Kommunalfinanzen 2025: Rekorddefizit verschärft Lage weiter

GZ Ausgabe GZ-8-2026 vom 16. April 2026 | Finanzen & Wirtschaft
von Redaktion
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Die Kommunalfinanzen in Deutschland haben 2025 ein erneutes Rekorddefizit erreicht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag das Minus in den kommunalen Kernhaushalten bei 29,4 Mrd. Euro – und damit noch über dem bereits kritischen Vorjahreswert.

Der Präsident des Deutschen Landkreistags, Achim Brötel, warnt vor einer strukturellen Krise: Die Kommunen wirtschafteten im dritten Jahr in Folge „auf Verschleiß“. Rücklagen seien weitgehend aufgebraucht, Investitionen würden verschoben, Leistungen gekürzt. Ein konjunktureller Aufschwung allein werde die Lage nicht lösen.

Sozialausgaben treiben Defizit

Hauptursache sind seit Jahren stark steigende Pflichtausgaben, insbesondere im Sozialbereich. Dazu zählen:

  • Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen
  • Kinder- und Jugendhilfe (rund 20 Mrd. Euro jährlich, mit Steigerungsraten über 10 %)
  • Hilfe zur Pflege (Zuwächse von über 20 %)

Diese Dynamik sei von den Kommunen nicht mehr aufzufangen. Hinzu kommen zusätzliche Belastungen durch bundes- und landespolitische Vorgaben, etwa bei Personal in Kitas und im Gesundheitsdienst.

Besonders betroffen sind die Landkreise, die viele dieser Aufgaben umsetzen, aber kaum eigene Einnahmemöglichkeiten haben. Gleichzeitig steigen die Kassenkredite deutlich: In den ersten drei Quartalen 2025 nahmen sie insgesamt um 28 %, bei Landkreisen sogar um 48 % zu. Laut Brötel ist dies ein „letzter Warnschuss“ für die Handlungsfähigkeit des Staates vor Ort.

Forderungen an Bund und Länder

Der Deutsche Landkreistag fordert:

  • schnelle Reformen auf der Ausgabenseite
  • kurzfristige Entlastungen durch den Bund

Als Sofortmaßnahme schlägt der Verband eine Erhöhung des kommunalen Anteils an der Umsatzsteuer um 10 Prozentpunkte vor. Dies würde rund 30 Mrd. Euro zusätzlich bringen und das Defizit ausgleichen. Langfristig müsse dieser Anteil wieder reduziert werden, sobald strukturelle Reformen greifen. Zugleich sieht der Landkreistag auch die Länder in der Pflicht, die kommunale Finanzausstattung dauerhaft zu verbessern.

Redaktion

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