Deutscher Fachkongress für kommunales Energiemanagement in Nürnberg: Kommunale Gebäude als Vorbilder für die Energiewende
von Doris Kirchner

Kommunale Gebäude müssen klimafreundlich, wirtschaftlich und langfristig effizient sein. Wie sich diese Anforderungen bei Planung, Bau, Sanierung und Betrieb miteinander vereinbaren lassen, diskutierten mehr als 200 Fachleute aus ganz Deutschland beim Deutschen Fachkongress für kommunales Energiemanagement in Nürnberg. Die Tagung unter dem Motto „Vorbild kommunale Gebäude: einfach, nachhaltig, klimaneutral“ fand in der Kulturwerkstatt Auf AEG statt. Veranstalter war das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) in Kooperation mit der Stadt Nürnberg.
Oberbürgermeister Marcus König verwies auf die Bedeutung öffentlicher Gebäude für die kommunale Infrastruktur und den Klimaschutz. Nürnberg zeige mit zahlreichen Projekten, wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Wirtschaftlichkeit miteinander verbunden werden könnten. Digitale Lösungen böten insbesondere bei Neubau, Sanierung und Gebäudebetrieb Chancen, effizienter zu planen und Ressourcen zu sparen. Zugleich müssten Städte ihre Strukturen widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels und möglichen Herausforderungen bei der Energieversorgung machen.
Sechs Exkursionen boten den Kongressteilnehmern zum Auftakt Gelegenheit, praktische Beispiele aus der Norisstadt kennenzulernen. Besucht wurden das städtische Museum Industriekultur, der eBus-Port der VAG Nürnberg, einer der modernsten eBus-Betriebshöfe
Deutschlands, das Zeppelinfeld auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, der Energiecampus Nürnberg, Klärwerk 1 Nürnberg, sowie das Stadthaus Q, das neue Quartier der Stadtverwaltung auf dem Areal des ehemaligen Quelle-Versandzentrums. Die Projekte veranschaulichten unterschiedliche Ansätze in den Bereichen energetische Sanierung, Energieeffizienz, Mobilitätswende, Forschung und Umgang mit dem Gebäudebestand.
Kommunen sind wesentlicher Teil der Lösung
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hob die Rolle der Kommunen bei der Umsetzung energie- und klimapolitischer Maßnahmen hervor. Dazu zählten die kommunale Wärmeplanung, die energetische Sanierung öffentlicher und privater Gebäude sowie der Ausbau erneuerbarer Energien. Glauber betonte, erneuerbare Energien stärkten die Unabhängigkeit und machten die Energieversorgung krisenfester. Die Kommunen
seien deshalb ein wesentlicher Teil der Lösung.
Beim Podiumsgespräch „Einfaches Bauen – Sparwut oder clever gemacht?“ ging es darum, wie Kommunen Bau- und Sanierungsvorhaben trotz steigender Kosten, angespannter Haushalte und wachsender Klimaschutzanforderungen realisieren können. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass einfacheres Bauen nicht zwangsläufig Einbußen bei der Qualität bedeute. Eine ganzheitliche Planung, eine bedarfsgerechte Flächennutzung, weniger kleinteilige Lösungen und effiziente Betriebsstrukturen könnten dazu beitragen, Gebäude langfristig wirtschaftlicher und nachhaltiger zu gestalten.
Wohnungs- und Baubürgermeister Dr. Nasser Ahmed unterstrich den sozialen Nutzen dauerhaft niedriger Energie- und Betriebskosten. Einsparungen schafften finanziellen Spielraum für andere kommunale Aufgaben, etwa Bildung, Wohnungsbau, soziale Infrastruktur, Feuerwehr und Bevölkerungsschutz.
Am zweiten Kongresstag sprach Christa Heckel, Leiterin des Direktoriums Planen und Bauen der Stadt Nürnberg, über Strategien für die Planung, den Bau und den Betrieb kommunaler Gebäude. Dabei ging es auch um zirkuläres Bauen, einen sparsamen Umgang mit Flächen sowie das Verhältnis von Neubau und Sanierung. Nürnberg verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Stadtplanung, Nachhaltigkeitsstrategie,
Kreislaufwirtschaft und kommunales Energiemanagement stärker miteinander verknüpft werden sollen.
Neben Inputs im Plenum bot der Jahreskongress 16 Workshops zu aktuellen Herausforderungen im kommunalen Energiemanagement. Die Themen reichten von einfachem Bauen und Klimaneutralität über die Inbetriebnahme von Gebäuden bis zur resilienten Energieversorgung. Zudem wurden Möglichkeiten erörtert, mit denen Kommunen kurzfristig messbare Energieeinsparungen erreichen und ihr Energiemanagement mithilfe digitaler Lösungen weiterentwickeln können. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich die Teilnehmer außerdem über Entwicklungen und Angebote informieren.
Der Kongress verdeutlichte, dass nachhaltige und klimaneutrale kommunale Gebäude ein abgestimmtes Vorgehen erfordern. Entscheidend sind eine vorausschauende Planung, ein effizienter Betrieb, Digitalisierung, erneuerbare Energien und widerstandsfähige Versorgungsstrukturen. Der Austausch zwischen Städten und Gemeinden trägt dazu bei, praxiserprobte Lösungen weiterzugeben und neue Ansätze für kommunale Bau- und Sanierungsvorhaben zu entwickeln.