Verleihung des Bayerischen Energiepreises: Innovative Best Practice-Lösungen
von Doris Kirchner

Mit dem Bayerischen Energiepreis 2026 hat der Freistaat erneut herausragende Projekte gewürdigt, die zeigen, wie die Energiewende in der Praxis gelingen kann. Im Münchner Bergson Kunstkraftwerk überreichte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die Auszeichnungen an neun Projekte aus Kommunen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der Energiewirtschaft. Insgesamt waren rund 200 Bewerbungen eingegangen. Prämiert wurden innovative Lösungen in den Bereichen kommunale Energiekonzepte, industrielle Energieeffizienz, Energieinfrastruktur, Gebäudetechnik, Digitalisierung sowie Energieforschung.
Bürgersolarpark Speichersdorf
In der Kategorie „Kommunale Energiekonzepte“ überzeugte der Bürgersolarpark Speichersdorf im Landkreis Bayreuth. Das Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Speichersdorf, der Bürgerenergiegesellschaft INKAS+SOLAR GmbH & Co. KG sowie der Raiffeisenbank am Kulm eG gilt als beispielhaft für die Verbindung von Klimaschutz, regionaler Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung.
Auf einer rund 16 Hektar großen ehemaligen Konversionsfläche entstand ein Photovoltaik-Freiflächenpark mit einer installierten Leistung von 19 Megawatt Peak (MWp). Seit seiner Inbetriebnahme im März 2023 erzeugt die Anlage bilanziell so viel Strom, wie im gesamten Gemeindegebiet, einschließlich Industrie und Gewerbe, verbraucht wird.
Besonderes Merkmal des „Speichersdorfer Modells“ ist die Mehrheitsbeteiligung der Kommune von 51 Prozent. Dadurch verbleiben sowohl Entscheidungsbefugnisse als auch wirtschaftliche Erträge dauerhaft in der Region. Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch ein Crowdfunding-Modell, bei dem sich Bürgerinnen und Bürger bereits ab 250 Euro beteiligen konnten. Mehr als 1,1 Millionen Euro lokales Kapital kamen auf diese Weise zusammen.
Auch ökologische Aspekte wurden berücksichtigt: Schafe übernehmen die Pflege der Grünflächen unter den Solarmodulen und ersetzen dadurch weitgehend den Einsatz von Maschinen. Zusätzlich schuf die Gemeinde dauerhaft eine Stelle für Klimaschutzmanagement. Geplant sind außerdem ein regionaler Stromtarif sowie die technologische Nachrüstung des Parks mit einem Batterie- oder Wasserstoffspeicher.
„Energieeffizienz in industriellen Prozessen und Produktion“
In der Kategorie „Energieeffizienz in industriellen Prozessen und Produktion“ ging eine Anerkennung an die Eirenschmalz Maschinenbaumechanik & Metallbau GmbH aus Schwabsoien. Gemeinsam mit der eta Energieberatung GmbH entwickelte das Unternehmen ein nahezu energieautarkes Produktions- und Nahwärmekonzept. Kernstück ist eine Trigenerationsanlage auf Basis von Holzgas, die gleichzeitig Strom, Wärme und Kälte erzeugt.
Fünf Holzgas-Blockheizkraftwerke arbeiten dabei mit Photovoltaikanlagen, Hackschnitzelkesseln, Wärmespeichern und Adsorptionskältemaschinen zusammen. Die jährlich erzeugten rund 3.600 Megawattstunden Strom und mehr als 7.000 Megawattstunden Wärme versorgen nicht nur die eigene Produktion, sondern auch ein Nahwärmenetz mit 137 Haushalten. Nach Angaben der Projektpartner werden dadurch jährlich mehr als 2.700 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
Zudem wurde die Canon Production Printing Germany GmbH & Co. KG am Standort Poing gewürdigt. Das Unternehmen verfolgt ein langfristiges Energieprogramm, dessen zentraler Bestandteil eine klimafreundliche Wärmeversorgung durch Tiefengeothermie aus rund 3.000 Metern Tiefe ist. Ergänzt wird das Konzept durch Grundwasserkühlung, Photovoltaik und die Nutzung industrieller Abwärme. Die installierte Photovoltaikanlage erzeugt jährlich rund 1,8 Gigawattstunden Strom und trägt dazu bei, den Kohlendioxidausstoß um rund 720 Tonnen pro Jahr zu reduzieren.
Im Bereich „Innovative Energieinfrastrukturprojekte“ stand die Verbindung von Elektromobilität und Stromversorgung im Mittelpunkt. Der Preis ging an das Gemeinschaftsprojekt „Vision 2025+ Vehicle-to-Grid“ der BMW AG und der E.ON Energie Deutschland GmbH. Die Technologie ermöglicht es, Elektrofahrzeuge nicht nur zu laden, sondern gespeicherte Energie bei Bedarf wieder in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen.
Über eine bidirektionale Wallbox wird die Batterie eines BMW iX3 Teil eines virtuellen Energiespeichers. So können erneuerbare Stromüberschüsse zwischengespeichert und später genutzt werden. Ergänzend wurde das Forschungsprojekt „Bidirektionales Lademanagement – BDL (Next)“ gewürdigt, an dem BMW, die Forschungsstelle für Energiewirtschaft, Bayernwerk Netz und die Universität Passau beteiligt sind. Ziel ist es, Vehicle-to-Grid-Technologien für unterschiedliche Einsatzbereiche weiterzuentwickeln.
Innovative Gebäudekonzepte
Auch innovative Gebäudekonzepte standen im Fokus. Das Projekt „RESI – das Netto-Null-Bürogebäude ohne Heizung und Kühlung“ der Alpha IC GmbH und der Hölzlein-Ingenieure GmbH auf dem Lagarde-Campus in Bamberg zeigt, wie Gebäude mit geringem Energiebedarf realisiert werden können. Das dreigeschossige Bürohaus kommt nahezu ohne klassische Heiz- und Klimaanlagen aus. Recyclingbeton, Wärmerückgewinnung, Nachtlüftung und eine leistungsfähige Photovoltaikanlage sorgen für eine ausgeglichene Energiebilanz. Mehr als 75 Prozent der verwendeten Baustoffe stammen aus Recyclingprozessen.
Eine weitere Auszeichnung erhielt der Luft-Eisspeicher Bögl der Max Bögl Wind AG. Das modulare System kombiniert Luft, Wasser und Erdreich als Wärmequellen für Wärmepumpen und nutzt zusätzlich die beim Gefrieren von Wasser entstehende Kristallisationsenergie. Die Technologie eignet sich vor allem für Quartiere und größere Gebäude.
„Digitalisierung im Energiebereich“
In der Kategorie „Digitalisierung im Energiebereich“ überzeugte die Zusammenarbeit der Nuno GmbH und der Lechwerke AG. Eine Kombination aus 360-Grad-Kameras, Sensoren und künstlicher Intelligenz analysiert in Echtzeit Wolkenbewegungen über Photovoltaikanlagen und erstellt präzise Einspeiseprognosen. Dadurch können Solarstromanlagen besser in den Strommarkt integriert und Kosten für Ausgleichsenergie reduziert werden.
„Energieforschung“
Der Preis im Bereich „Energieforschung“ ging an das Projekt „H2Direkt“ der Thüga AG, der Energie Südbayern GmbH und der Energienetze Bayern GmbH & Co. KG. Im oberbayerischen Hohenwart wurde erstmals ein bestehendes Erdgasverteilnetz vollständig auf 100 Prozent Wasserstoff umgestellt. Seit 2023 werden dort zehn Privathaushalte und ein Gewerbebetrieb versorgt. Das Projekt liefert wichtige Erkenntnisse für die künftige Nutzung bestehender Gasnetze im Zuge der Dekarbonisierung des Wärmesektors und wird im Folgeprojekt „H2Dahoam“ weitergeführt.