Bayerischer Finanzgipfel in München: Umbruch gestalten, Stabilität sichern
von Doris Kirchner

Die zunehmende geopolitische Fragmentierung stellt Wirtschaft und Finanzmärkte vor neue Herausforderungen. Unter dem Leitthema „Den Umbruch gestalten. Stabilität sichern.“ befasste sich der Bayerische Finanzgipfel in München mit den Perspektiven des Wirtschafts- und Finanzstandorts Bayern. Zu den Schwerpunkten zählten die Entwicklung der Kapitalmärkte, die Finanzierung wachstumsstarker Start-ups und die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf die Finanzbranche.
Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger sprach sich zum Auftakt für weniger Bürokratie und eine Entlastung der Finanzwirtschaft aus. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten brauche es eine leistungsfähige Finanzbranche, die Unternehmen bei ihren Vorhaben unterstütze. Statt zusätzlicher Regulierung seien deshalb Entlastungen und Bürokratieabbau erforderlich.
Aiwanger unterstützte zudem die Forderung der Kreditwirtschaft nach einem vereinfachten Regelwerk für kleinere Banken, einem sogenannten Kleinbankenregime. Wenn kleinere Institute von unnötigen bürokratischen Pflichten entlastet würden, könnten sie sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Dabei müsse die EU berücksichtigen, dass der deutsche Bankenmarkt kleinteiliger strukturiert sei als die Märkte anderer Mitgliedstaaten.
Auch bei der Finanzierung junger Unternehmen sieht der Wirtschaftsminister Handlungsbedarf. Bayerische Start-ups müssten nicht nur in der Gründungsphase, sondern auch beim weiteren Wachstum ausreichend Zugang zu Kapital erhalten. Mehr mobilisiertes Kapital in Deutschland könne zusätzliche Wachstumsimpulse schaffen. Mit der Initiative VC4Start-ups leiste Bayern hierzu bereits einen Beitrag.
Aiwanger begrüßte außerdem die Neuaufstellung der Finanzplatz München Initiative als Verein, die auf dem Finanzgipfel öffentlich vorgestellt wurde. Damit erhält das Netzwerk von Akteuren aus der bayerischen Kredit- und Versicherungswirtschaft eine feste organisatorische Grundlage. Ein starker Finanzplatz sei ein wichtiger Standortfaktor für die bayerische Wirtschaft, erklärte Aiwanger und wertete die Vereinsgründung als Signal für dessen weitere Entwicklung.
In seiner Keynote zur aktuellen Weltlage und ihren Auswirkungen auf die bayerische Finanzwirtschaft beleuchtete Dr. Christoph Jurecka, Vorstandsvorsitzender der Munich Re, die Rolle der Finanz- und Versicherungswirtschaft bei der Bewältigung langfristiger Herausforderungen. Er ging unter anderem auf die demografische Entwicklung, die Altersvorsorge, die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos, die Künstliche Intelligenz und den Klimawandel ein. Mit Blick auf KI verwies Jurecka sowohl auf neue Anwendungsmöglichkeiten als auch auf zusätzliche Risiken, die für Versicherer neue Absicherungsmodelle erforderlich machen könnten. Beim Thema Klimawandel befasste er sich mit versicherbaren Schäden und der Rolle institutioneller Investoren, etwa bei Investitionen in erneuerbare Energien und Forstwirtschaft.
Jurecka bezeichnete Versicherungen als „Immunsystem der Gesellschaft“ und unterstrich damit ihre Bedeutung für die Absicherung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Risiken. Zudem sprach er sich für eine europäische Kapitalmarktunion und eine stärkere Integration der Märkte aus. Voraussetzung dafür seien einheitliche Standards.
Unter dem Titel „Fasten your seatbelt“ diskutierten Vertreter aus Finanzwirtschaft, Wissenschaft und FinTech-Szene die Entwicklung der Kapitalmärkte und die Zukunft der Geldanlage. Neben aktuellen Anlagetrends wurde auch die wachsende Bedeutung der Rüstungsindustrie als Investitionsthema erörtert. Eine Diskussionsrunde widmete sich der Frage, welche Rolle künftig Neobroker, etablierte Finanzinstitute und Versicherungsunternehmen bei der Lenkung der Kapitalströme spielen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Finanzwirtschaft. Die Session „Wie KI die Finanzwelt umpflügt“ beschäftigte sich mit Veränderungen im Kundenverhalten und den Umbrüchen innerhalb der Branche. Wissenschaftliche Einschätzungen zum Kunden im KI-Zeitalter wurden durch Praxiserfahrungen aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft ergänzt. Dabei ging es auch um die strategische Nutzung der Technologie sowie um Unsicherheiten und neue Herausforderungen für die Versicherungsbranche.