Kommunale Projektentwicklung: Vernetzt, praktisch und agil - Eine Münchner Initiative zur Förderung des Übergangs in die Berufsausbildung
von Redaktion

Ein Gastbeitrag von Dr. Horan Lee, Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) der Landeshauptstadt München, Rebekka Olbrich, ReDI School of Digital Integration gGmbH und Dr. Barbara Burger, Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung e.V. (GAB)
Innovative Ansätze zur Stärkung Beruflicher Bildung werden in Zeiten des Fach- und Nachwuchskräftemangels immer wichtiger. Kommunen können eine zentrale Rolle spielen, um regionale Potenziale zu bündeln und gemeinsam neue Wege zu gehen.
Im Herbst 2024 startete das InnoVET PLUS-Projekt „Barrierearme Zugänge zu Beruflicher Bildung – BamBBi“ (siehe Infokasten). Mit dem Fokus auf IT- und klimarelevante Ausbildungsberufe wurden gezielt lokale Akteure des Münchner Ausbildungs- und Arbeitsmarkts vernetzt und zielgruppenspezifische Bedarfe identifiziert. Konkrete Initiativen der BamBBi-Netzwerkarbeit adressieren z.B. Personen mit fragmentierten Bildungs- bzw. Erwerbsbiografien, für die Quereinstiege in die Berufsausbildung erleichtert werden können, Studienabbrechende und -zweifelnde sowie migrantische junge Menschen, die u.a. aufgrund von Sprachbarrieren vorqualifizierende Maßnahmen zum Ausbildungseinstieg benötigen oder während der Ausbildung besonders von Ausbildungsabbrüchen bedroht sind. Auf betrieblicher Seite nimmt BamBBi die Frage in den Blick, wie Start-Ups stärker für die duale Berufsausbildung gewonnen werden können. Mithilfe des innovativen Projektansatzes werden entsprechende Lösungsansätze nicht nur konzipiert und wissenschaftlich evaluiert, sondern auch modellhaft entwickelt, erprobt und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit geprüft. Exemplarisch dafür steht das Format „Projekttage zur Berufsorientierung“, das gemeinsam mit den Verbundpartnern ReDI School und GAB mit dem BamBBi-Netzwerk München schnell und agil auf die Beine gestellt wurde. Denn selbst beim Thema Berufsorientierung (BO) für Jugendliche zeigt sich trotz vielfältiger Angebote und Förderprogramme (wie BOP und BOFplus) lokal noch großer Entwicklungsbedarf.
Berufsorientierung goes Makerspace
Ein starker Praxisbezug gilt als besonders zielführend für BO-Angebote, allerdings bedeuten entsprechende Formate auch ein hohes Maß an organisatorischem und finanziellem Aufwand. Darauf zugeschnittene Förderprogramme können von der teilnehmenden Städtischen Berufsschule zur Berufsintegration (BSBI) aktuell jedoch nicht genutzt werden. Vor diesem Hintergrund hat sich Anfang 2025 im Münchner BamBBi-Netzwerk eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel konstituiert, eine innovative, praxisorientierte BO-Pilotmaßnahme bis Herbst 2025 konzeptuell zu planen, konkret zu organisieren und umzusetzen. Mit dem MakerSpace der UnternehmerTUM im Munich Urban Colab konnte ein innovativer Ort mit einer technisch hochwertigen Ausstattung in einer kreativ-modernen Umgebung gewonnen werden, in der die Jugendlichen zeitgemäße Praxiserfahrungen im Team sammeln können.
Projekttage zur Berufsorientierung
In den Herbstferien 2025 tauchten also 25 Schülerinnen und Schüler bei den Projekttagen in die Welt moderner Technik ein. Ziel war es, Berührungsängste abzubauen, technische Kompetenzen zu fördern und neue Perspektiven auf Ausbildungsberufe aufzuzeigen. Die Projekttage wurden als verpflichtendes Praktikum bei der BSBI anerkannt.
Nach einer Einführung in die Themenfelder Technik und Klima wurden die Jugendlichen gleich selbst aktiv: Bei der ReDI School programmierten sie spielerisch LEGO-Roboter. Im MakerSpace arbeiteten sie an eigenen Projekten – vom „Nachhaltigen Elektrowürfel“ über Schneidebretter in der Holzwerkstatt bis zur eigenen Taschenlampe und 3D-Druck-Modellen.
An den letzten Tagen präsentierten die Jugendlichen die Projektergebnisse, davon ausgehend wurde eine Brücke zu konkreten Ausbildungsberufen geschlagen – mit Berufsrecherche, Bewerbungstraining, Weiterbildungsangeboten, Begegnungen mit Auszubildenden und Kontaktaufnahme mit Ausbildungsbetrieben. Begeisterung und Stolz waren deutlich spürbar: „Endlich konnte ich selbst etwas bauen und direkt den Sinn dahinter sehen“, berichtete eine Teilnehmerin.
Agiles Netzwerk als Motor der Umsetzung
Das BamBBi-Netzwerk war sowohl Ideengeber als auch Ermöglicher der Projekttage. In kurzen, regelmäßigen Online-Treffen einer Projektgruppe wurde die Idee schrittweise zu einem konkreten Konzept ausgearbeitet. Die frühzeitige Bündelung von Erfahrung und Expertise, ein agiles Vorgehen und freiwilliges Engagement – auch in Form von kostenfreien Räumen und Ausstattung – prägten den Prozess. So entstand ein praxisnahes Programm für die Schülerinnen und Schüler, bei dem sie Technik, Nachhaltigkeit und IT unmittelbar erleben konnten und exemplarische Aufgaben von IT- und klimarelevanten Berufen kennenlernten. Die Jugendlichen schöpften Motivation und Selbstbewusstsein für ihre berufliche Zukunft und konnten Betriebspraktika und in einem Fall sogar einen Ausbildungsvertrag anbahnen. Als besonders zielführend hat sich zudem das Rahmenprogramm mit fundierten Berufsinformationen zum Thema Nachhaltigkeit, zu kostenlosen IT-Weiterbildungsmöglichkeiten sowie generell zum System der Beruflichen Bildung erwiesen.
Die erfolgreiche Durchführung und die geplante Wiederholung der Projekttage zur Berufsorientierung 2026 belegen nicht nur, dass kommunale Akteure sowie lokale Bildungsträger und Non-Profit-Organisationen schnell und flexibel auf Innovationsbedarfe reagieren können, die konstruktive Zusammenarbeit hat zudem auch das BamBBi-Akteursnetzwerk weiter gefestigt.
Das Projekt BamBBi
Das Forschungs- und Gestaltungsprojekt BamBBi hat sechs Verbundpartner und zielt auf den Abbau von Barrieren beim Einstieg in Ausbildungsberufe in der IT und in klimarelevanten Branchen. Finanziert wird es in der Laufzeit von September 2024 bis Dezember 2027 vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Programm InnoVET PLUS, einer Maßnahme der Exzellenzinitiative Berufliche Bildung.
In München ist in diesem Rahmen ein Netzwerk aus über 30 Berufsbildungs- und Arbeitsmarktakteuren gegründet worden. Zur Entwicklung des Formats „Projekttage zur Berufsorientierung“ haben neben dem Projektverbund aus dem Münchner BamBBi-Netzwerk u.a. der MakerSpace/UnternehmerTUM, die Innung für Elektro- und Informationstechnik München, das Referat für Klima- und Umweltschutz und die Agentur für Arbeit wichtige Beiträge geleistet. Mehr Informationen: www.bambbi.de.