VKU-Umfrage sieht Energiewende durch Investitionsprobleme gefährdet: Stadtwerke schlagen Alarm
von Doris Kirchner

Der Ausbau der Stromnetze droht nach Einschätzung zahlreicher kommunaler Energieversorger zum Nadelöhr der Energiewende zu werden. Nach einer aktuellen Umfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) sehen drei von vier Stadtwerke ihre finanzielle Leistungsfähigkeit als angespannt oder sogar kritisch an. Lediglich neun Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Finanzierungskraft als gut oder sehr gut.
Für den Verband ist die Entwicklung alarmierend. Laut VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sind Investitionen in die Verteilnetze unverzichtbar, um den wachsenden Strombedarf durch Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, neue Industrieanwendungen und den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien zu bewältigen.
Seit Jahren nehmen die Anforderungen an Stromnetze zu. Zu den größten Herausforderungen für die Netzbetreiber zählen nach Angaben des VKU die Finanzierung der Investitionen, regulatorische Unsicherheiten und die Entwicklung der Netzentgelte. Entsprechend kritisch fällt die Bewertung des bestehenden Regulierungsrahmens aus. Rund 74 Prozent der befragten Unternehmen halten ihn nicht für investitionsfördernd. Der Verband fordert deshalb von der Bundesnetzagentur mehr Spielraum bei der Refinanzierung der notwendigen Milliardeninvestitionen. Ebenso seien eine bessere Eigenkapitalausstattung der Netzbetreiber sowie langfristig verlässliche regulatorische Vorgaben notwendig.
Mit Blick auf die Bundespolitik warnt der VKU zudem vor weiteren Verzögerungen wichtiger Gesetzesvorhaben. Insbesondere die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das sogenannte Netzpaket müssten zügig verabschiedet werden. Beide Reformen seien entscheidend, um den Ausbau erneuerbarer Energien besser mit dem notwendigen Netzausbau zu verzahnen.
Auch beim sogenannten Redispatch, d.h. dem gezielten Eingriff in den Netzbetrieb zur Vermeidung von Engpässen, sieht der Verband Verbesserungsbedarf. Zwar bewerten 62 Prozent der Unternehmen ihre entsprechenden Prozesse inzwischen als stabil oder funktionsfähig, weitere 32 Prozent befinden sich jedoch noch im Aufbau.
Kritik übt der VKU an Überlegungen, Betreiber neuer Ökostromanlagen bei netzbedingten Abregelungen künftig von Entschädigungszahlungen auszuschließen. Ein solcher Redispatch-Vorbehalt hätte erhebliche Investitionsrisiken geschaffen und für monatelange Unsicherheit gesorgt.
Stromkosten senken
Für Bürgerinnen und Bürger stehen laut Umfrage vor allem stabile Strompreise und eine sichere Versorgung im Vordergrund. 92 Prozent halten stabile Preise für wichtig, 95 Prozent die Versorgungssicherheit. Auch schnelle Netzanschlüsse gewinnen an Bedeutung. Um die Stromkosten langfristig zu senken, fordert der VKU unter anderem eine Reform der Netzentgelte, eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer sowie einen beschleunigten Ausbau von Speichertechnologien.
Dass kommunale Energieversorger zunehmend auf Batteriespeicher setzen, zeigt eine zweite Umfrage des Verbandes. Elf Prozent der Unternehmen realisieren bereits konkrete Großspeicherprojekte. Weitere 27 Prozent planen entsprechende Investitionen, während knapp die Hälfte derzeit den Einstieg prüft.
Batteriespeicher gelten als wichtiger Baustein für die Energiewende. Sie können überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Netz einspeisen. Dadurch lassen sich Lastspitzen abfedern, Netzengpässe vermeiden und der Bedarf an kostspieligen Eingriffen in den Netzbetrieb reduzieren.
Die geplanten Projekte unterscheiden sich erheblich in ihrer Größe. Während jeweils rund ein Drittel der Vorhaben Leistungen zwischen einem und zehn Megawatt vorsieht, entstehen zunehmend auch deutlich größere Speicher mit Leistungen von bis zu 500 Megawatt. Solche Anlagen erreichen inzwischen die Größenordnung konventioneller Kraftwerksblöcke.
Mit dem Boom erneuerbarer Energien wächst gleichzeitig der Druck auf die Netzbetreiber. Nach Angaben des VKU verzeichneten 38 Prozent der Unternehmen im laufenden Jahr mehr Anfragen für Netzanschlüsse, elf Prozent sprechen sogar von einem starken Anstieg.
Die Bearbeitungszeiten unterscheiden sich dabei deutlich. Rund ein Viertel der Netzanschlüsse wird innerhalb von sechs Monaten realisiert. Bei der Mehrheit der Unternehmen dauert der Prozess jedoch zwischen sechs und zwölf Monaten, in einzelnen Fällen sogar bis zu anderthalb Jahre.
Der Verband sieht deshalb weiteren politischen Handlungsbedarf. Er fordert bundesweit einheitliche Regeln für Netzanschlüsse, mehr Planungssicherheit bei Netzentgelten und Umlagen sowie vereinfachte digitale Verfahren für Messwesen, Marktintegration und Redispatch.
Auch das Baurecht müsse angepasst werden. Nach Ansicht des VKU sollten Batteriespeicher künftig in größerem Umkreis um Umspannwerke und Kraftwerke privilegiert errichtet werden können. Dadurch ließen sich Projekte schneller umsetzen und Netzengpässe effizienter vermeiden.