Interview mit Hans Peter Göttler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LfA Förderbank Bayern: Kommunale Wärmenetze – Planungssicherheit als Schlüssel für die Wärmewende

GZ Ausgabe GZ-14-2026 vom 16. Juli 2026 | Energie
von Constanze von Hassel
Foto: Alexander Fox | PlaNet Fox from Pixabay
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Die Wärmewende entscheidet sich vor Ort. Städte und Gemeinden stehen vor der Aufgabe, ihre Energieversorgung grundlegend umzubauen, unter hohem Zeitdruck, komplexen regulatorischen Vorgaben und oft angespannten Haushaltslagen. Wärmenetze gelten dabei als zentraler Baustein für eine klimaneutrale Versorgung, bringen jedoch erhebliche Investitions- und Planungsrisiken mit sich. Die LfA Förderbank Bayern unterstützt Kommunen und kommunale Unternehmen bei dieser Transformation mit speziellen Finanzierungsinstrumenten. Im GZ-Interview erläutert Hans Peter Göttler, stellvertretender LfA-Vorstandsvorsitzender, welche Rolle Förderkredite bei der Umsetzung der Wärmewende spielen und wo die größten Herausforderungen liegen.

GZ: Welche Rolle spielt die LfA Förderbank Bayern aktuell bei der Finanzierung kommunaler Wärmenetze?

Hans Peter Göttler:
Entsprechend unseres öffentlichen Auftrags als Landesförderinstitut haben wir das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung sowie die nachhaltige Transformation in Bayern zu unterstützen. Dazu bieten wir auf Energieprojekte zugeschnittene zinsgünstige Darlehen mit tilgungsfreien Anlaufjahren an. So ergänzt unser Energiekredit Wärme die Bundesförderung energieeffizienter Wärmenetze (BEW) und ermöglicht im Idealfall die Finanzierung aller durch Eigenkapital und BEW noch nicht abgedeckten förderfähigen Kosten eines Wärmenetzvorhabens.

Als Förderbank arbeiten wir – mit Ausnahme von klassischen kommunalen Infrastrukturkrediten, etwa dem Infrakredit Kommunal – grundsätzlich nach dem Hausbankprinzip. In ihrer Rolle als Hausbank der Vorhabensträger sind die Geschäftsbanken erste Anlaufstelle bei der Beantragung und Bereitstellung von Fördermitteln sowie der Strukturierung der verschiedenen Finanzierungsbausteine. Durch das Hausbankprinzip ist die wettbewerbsneutrale Kooperation zwischen Geschäftsbanken und LfA im Interesse der Kunden gewährleistet.


GZ: Welche konkreten Förderangebote stehen Kommunen und kommunalen Unternehmen derzeit zur Verfügung und was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Neuerungen?

Hans Peter Göttler. Bild: LfA
Hans Peter Göttler. Bild: LfA

Göttler: Unser wichtigstes Angebot in diesem Zusammenhang ist der angesprochene Energiekredit Wärme. Das ist unser Förderkredit für Investitionen in die Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Wärme und Kälte auf Basis regenerativer Energien. In diesem Rahmen fördern wir auch Wärme- und Kältenetze, sofern sie zu mindestens 75 Prozent aus regenerativen Energien bzw. Abwärme gespeist werden. Das schließt auch Geothermievorhaben ein. Förderfähig sind unter anderem gewerbliche Unternehmen und Freiberufler mit einem Jahresumsatz von maximal 500 Millionen Euro, Unternehmen mit einer öffentlichen Beteiligung von mehr als 50 Prozent, aber auch kommunale Zweckverbände.

Der Kredit bietet attraktive Zinssätze. Zudem sorgen Laufzeiten von bis zu 30 Jahren, Zinsbindungen bis zu 20 Jahren und bis zu 3 tilgungsfreie Anlaufjahre für Liquidität und Planungssicherheit. Wichtigste Neuerung zuletzt dabei war die Verdoppelung des Darlehenshöchstbetrag von 25 Millionen Euro auf nun 50 Millionen Euro pro Einzelvorhaben. Damit tragen wir dem hohen Finanzierungsbedarf bei der Wärmewende Rechnung.

GZ: Viele Kommunen stehen unter massivem finanziellem Druck und gleichzeitig steigenden Anforderungen durch die Wärmeplanung. Wie realistisch ist es unter diesen Bedingungen, den Ausbau von Wärmenetzen wie geplant voranzutreiben?

Göttler:
Die bayerischen Kommunen investieren laufend, um ihren Aufgaben bestmöglich nachzukommen. Dabei haben sie auch das Thema Wärmenetze fest im Blick. Aus unserer Sicht ist das ein zentraler Baustein zur Erfüllung der definierten Klimaziele von Bundesregierung und Bayerischer Staatsregierung.

Wir beobachten, dass die Kommunen ihre vielfältigen Investitionsvorhaben je nach finanzieller Lage und Dringlichkeit sehr unterschiedlich priorisieren. Beim Ausbau der Wärmenetze haben wir bisher eine starke Sondierungsphase der Marktteilnehmer wahrgenommen. Hintergrund sind die meist überdurchschnittlich hohen Investitionssummen und der vorgesehene Planungszeitraum für die kommunale Wärmeplanung. Die kleineren Städte und Gemeinden haben noch bis Mitte 2028 Zeit.

Für die Umsetzung ist ausschlaggebend, dass eine Planungssicherheit für die Investitionsträger erreicht werden kann, Finanzierungsmöglichkeiten für Fremd- und Eigenkapital der Energieversorgungsunternehmen vorhanden sind, und ob für die Umsetzung konstruktive Kooperationen zwischen den kommunalen Trägern bzw. dritten Parteien entstehen.

GZ: Nach welchen Kriterien bewertet die LfA die Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzprojekten, insbesondere bei unsicheren Rahmenbedingungen wie Energiepreisen oder Anschlussquoten?

Göttler:
Anträge für den Energiekredit Wärme werden stets über die Hausbank eingereicht, die auch das Risiko trägt, während die LfA eine stabile, langfristige und zinsgünstige Finanzierung bietet. Grundsätzlich ziehen wir daher die Kreditprüfung der jeweiligen Bank heran und prüfen diese auf Plausibilität. Die Kreditanträge können sehr individuell ausfallen, aber entscheidend ist letztlich, ob die vorgelegten Planungsdaten überzeugend sind. Hilfreich können Best-Case- und Worst-Case-Szenarien sein, um die häufig unsicheren Rahmenbedingungen analysieren zu können. Mitentscheidend sind dabei die Anschlussquoten. Zusammenfassend ist für uns ausschlaggebend, dass die Tragfähigkeit eines Projekts plausibel erscheint.

GZ: Welche Rolle spielen Risikoübernahmen bzw. Haftungsfreistellungen der LfA, um Wärmenetzprojekte überhaupt finanzierbar zu machen?

Göttler:
Im Energiekredit Wärme gibt es im Moment keine Risikoübernahmen bzw. Haftungsfreistellungen der LfA. Uns ist aber bewusst, dass die Investoren und Hausbanken bei den hohen Finanzierungssummen für die Wärmewende auch an Eigenkapital verstärkenden Instrumenten interessiert sind. Wir verfolgen die aktuellen Entwicklungen genau und tauschen uns hierzu mit den verschiedenen Marktteilnehmern wie Stadtwerken und der KfW aus.

GZ: Wo sehen Sie aktuell die größten Hemmnisse für den Ausbau von Wärmenetzen und wo besteht aus Ihrer Sicht der dringendste Handlungsbedarf?

Göttler:
Die große Herausforderung besteht derzeit in der Kombination aus hohem Investitionsbedarf, regulatorischer Komplexität und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die Projekte befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen der Erreichung klimapolitischer Ziele und begrenzten finanziellen Mitteln.

Die Verfügbarkeit von Fremdkapital ist dabei im Moment sicher nicht der größte Hemmschuh, sondern eher die Zurückhaltung von Marktteilnehmern aufgrund noch nicht abschließend einschätzbarer Rahmenbedingungen. Hohe Investitionsvolumina treffen auf begrenzte finanzielle Ressourcen bei Kommunen und Versorgern sowie einen steigenden Bedarf an Eigenkapital. Dazu kommen Unsicherheiten hinsichtlich künftiger regulatorischer Vorgaben, der tatsächlichen Anschlussquoten und somit der langfristigen Wirtschaftlichkeit eines Projekts. Fachkräfteengpässe können zusätzlich zu Verzögerungen führen.

Aus unserer Sicht sind daher vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und langfristig planbare Förderinstrumente erforderlich, um die Wärmewende voranzubringen. Fördermittel können die Wirtschaftlichkeit verbessern, ersetzen aber keine wirtschaftlich tragfähigen Projekte.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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