Nachahmung unbedingt erbeten
von Redaktion

Bürgerenergiepreis für vorbildliche Projekte in Oberbayern verliehen - „Mit Ihrem Engagement zeigen Sie, wie Energieeinsparung, energetische Sanierung und Forschung aus der Mitte der Gesellschaft konkret in der Praxis gestaltet und gelebt werden“, erklärte Oberbayerns Regierungspräsident Dr. Konrad Schober. Zusammen mit Markus Leczycki, Leiter Kommunalmanagement der Bayernwerk Netz GmbH, verlieh er in München bereits zum neunten Mal den mit insgesamt 12.000 Euro dotierten Bürgerenergiepreis Oberbayern.
Markus Leczycki vom Bayernwerk sagte bei der Preisverleihung: „Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht über die Vielfalt an Bewerbungen für den Bürgerenergiepreis. Kreativ, pragmatisch, lösungsorientiert: Menschen, Vereine, Institutionen begeistern uns immer wieder mit ihren Projekten. Es ist daher nur logisch, dass wir ihnen mit dem Bürgerenergiepreis eine Bühne bieten – verbunden mit dem Appell an die Bevölkerung: Bitte nachmachen!“ Ähnlich sah das Regierungspräsident Dr. Konrad Schober: „Wir brauchen solche Vorbilder, Menschen, die nicht nur Probleme sehen, sondern dafür auch praxistaugliche Lösungen finden.“
Junge Forscherinnen entwickeln Baustoff aus Pilzmyzel
Mit dem Bürgerenergiepreis 2026 unterstützen die Bayernwerk Netz und die Regierung von Oberbayern die Arbeit der Nachwuchsforscherinnen Helene Schneider (Pleiskirchen) sowie Magdalena Treutler und Maria Shevchenko (Altötting). Sie erforschen die Herstellung und die Eigenschaften des Wurzelnetzwerks eines Pilzes (Myzel), ein umweltfreundliches Material, welches als Alternative zu herkömmlichen Dämm- und Baustoffen im Fokus steht. Der Werkstoff wird ausschließlich aus nachhaltigen Rohstoffen und Abfallprodukten wie Kaffeesatz, Holzspänen oder Algen hergestellt. Das Pilzmyzel dient dabei als natürliches Bindemittel – ganz ohne chemische Zusätze.
Nach seiner Verwendung kann der natürliche Werkstoff bedenkenlos kompostiert und so in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Die Nachwuchsforscherinnen sind überzeugt, dass ihr myzelbasierter Werkstoff auch hinsichtlich seiner bauphysikalischen Eigenschaften eine wettbewerbsfähige Alternative darstellen könne. Das eröffne neue Perspektiven für ressourcenschonendes und klimagerechtes Bauen. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Im nächsten Schritt arbeiten die Schülerinnen daran, ein optimiertes Substrat für das Wachstum des Pilzmyzels zu identifizieren und weiterzuentwickeln.
Modellprojekt Berggasthof Streichen
Für die beispielhafte Verbindung von Denkmalschutz, bürgerschaftlichem Engagement und innovativer Energietechnik ist die Yvonne & Thomas Wilde Familienstiftung für die Sanierung des historischen Berggasthofes Streichen in Schleching mit dem Bürgerenergiepreis 2026 ausgezeichnet worden.
Der rund 600 Jahre alte Berggasthof, der Ende Juni dieses Jahres wiedereröffnet wird, wurde über drei Jahre denkmalgerecht instandgesetzt und zugleich energetisch zukunftsfähig. Herzstück ist eine vollintegrierte Photovoltaikanlage, die optisch an die traditionellen Blechdächer der Region erinnert und sich denkmalgerecht in das historische Erscheinungsbild einfügt. Für die Wärmeversorgung setzen die Bauherren auf eine CO2-neutrale Hackschnitzelheizung. So werden sowohl Energiekosten als auch der CO2-Ausstoß deutlich reduziert. „Der Berggasthof Streichen entwickelt sich damit zu einem Best Practice Projekt für Bayern, das überregionale Strahlkraft entfalten kann. Es zeigt, dass auch in sensiblen, historisch wertvollen Gebäuden klimagerechte Lösungen möglich und notwendig sind“, heißt es in der Begründung der Jury.
Sportverein setzt Maßstäbe für Energieeffizienz
Für die konsequente energetische Modernisierung des vereinseigenen Sportzentrums ging der Bürgerenergiepreis an den TSV Unterpfaffenhofen-Germering. Mit erneuerbaren Energien, intelligenter Gebäudetechnik und digitaler Steuerung zeigt der Verein beispielhaft, wie auch gemeinnützige Einrichtungen aktiv zur Energiewende beitragen können, ist die Jury überzeugt.
Eine PV-Anlage auf den Dachflächen deckt einen signifikanten Teil des Strombedarfs des Sportzentrums. Der erzeugte Strom versorgt unter anderem Lüftungsanlagen, Beleuchtung und Kühltechnik. Die Sportgaststätte ist mit einer modernen Kälteanlage ausgestattet, die über ein integriertes Wärmerückgewinnungssystem verfügt. Die bei der Kühlung entstehende Abwärme – thermische Energie, die sonst ungenutzt verloren ginge – wird für die Warmwasserbereitung in Küche und Sanitärbereichen genutzt. Zudem hat der Verein die Beleuchtung im gesamten Sportzentrum vollständig auf LED-Technik umgestellt, was den Stromverbrauch deutlich senkt. Obendrein ermöglicht es die Digitalisierung der Gebäudetechnik, Energieflüsse gezielt zu steuern, unnötige Laufzeiten zu vermeiden und Störungen frühzeitig zu erkennen.