12. Bayerisches WasserkraftForum in Gersthofen: Tradition trifft Innovation

GZ Ausgabe GZ-13-2026 vom 2. Juli 2026 | Energie
von Doris Kirchner
V.l.: Theresa von Hassel, Gersthofens Bürgermeisterin Susanne Olita, Anne-Marie und Constanze von Hassel und Barbara Bühler-Karpati. Bild: JMK
V.l.: Theresa von Hassel, Gersthofens Bürgermeisterin Susanne Olita, Anne-Marie und Constanze von Hassel und Barbara Bühler-Karpati. Bild: JMK

Ein hochkarätiges Fachprogramm mit Beiträgen zu Versorgungssicherheit, Digitalisierung, Gewässerökologie, Resilienz und innovativen Nutzungskonzepten bot das 12. Bayerische WasserkraftForum in Gersthofen (Landkreis Augsburg). Hierzu begrüßte die Bayerische GemeindeZeitung über 100 Akteure aus Politik, Kommunen, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Fischerei, Wissenschaft und Energiewirtschaft, die entlang der bayerischen Flüsse Verantwortung tragen. Insgesamt präsentierten ein knappes Dutzend Partner und Aussteller ihre Innovationen und Angebote. Als Medienpartner fungierte TV Bayern live.

GZ-Chefredakteurin Constanze von Hassel stellte in ihrer Begrüßung die Wasserkraft als unverzichtbaren Baustein einer sicheren und klimafreundlichen Energieversorgung in Bayern heraus. Angesichts der fortschreitenden Elektrifizierung von Mobilität, Wärmeversorgung, Wirtschaft und Digitalisierung steige der Strombedarf erheblich. Neben dem Ausbau wetterabhängiger erneuerbarer Energien brauche es deshalb verlässliche Erzeugungsformen, die unabhängig von Sonne und Wind jederzeit verfügbar seien. Wasserkraft übernehme dabei eine Schlüsselrolle für Versorgungssicherheit, Resilienz und regionale Wertschöpfung.

Plattform für den fachlichen Austausch

Gleichzeitig betonte von Hassel, dass Energiepolitik immer auch ein Ausgleich unterschiedlicher Interessen sei. Herausforderungen wie Naturschutz, hohe Investitionskosten oder wasserwirtschaftliche Anforderungen müssten im Dialog gelöst werden. Gerade die kommunale Ebene biete hierfür die besten Voraussetzungen, da Entscheidungen vor Ort gemeinsam mit Bürgern, Unternehmen und Behörden getroffen werden könnten. Das Bayerische Wasserkraftforum verstehe sich deshalb als Plattform für den fachlichen Austausch und die Entwicklung tragfähiger Lösungen.

Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, unterstrich in seinem digitalen Grußwort die herausragende Bedeutung Bayerns als führendes Wasserkraftland Deutschlands. Mit rund 4.200 Anlagen erzeuge der Freistaat den größten Teil der deutschen Wasserkraft und verfüge damit über eine bewährte, klimafreundliche und grundlastfähige Form der erneuerbaren Energie. Sowohl große als auch kleine Anlagen leisteten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und regionalen Wertschöpfung.

Gotthardt kündigte an, dass sich die Staatsregierung weiterhin auf Bundesebene für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, insbesondere bei der Weiterentwicklung des EEG, einsetzen werde. Zugleich warb er dafür, Zielkonflikte zwischen Energiegewinnung und Gewässerschutz im engen Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zu lösen. Innovation und Kooperation seien entscheidend, um eine sichere, nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung langfristig zu gewährleisten.

Stärkung der regionalen Wertschöpfung

Wie Susanne Olita, Erste Bürgermeisterin der Stadt Gersthofen, darlegte, verbinde die Wasserkraft Tradition und Innovation. Sie liefere zuverlässig erneuerbare Energie, stärke die regionale Wertschöpfung und verdeutliche, dass nachhaltige Lösungen dort entstehen, wo natürliche Ressourcen verantwortungsvoll genutzt werden.

Die Stadt Gersthofen sei eng mit der Wasserkraft verknüpft, betonte die Rathauschefin. Der Lech präge die Stadt nicht nur als Natur- und Erholungsraum, sondern sei seit mehr als einem Jahrhundert Grundlage der regionalen Energieversorgung und damit ein wichtiger Motor für die wirtschaftliche Entwicklung. Das historische Wasserkraftwerk Gersthofen, das in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum feiert, stehe beispielhaft für den technischen Pioniergeist früherer Generationen und zeige, wie nachhaltige Energiegewinnung langfristig gedacht werden könne.

LEW-Jubiläum mit Umweltminister Glauber

Bereits am Vortag des 12. Bayerischen WasserkraftForums hatte Premiumpartner LEW Wasserkraft zu einem Fach- und Exkursionsnachmittag, verbunden mit einem Get-together im historischen Dampfkraftwerk Gersthofen mit Umweltminister Thorsten Glauber, eingeladen. Die Führung in die Lechauen entlang ausgewählter Projektbereiche des EU-geförderten Vorhabens CONTEMPO2 stieß auf großes Interesse. Es zeigt neue Wege auf, Gewässerökologie, Klimaanpassung und erneuerbare Energieerzeugung in einem integrierten Ansatz zusammenzuführen.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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