25 Jahren KoNaRo: Straubing als Werkbank der Bioökonomie
von Constanze von Hassel

Bei der Jubiläumsdiskussion zu 25 Jahren KoNaRo ging es um weit mehr als nachwachsende Rohstoffe: Eingebettet in das zweitägige C.A.R.M.E.N.-Symposium „Energie und Rohstoffe der Zukunft“ diskutierten Vertreter aus Kommunalpolitik, Forschung, Beratung, Wirtschaft und Studentenschaft über kommunale Weitsicht, regionale Wertschöpfung und Bayerns Weg zu mehr Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen.
Wer Bioökonomie lange für ein Nischenthema hielt, bekam bei der Podiumsdiskussion zum 25-jährigen Bestehen des Kompetenzzentrums für Nachwachsende Rohstoffe, kurz KoNaRo, eine andere Perspektive. Unter dem Titel „Motor für Forschung, Innovation und Gründung – Region der Nachwachsenden Rohstoffe“ diskutierten Vertreter aus Stadt, Landkreis, Forschung, Beratung, Hochschule, Hafenwirtschaft und Studierendenschaft darüber, was aus einer mutigen regionalpolitischen Entscheidung geworden ist und was daraus noch werden kann.
Moderiert wurde die Runde von Constanze von Hassel, Chefredakteurin der Bayerischen GemeindeZeitung. Gleich zu Beginn stand die große Frage im Raum: Wie können Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität zusammengebracht werden? Für Straubing ist diese Frage nicht abstrakt. Vor 25 Jahren entstand hier die Idee, fossile Rohstoffe stärker durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen und daraus regionale Wertschöpfung zu schaffen. Was damals Zukunftsmusik war, ist heute ein Standortprofil.
Edmund Langer, Geschäftsführer von C.A.R.M.E.N. e.V., erinnerte an die Ausgangslage: Straubing hatte bei der Ansiedlung einer Hochschule zunächst das Nachsehen gegenüber Deggendorf. Aus dieser Enttäuschung entstand jedoch ein neuer politischer Wille. Die Hightech-Offensive des Freistaats griff das Thema nachwachsende Rohstoffe auf, Straubing wurde zum Standort eines Kompetenzzentrums. C.A.R.M.E.N. übernahm dabei die Rolle, Wissen in die Öffentlichkeit, zu Unternehmen und Kommunen zu tragen. Denn Forschung allein reiche nicht, so Langer sinngemäß: Die „PS“ müssten auch auf die Straße.
Oberbürgermeister Markus Pannermayr beschrieb die Entscheidung für das Thema nachwachsende Rohstoffe als bewusste Fokussierung. Eine Region könne nicht überall gleichzeitig Spitze sein, brauche aber einige Felder, in denen sie besser, schneller und innovativer sein wolle. Für die Kommunalpolitik bedeute das auch, Infrastruktur zu schaffen, deren voller Nutzen oft erst Jahre oder Jahrzehnte später sichtbar werde. Der Hafen Straubing-Sand sei dafür ein Beispiel, ebenso wie nun der weitere Ausbau von BioCampus, Forschung und Gründungsumfeld.
Landrat Tobias Beck sprach von einer Identität, die in der Region inzwischen gewachsen sei. „Region der Nachwachsenden Rohstoffe“ sei längst mehr als ein Claim. Gerade für junge Menschen könne Nachhaltigkeit ein Standortargument sein. Beck verwies auf die Mehrzweck-Demonstrationsanlage, die derzeit entsteht und europaweit Strahlkraft entwickeln soll. Sein Bild für die Zukunft: Straubing könne für die Biochemie einmal eine ähnliche Anziehungskraft entfalten wie Oxford für bestimmte Spitzenforschungsfelder.
Dr. Bernhard Widmann vom Technologie- und Förderzentrum blickte auf vier Jahrzehnte Arbeit mit Biomasse zurück – mit Aufbruchsstimmung, Rückschlägen und wechselnden politischen Konjunkturen. Biomasse bleibe ein notwendiger Baustein, aber kein Freibrief für ein Weiter-so. Entscheidend sei die Frage, wo sie am sinnvollsten eingesetzt werde: etwa dort, wo Elektrifizierung schwer möglich ist, oder wo ökologische Vorteile besonders groß sind. Die Debatte sei schwierig, weil sie häufig schwarz-weiß geführt werde, etwa bei der Konkurrenz zwischen Teller und Tank.
Norbert Fröhlich vom TUM Campus Straubing machte klar, dass der Hochschulstandort noch nicht am Ziel ist. Rund 1.200 Studierende, 25 Professuren und mehrere Studiengänge zeigen, wie stark der Campus gewachsen ist. Zugleich fehlen weitere Labor- und Forschungsflächen, wenn die geplanten 34 Professuren erreicht werden sollen. Straubing habe sich innerhalb der Technischen Universität München einen Namen erarbeitet, nicht zuletzt, weil Forschung, Lehre und Anwendung hier eng miteinander verbunden seien.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Hafen Straubing-Sand. Geschäftsführer Andreas Löffert erinnerte daran, dass auch der Hafen einst auf der grünen Wiese geplant wurde, ohne Garantie, dass daraus ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort wird. Heute arbeiten dort fast 4.000 Menschen. Mit dem Bio-Scale-Up-Center soll nun die Lücke zwischen Labor und industrieller Anwendung geschlossen werden. Viele biobasierte Ideen scheiterten nicht an der Forschung, sondern am schwierigen Weg in größere Maßstäbe. Genau hier soll Straubing künftig Unternehmen und Start-ups unterstützen.
Aus Sicht der Studenten bestätigte Vitus Heigenhauser, dass Straubing mehr bietet als kleine Wege und eine lebenswerte Stadt. Entscheidend seien offene Türen, persönliche Betreuung und ein Netzwerk, in dem Wissenschaft, Wirtschaft und Politik tatsächlich zusammenarbeiten. Mit der von ihm mit initiierten Veranstaltungsreihe „Green Talk“ habe man erlebt, wie unkompliziert der Standort eigenes Engagement ermögliche. Für junge Menschen sei Nachhaltigkeit ein starkes Motiv; ein sicherer Arbeitsplatz aber ebenso wichtig.
Neben Aufbruch war auch Selbstkritik Teil der Diskussion. Es ging um Flächenkonkurrenz, zirkuläres Wirtschaften, Kosten, Akzeptanz und Regulierung. Langer warnte davor, Innovationen mit der Brechstange durchsetzen zu wollen. Pannermayr sprach von einer Kultur, die in den vergangenen Jahren stark auf Sicherheit gesetzt habe und nun wieder mehr Freiheit, Tempo und Fehlertoleranz brauche. Eine zentrale Botschaft des Vormittags: Transformation gelingt nicht allein durch Förderbescheide, sondern durch stabile Leitplanken, verlässliche Partnerschaften und den Mut, Projekte über Wahlperioden hinaus zu denken.
Beim Blick ins Jahr 2051 wurden die Bilder konkret: ein weiter gewachsener TUM Campus, mehr Studenten in der Stadt, ein starker BioCampus, neue Unternehmen im Hafen, industrielle Anwendungen aus nachwachsenden Rohstoffen und Alumni, die immer wieder nach Straubing zurückkehren. Dr. Widmann formulierte den größeren Anspruch: Am Ende müsse die Gesellschaft wieder stärker von den „Zinsen“ des Planeten leben, nicht von seiner Substanz.
So wurde aus der Jubiläumsdiskussion keine reine Rückschau, sondern ein umfassender Arbeitsauftrag. Straubing zeigt, was entstehen kann, wenn Stadt, Landkreis, Freistaat, Wissenschaft, Landwirtschaft und Wirtschaft über Jahre an einem Thema festhalten. Die Region der Nachwachsenden Rohstoffe ist damit nicht nur ein Standortname, sondern ein Beispiel dafür, wie aus einer regionalen Idee ein strategisches Zukunftsprojekt werden kann.
