Mittelfranken stellte hierzu sein POP-UP!-Mobil als Praxisbeispiel für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit vor. Fachbeiträge aus Regionalentwicklung, Marketing und Social Media gaben Einblicke in zeitgemäße Formen der Heimatpräsentation. In Workshops entwickelten die Teilnehmer aus ganz Bayern neue Ideen für eine stärkere Sichtbarkeit regionaler Initiativen.
Das Bayerische Heimatministerium unterstützt seit 2019 digitale Heimatprojekte sowie Maßnahmen zur Stärkung regionaler Identität. Beide Förderbereiche wurden in der Heimat-Digital-Regional-Förderrichtlinie (HDRFöR) zusammengeführt. Unterstützt werden vor allem Bezirke, Landkreise, kreisfreie Städte sowie Vereine und Stiftungen. Auch kleinere digitale Projekte können berücksichtigt werden. Die maximale Fördersumme beträgt bis zu 300.000 Euro bei Förderquoten von bis zu 90 Prozent.
„Fichtel-MINT“
In Nürnberg übergab Finanz- und Heimatminister Albert Füracker mehrere Förderbescheide mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Millionen Euro. So erhält das Europäische Zentrum für Dispersionstechnologien (EZD) in Selb eine Förderung von über 288.000 Euro für die Entwicklung eines außerschulischen Bildungsangebots für Jugendliche in Hochfranken namens „Fichtel-MINT – digitaler Wirtschaftswandel trifft Heimat“.
Im Mittelpunkt stehen praxisnahe MINT- und Medienbildungsangebote mit starkem Regionalbezug. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig für naturwissenschaftlich-technische Themen zu begeistern und ihnen konkrete berufliche Perspektiven in der Region aufzuzeigen. Ergänzt wird das Projekt durch digitale Storytelling-Formate, die den Strukturwandel im Fichtelgebirge und die Innovationskraft der Region sichtbar machen.
Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege baut ein bayernweites Netzwerk zur Dialektpflege auf und erweitert dieses um den neuen Baustein „Dialektpflege mit KI“ in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz dabei helfen kann, regionale Mundarten systematisch zu erfassen, zu analysieren und langfristig zu bewahren. In einer ersten Pilotphase werden das Werdenfelser Land sowie die Region Mühldorf/Altötting untersucht. Langfristig soll der Ansatz auf ganz Bayern ausgeweitet werden. Für die Weiterentwicklung wird das Projekt auf insgesamt 300.000 Euro aufgestockt.
„WhatsHeimat“
Ebenfalls vom Landesverein stammt die App „WhatsHeimat“, die das bestehende Kulturlandschaftsforum digital erweitert. Ziel ist es, Kulturlandschaften in Bayern interaktiv und niedrigschwellig zugänglich zu machen. Besonders Jugendliche werden aktiv in die Entwicklung einbezogen und sollen Inhalte selbst mitgestalten. So werden Zusammenhänge zwischen Natur, Kultur und historischer Landnutzung vermittelt und ein stärkeres Bewusstsein für regionale Entwicklung geschaffen. Das Projekt wird mit über 296.000 Euro gefördert.
Interaktiver Memory-Walk
In Nürnberg entsteht mit „EISENWALZER – Ein interaktiver Memory-Walk zur Geschichte des Nürnberger Tafelwerks“ ein digitales Erinnerungsprojekt der Tafelhalle im KunstKulturQuartier. Das Projekt verbindet lokale Industriegeschichte mit moderner Vermittlungstechnologie und macht die Geschichte des ehemaligen Tafelwerks an Originalschauplätzen erlebbar. Durch die Zusammenführung von Archivmaterial, Zeitzeugenberichten und digitalen Anwendungen entsteht ein multimedialer Erinnerungsraum. Gleichzeitig wird auch die NS-Vergangenheit des Areals aufgearbeitet und historisch eingeordnet. Der Memory-Walk soll dauerhaft als digitaler Erinnerungsort für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Gefördert wird das Projekt mit 57.439,15 Euro.
Tool zur Berufsorientierung
Die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH entwickelt mit „Unternehmertum und Engagement.Leben“ ein digitales Tool zur Berufsorientierung für Jugendliche und junge Erwachsene. Nutzerinnen und Nutzer können eigene Stärken und Kompetenzen im Bereich Unternehmertum und gesellschaftliches Engagement ermitteln und weiterentwickeln. Ergänzend sollen Austauschformate mit regionalen Unternehmen und Akteuren entstehen, um direkte Vernetzung zu ermöglichen. Im Rahmen sogenannter Impact-Challenges werden zudem gesellschaftliche Fragestellungen bearbeitet und in Teamarbeit praxisnahe Lösungen entwickelt. Das Projekt wird mit 300.000 Euro gefördert.