GVB-Halbjahresbilanz: Genossenschaftsbanken mit stabiler Entwicklung
von Doris Kirchner

Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken haben ihr Kreditgeschäft im ersten Halbjahr 2026 trotz schwacher Konjunktur ausgeweitet. Das Kreditvolumen stieg seit Jahresbeginn um ein Prozent auf 149,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig ging die Vergabe neuer Unternehmenskredite zurück. Der Genossenschaftsverband Bayern fordert deshalb bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, um Investitionen zu erleichtern und den Aufschwung zu stärken.
„Die Volks- und Raiffeisenbanken stehen für Stabilität und Verlässlichkeit“, erklärte GVB-Präsident Stefan Müller bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in München. Als Finanzierungspartner für Mittelstand, Handwerk und private Haushalte seien die Banken bereit, weiteres Wachstum zu finanzieren. Bürokratie, hohe Kosten und ungünstige politische Rahmenbedingungen dürften die wirtschaftliche Erholung nicht ausbremsen.
Unternehmenskredite rückläufig
Die Ausleihungen an Firmenkunden erhöhten sich gegenüber dem Jahresbeginn um 0,8 Prozent, bei Privatkunden betrug der Zuwachs 1,2 Prozent. Im Neugeschäft zeigte sich dagegen eine größere Zurückhaltung: Die Banken vergaben neue Unternehmenskredite in Höhe von 5,6 Milliarden Euro. Das waren neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
GVB-Vorstandsmitglied Alexander Leißl führte die Entwicklung auf die wirtschaftliche Unsicherheit zurück. Viele Unternehmen hätten Investitionen zunächst verschoben. Die inzwischen verbesserten Konjunkturaussichten könnten dazu beitragen, dass Betriebe wieder mehr Vertrauen fassten und geplante Vorhaben umsetzten.
Auch bei der privaten Immobilienfinanzierung blieb die Nachfrage verhalten. Das Neugeschäft mit Wohnungsbaukrediten belief sich auf 8,3 Milliarden Euro und lag damit sieben Prozent unter dem Vorjahreswert von 8,9 Milliarden Euro. Als Gründe nannte Leißl das weiterhin erhöhte Zinsniveau, gestiegene Baukosten und die Unsicherheit vieler Haushalte über ihre wirtschaftliche Zukunft. Der Wunsch nach Wohneigentum bestehe zwar weiterhin, Investitionsentscheidungen würden jedoch häufig aufgeschoben.
Die Kundeneinlagen blieben mit 166,4 Milliarden Euro nahezu unverändert. Innerhalb der Einlagenstruktur verschoben sich die Bestände jedoch: Die Termineinlagen legten um 2,5 Prozent zu, während die Sicht- und Spareinlagen um 0,9 beziehungsweise 1,4 Prozent zurückgingen. Nach Einschätzung des GVB reagierten die Kunden damit auf die unterschiedlichen Verzinsungsmöglichkeiten.
An Bedeutung gewann das Wertpapiergeschäft. Das außerbilanzielle Kundenanlagevolumen stieg seit Jahresbeginn um 4,8 Prozent auf 137,5 Milliarden Euro. Der Nettoabsatz von Fonds und Wertpapieren der genossenschaftlichen FinanzGruppe erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Besonders gefragt waren Aktien und Aktienfonds, deren Nettoabsatz um 19 Prozent zunahm. Der Verband sieht Wertpapiere damit weiterhin als wichtigen Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnen die bayerischen Genossenschaftsbanken mit einem bereinigten Ergebnis vor Ertragsteuern von 2,1 Milliarden Euro. Das wären rund 250 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig erwartet der Verband steigende Betriebskosten.
Die durchschnittliche Quote notleidender Kredite (NPL-Quote) erhöhte sich von 2,63 auf 2,76 Prozent. Darin spiegelten sich die wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre und die verhaltene Entwicklung im ersten Halbjahr wider. Der moderate Anstieg gebe keinen Anlass zur Dramatisierung, müsse aber weiter beobachtet werden.
Verband fordert bessere Standortbedingungen
Über die Entwicklung der Banken hinaus fordert der Verband bessere Bedingungen für die gesamte Wirtschaft. Zwar hätten sich die Konjunkturaussichten zuletzt aufgehellt, eine breite Erholung sei aber noch nicht erreicht. Insbesondere die privaten Investitionen blieben hinter dem zurück, was für einen dauerhaft tragfähigen Aufschwung erforderlich sei.
GVB-Präsident Müller sprach sich für weniger Bürokratie, niedrigere Steuern und Arbeitskosten, wettbewerbsfähige Strompreise sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren aus. Zudem kritisierte er die steigende Staatsquote. Diese lag 2025 nach Angaben des Verbands bei 50,6 Prozent, verglichen mit 45,6 Prozent im Jahr 2019.
Der Staat müsse seine Ausgaben stärker priorisieren und vor allem in Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung investieren. Dauerhaftes Wachstum entstehe dagegen durch Unternehmen, die investierten, Innovationen vorantrieben und Arbeitsplätze schafften. Eine Wirtschaft, die vor allem vom staatlichen Konsum getragen werde, sei langfristig nicht ausreichend tragfähig, argumentierte Müller.
Reformbedarf sieht der GVB auch bei der Bankenregulierung. Die für große, international tätige Institute entwickelten Vorschriften verursachten für kleinere Regionalbanken einen erheblichen Aufwand, obwohl deren Geschäftsmodelle weniger komplex seien. Der Verband fordert deshalb ein eigenständiges, einfach handhabbares Regelwerk für kleine und nicht komplexe Institute.
Die von der Europäischen Kommission diskutierten Erleichterungen gingen aus Sicht des GVB nicht weit genug. Andere Staaten wie die Schweiz, das Vereinigte Königreich und die USA verfügten bereits über besondere Regelungen für kleinere Banken. Eine angemessene Regulierung könne den Aufwand reduzieren, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Dadurch würden Ressourcen für die Kundenberatung, die Finanzierung des Mittelstands sowie Investitionen in Digitalisierung und Cybersicherheit frei.
Grundsätzlich positiv wird die Frühstartrente bewertet. Kinder und Jugendliche frühzeitig mit Vermögensbildung, Kapitalmarkt und privater Altersvorsorge vertraut zu machen, sei ein wichtiger Schritt. Eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge könne dazu beitragen, die Alterssicherung in Deutschland langfristig breiter und widerstandsfähiger aufzustellen.
Abschließend appellierte Präsident Müller an die Bundesregierung, die wirtschaftspolitischen Reformen konsequent umzusetzen. Die verbesserten Aussichten böten die Chance, nach Jahren der Stagnation wieder eine breitere wirtschaftliche Belebung zu erreichen. Entscheidend sei, private Investitionen und unternehmerische Initiative zu stärken.
Bürokratieabbau, bezahlbare Energie, eine wettbewerbsfähige Steuer- und Abgabenlast sowie eine mittelstandsgerechte Regulierung müssten dabei zusammenspielen. Aus Sicht des GVB kann eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung nur gelingen, wenn unternehmerische Freiheit, Wettbewerb, Eigenverantwortung und verlässliche Rahmenbedingungen wieder stärker zur Geltung kämen.