Energiewende vor Ort: Bayernwerk unterstützt neue Rathausspitzen
von Constanze von Hassel

Netzausbau, Batteriespeicher und Versorgungssicherheit standen im Mittelpunkt der Sendung „kommunal.info spezial“. Die Bayernwerk Netz GmbH informierte neu gewählte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Landrätinnen und Landräte über aktuelle Herausforderungen und ihre Unterstützungsangebote für Kommunen.
Wie können neue Erzeugungsanlagen angeschlossen werden? Welche Rolle spielen Batteriespeicher? Und wie bleiben Städte und Gemeinden bei einem großflächigen Stromausfall handlungsfähig? Diese und weitere Fragen behandelte die Bayernwerk Netz GmbH im Juli in der Live-Sendung „kommunal.info spezial“.
Moderator Tilmann Schöberl vom Bayerischen Rundfunk führte durch die rund einstündige Sendung aus dem Bayernwerk-Studio in Regensburg. Etwa 40 Prozent der zugeschalteten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister waren neu im Amt. Über einen Livechat konnten die kommunalen Mandatsträger eigene Fragen in die Diskussion einbringen.
Persönliche Ansprechpartner für die Rathäuser
Markus Leczycki, Leiter Kommunalmanagement bei der Bayernwerk Netz GmbH, erläuterte die Zusammenarbeit des Netzbetreibers mit den bayerischen Kommunen. Neben dem Bau und Betrieb der Strom- und Gasnetze gehe es zunehmend darum, erneuerbare Energien in das Verteilnetz einzubinden und kommunale Entscheidungsprozesse fachlich zu begleiten.
Dafür beschäftigt das Bayernwerk nach eigenen Angaben 21 Kommunalbetreuerinnen und Kommunalbetreuer. Sie sind feste regionale Ansprechpartner, kommen bei Bedarf in die Rathäuser und stellen den Kontakt zu Fachleuten aus den technischen und rechtlichen Bereichen des Unternehmens her.
„Die Energiewende findet vor Ort statt“, betonte Leczycki. „Die Kommunen entscheiden definitiv mit, wie Energiewende passiert. Es ist ein großes Miteinander, sonst funktioniert es nicht.“
Netzausbau bleibt zentrale Herausforderung
In der Diskussion wurde deutlich, dass fehlende Netzkapazitäten viele kommunale Vorhaben bremsen können. Photovoltaik- und Windenergieanlagen, neue Gewerbebetriebe, Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher konkurrieren zunehmend um Anschlussleistung.
Dr. Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, bezeichnete Netzkapazitäten deshalb als „das neue Gold der Energiewende“. Mehr als eine Million Photovoltaikanlagen wirkten bereits auf das Energiesystem ein. Gleichzeitig wachse der Strombedarf durch Elektromobilität, Wärmepumpen, Industrie und Rechenzentren.
Auch die zugeschalteten Bürgermeister bestätigten den Handlungsdruck. „Der Netzausbau, das ist das Hauptthema“, erklärte Bindlachs Erster Bürgermeister Christian Brunner.
Grafenaus Erster Bürgermeister Jonas Höcker berichtete von zahlreichen Anfragen zu neuen Erzeugungsanlagen und Stromspeichern. „Die Lage ist sehr dynamisch“, sagte Höcker. Das Netz müsse so ausgebaut werden, dass es zusätzliche Leistung aufnehmen könne.
Thomas Albrecht, Erster Bürgermeister der Gemeinde Krün, schilderte einen konkreten Fall: Ein geplanter Batteriespeicher könne derzeit wegen fehlender Netzkapazitäten nicht angeschlossen werden. Gerade kleinere Kommunen benötigten verlässliche Informationen darüber, wann ein Ausbau möglich werde.
Ausbau und Digitalisierung verbinden
Vertreter des Bayernwerks verwiesen auf deutlich gestiegene Bauleistungen und zusätzliches Personal. Dennoch benötigten Umspannwerke, Leitungen und Netzverstärkungen Zeit. Geeignete Grundstücke müssten gefunden, Trassen geplant sowie Umweltprüfungen und Genehmigungsverfahren durchlaufen werden. Silke Mall, Leiterin Kommunalmanagement Oberbayern, brachte die Herausforderung auf den Punkt: „Netzausbau bedeutet nicht: Ich drücke heute auf den Knopf und morgen steht das Umspannwerk.“ Zugleich würdigte sie die Unterstützung der Kommunen und Behörden, etwa bei der Grundstückssuche und der Beschleunigung von Verfahren.
Netzausbau allein werde jedoch nicht ausreichen. Digitale Ortsnetzstationen, intelligente Messsysteme und Sensoren an Hochspannungsleitungen sollen helfen, bestehende Kapazitäten besser zu nutzen. Durch aktuelle Messwerte zu Temperatur, Wind und Leitungsdurchhang könne die Hochspannung zeitweise um 20 bis 30 Prozent stärker ausgelastet werden. „Die Kombination macht’s“, lautete das Fazit der Experten: Das Netz müsse ausgebaut, zugleich aber auch digitaler und intelligenter betrieben werden.
Speicher müssen das Netz entlasten
Großen Informationsbedarf gab es beim Thema Batteriespeicher. Sinkende Preise haben zu stark steigenden Anschlussanfragen geführt. Allerdings ist ein Speicher nicht automatisch netzdienlich. Rein am Strompreis orientierte Anlagen können das Netz sogar zusätzlich belasten, wenn sie in Zeiten hoher Einspeisung weiteren Strom abgeben.
Erforderlich seien daher Speicher, deren Lade- und Einspeiseverhalten an den verfügbaren Netzkapazitäten ausgerichtet wird. Auch neue Modelle wie Energy Sharing könnten für Kommunen interessant werden. Dabei lässt sich Strom aus einer Photovoltaikanlage rechnerisch auf mehrere kommunale Liegenschaften verteilen – etwa auf Rathaus, Schule, Turnhalle oder Kläranlage. Ob sich dies wirtschaftlich lohnt, müsse jeweils im Einzelfall geprüft werden.
Frühzeitig miteinander sprechen
Neben technischen Lösungen stand die Versorgungssicherheit im Fokus. Kommunen sollten Kommunikationswege und Zuständigkeiten für größere Stromausfälle frühzeitig vorbereiten. Das Bayernwerk bietet hierfür unter anderem das Meldesystem „Fact24“ an.
Als wichtigste Empfehlung nahm Leczycki aus der Sendung mit: „Frühzeitig miteinander sprechen, Lösungen erarbeiten und gegenseitiges Verständnis für die Situationen entwickeln.“ Die Kommunalbetreuer sollen dabei als erste Anlaufstelle dienen und die passenden Spezialisten einbinden.
Die nächste Sendung „kommunal.info LIVE“ findet am 22. Oktober 2026 um 10 Uhr statt. Ein Hauptthema wird der Netzausbauplan sein. Die Sendungen und weiterführende Erklärangebote sind anschließend auch über die Mediathek des Bayernwerks verfügbar.