Bürgerenergiepark Tutzing: Erster Spatenstich am Oberen Hirschberg
von Regina Welk

Mit dem ersten Spatenstich ist Anfang September der Startschuss für den Bürgerenergiepark Tutzing gefallen. Rund 70 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft kamen auf dem Gelände an der B2 zusammen. Das Projekt „Bürgerenergiepark am Oberen Hirschberg“ verbindet Photovoltaik und Batteriespeicher; perspektivisch ist auch Ladeinfrastruktur vorgesehen. Finanziell getragen wird das Vorhaben zu einem wesentlichen Teil von Bürgerinnen und Bürgern.
Dr. Marco Lorenz, Vorstand der Bürgerenergie Tutzing eG, erinnerte an die Anfänge im Jahr 2022. Aus einer von Uta Waldau, der damaligen Bürgermeisterin Marlene Greinwald und Lorenz entwickelten Idee entstand die Initiative „Tutzing klimaneutral 2035“. Ziel war unter anderem, vor Ort erzeugten Strom für Tutzing bereitzustellen. Unterstützt wurde das Vorhaben von Greinwald, heute Vorständin der Energiegenossenschaft Fünfseenland, sowie vom amtierenden Bürgermeister Ludwig Horn und dem Gemeinderat.
Vor einem Jahr wurde schließlich die Bürgerenergie Tutzing eG gegründet, die inzwischen rund 400 Mitglieder zählt. „Mit dem Spatenstich verwirklicht sich nun eine Vision und wird zu einem großen Energieprojekt, gemeinschaftlich finanziert, regional verankert und mit einem langfristigen Nutzen für Umwelt, Gemeinde und Bürgerinnen und Bürger“, erklärte Lorenz.
Auch Bürgermeister Ludwig Horn verwies auf das ehrenamtliche Engagement, das die Umsetzung ermöglicht habe. Der Bürgerenergiepark stärke die regionale Wertschöpfung und den Ausbau erneuerbarer Energien. Ein wesentliches Anliegen sei die breite Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Der Energiepark solle Ausgangspunkt für eine lokal organisierte Energieversorgung sein.
Landwirtschaft und Energieerzeugung verbinden
Generalunternehmer ist die Enpla GmbH. Geschäftsführer und Gründer Christian Joos bezeichnete das Agri-PV-Projekt als Beispiel dafür, wie Landwirtschaft und erneuerbare Energie auf derselben Fläche verbunden werden können. „Solche Projekte entstehen nicht allein durch gute Technik, sie entstehen vor allem durch Menschen, die gemeinsam an eine Idee glauben, Verantwortung übernehmen und partnerschaftlich zusammenarbeiten.“
Im ersten Bauabschnitt entsteht eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Die senkrecht aufgestellten, nach Ost und West ausgerichteten Module erreichen eine PV-Leistung von 5,707 MWp. Durch ihre Ausrichtung sollen sie insbesondere vormittags und nachmittags Strom erzeugen. Die Einspeisung von 3,8 MW über das 20-kV-Mittelspannungsnetz ist gesichert.
Grundlage des Businessplans ist zunächst die Grünstromanlage mit einem Speicher von 5,6 MWh. Ab Frühjahr 2027 soll sie rechnerisch Strom in einer Größenordnung erzeugen, die dem Bedarf von rund 2.000 Haushalten entspricht.
In einem weiteren Bauabschnitt sind Ladestationen mit zusätzlichem Speicher vorgesehen, an denen vorrangig selbst erzeugter Strom angeboten werden soll. Weitere Speicher mit Anschluss an das Hochspannungsnetz sind für einen zweiten Bauabschnitt geplant. Voraussetzung für die Erweiterungen ist die Genehmigung des Strombezugs durch den Netzbetreiber. Nach Angaben der Beteiligten sieht auch das Landratsamt an diesem Standort Potenzial für das Laden von ÖPNV-Bussen auf den Linien im Raum Tutzing, Feldafing, Starnberg und Pähl.
1,7 Millionen Euro von den Mitgliedern
Die Finanzierung durch die Mitglieder der Genossenschaft ist inzwischen abgeschlossen. Insgesamt wurden Beteiligungen in Höhe von 1,7 Millionen Euro gezeichnet. Bei einer Projektsumme von 4,9 Millionen Euro entspricht dies einem Eigenkapitalanteil von rund 35 Prozent. Die verbleibenden 3,2 Millionen Euro werden über geförderte Kredite finanziert.
Thomas Grün, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse Oberland, verwies auf die Verbindung von Wirtschaftlichkeit und regionaler Entwicklung: „Der Bürgerenergiepark ist ein Beispiel dafür, wie nachhaltige Investitionen regionale Entwicklung fördern und langfristige Perspektiven schaffen können.“
Für Lorenz ist der Baustart zugleich Teil einer Entwicklung, die 2022 begonnen hat. Neben dem Solarpark und der inzwischen gegründeten Energiegenossenschaft wird auch die Idee eines Seewärmenetzes in Tutzing von der Gemeinde weiterverfolgt.
Altbürgermeisterin Marlene
Greinwald sieht im Bürgerenergiepark ein konkretes Ergebnis der damaligen Klimainitiative: „Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Kommune und Bürgerschaft an einem Strang ziehen.“