Zukunftstechnologie mit bayerischem Machergeist: 100 Jahre Kraftwerk am Höllensteinsee

GZ Ausgabe GZ-14-2026 vom 16. Juli 2026 | Energie
von Redaktion
Foto des Höllenstein-Kraftwerks
100 Jahre Höllenstein-Kraftwerk: Das Höllenstein-Kraftwerk ging am 14. Januar 1926 in Betrieb. Foto: Stadtarchiev Straubing

Mit einem feierlichen Festakt hat die Kraftwerk Am Höllenstein AG das 100-jährige Jubiläum des Kraftwerksbetriebs am Höllensteinsee begangen. Zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Wegbegleiter kamen dazu im Höllensteinhaus zusammen, um ein Jahrhundert Wasserkraft, Ingenieurskunst und regionale Energiegeschichte zu feiern.

Seit seiner Inbetriebnahme am 14. Januar 1926 steht das Wasserkraftwerk am Schwarzen Regen für eine verlässliche und nachhaltige Stromerzeugung. Was in den 1920er Jahren als mutige und wegweisende Entscheidung des Straubinger Stadtrats begann, hat sich bis heute zu einem bedeutenden Baustein regionaler Energieversorgung entwickelt.

Zum Festakt begrüßte Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Markus Pannermayr die Gäste und zeichnete in seiner Ansprache die Geschichte des Kraftwerks nach. Er erinnerte daran, dass die Entscheidung des Straubinger Stadtrats im Jahr 1923 – mitten in der Hochinflationszeit – abenteuerlich und umstritten war. Der steigende Strombedarf der Stadt auf der einen und knappe und teure Brennstoffe auf der anderen Seite gaben den Ausschlag für den Bau eines Wasserkraftwerks am Schwarzen Regen. Damit sei der Grundstein für eine langfristig tragfähige Energieversorgung gelegt worden — nicht nur für Straubing, sondern für die gesamte Region rund um Viechtach.

Der Bau des Kraftwerks stellte die Verantwortlichen damals vor große Herausforderungen. Das Gebiet rund um den heutigen Höllensteinsee war weitgehend unerschlossen, Straßen gab es nicht und Baumaterialien mussten aufwändig mit Pferdefuhrwerken oder über den Wasserweg transportiert werden. Dennoch entstand mit der Talsperre ein technisches Meisterwerk: Mit 74 Metern Länge und 19,2 Metern Höhe war sie zur damaligen Zeit die größte Bayerns.

Bereits im ersten Betriebsjahr erzeugte das Kraftwerk 7,8 Millionen Kilowattstunden Strom — das entsprach dem Dreifachen des damaligen Straubinger Strombedarfs. Über zwei rund 40 Kilometer lange Mittelspannungsleitungen wurde die Energie nach Straubing transportiert. Zugleich trug das Kraftwerk wesentlich zur Elektrifizierung und wirtschaftlichen Entwicklung der Region um Viechtach bei.

Sinnbild für regionale Energiegewinnung

Heute ist das Kraftwerk am Höllensteinsee mehr denn je ein Sinnbild für regionale und nachhaltige Energiegewinnung. Gemeinsam mit dem Kraftwerk Pulling werden jährlich durchschnittlich 19,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Wasserkraft leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur Netzstabilität und zur Energiewende. Denn als emissionsarme, effiziente und grundlastfähige Energiequelle steht sie rund um die Uhr zur Verfügung.

Günter Winter, Vorstand der Kraftwerk Am Höllenstein AG, betonte, dass 100 Jahre Kraftwerksbetrieb alles andere als selbstverständlich seien. Der dauerhafte Betrieb erfordere neben technischem Know-how und großer Sorgfalt auch kontinuierliche Investitionen und Anpassungen an die hohen Anforderungen in den Bereichen Gewässer-, Natur- und Tierschutz.

Auch zwei Staatsminister hatten es sich nicht nehmen lassen, auf 100 Jahre Wasserkraft am Höllenstein anzustoßen. Staatsminister Hubert Aiwanger betonte die Rolle der Wasserkraft als Energiequelle der Gegenwart und Zukunft: „Wer sichere Stromversorgung will, darf die Wasserkraft nicht kaputtreformieren“, mahnte er. Im Anschluss zeigte sich Staatsminister Christian Bernreiter beeindruckt von der Kraftwerksgeschichte: „Als Bauingenieur ziehe ich den Hut vor dem, was Planer und Arbeiter hier vor 100 Jahren unter härtesten Bedingungen geleistet haben.“ Dabei sei der Höllensteinsee ein lebendiges Beispiel dafür, dass Energiegewinnung, Naturschutz und Tourismus kein Widerspruch sind, sondern sich sogar - wie hier in Höllenstein - gegenseitig stärken können.

Auch Helmut Plenk, stellvertretender Landrat des Landkreises Regen und Bürgermeister Hans Greil aus Viechtach gratulierten herzlich zu 100 Jahren Kraftwerksbetrieb. Sie waren sich einig: Der Mut, die Idee und der Bau des Höllenstein-Kraftwerks waren großartige Pionierarbeit. Und die Mannschaft beschützt ihr Kraftwerk mit kontinuierlicher Modernisierung und viel Herzblut auch weiterhin. „Hier hat der Mensch eine Heimat und die Energie eine Zukunft“, brachte es Andreas Eckl, Bürgermeister von Prackenbach abschließend auf den Punkt.

Im Rahmen einer Führung konnten die Gäste selbst einen Blick hinter die Kulissen des traditionsreichen Kraftwerks werfen. „100 Jahre Wasserkraft – des gherd gfeiert“, betonte Vorstand Günter Winter mehrfach. „Wir wollen uns mit diesem Jubiläum nicht selbst feiern, sondern die Arbeit, den Einsatz und die außergewöhnliche Leistung der Generationen vor uns würdigen. Wir möchten die Region und die Menschen hier daran teilhaben lassen und ihnen etwas zurückgeben!“

Und so öffnete das Wasserkraftwerk am Höllensteinsee am 14. Juni seine Tore für Besucherinnen und Besucher beim Tag der offenen Tür. Von 10 bis 17 Uhr erwartete Familien, Technikbegeisterte und Nostalgiker ein außergewöhnlicher Tag voller Entdeckungen – mitten in einer der schönsten Landschaften des Bayerischen Waldes.

Redaktion

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