Schulstart in Bayern: Mehr Schüler, neue Prüfungsformate

GZ Ausgabe GZ-18-2026 vom 24. September 2026 | Bildung, Betreuung & Gesundheit
von Doris Kirchner
Ansicht eines Klassenzimmers

Für rund 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler, darunter rund 132.000 Erstklässler, hat im Freistaat das neue Schuljahr begonnen. Die Schülerzahl ist damit gegenüber dem Vorjahr erneut um fast 20.000 gestiegen. Insgesamt unterrichten in Bayern rund 166.000 Lehrkräfte. Trotz steigender Schülerzahlen und des geltenden Stellenmoratoriums bezeichnete Kultusministerin Anna Stolz die Unterrichtsversorgung zum Schuljahresbeginn als stabil.

Ein Schwerpunkt im neuen Schuljahr liegt auf einer Weiterentwicklung der Prüfungskultur. Klassische Schulaufgaben und Tests bleiben Bestandteil des Schulalltags. Zudem erhalten Präsentationen, Projekte, Debatten und praxisnahe Aufgaben mehr Gewicht. „Leistung hat viele Seiten und genau die wollen wir sichtbar machen“, erläuterte Stolz. Die Erwartungen würden dabei nicht abgesenkt, vielmehr sollten Schülerinnen und Schüler mehr Möglichkeiten erhalten, ihre unterschiedlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Weniger Schulaufgaben, neue Testformate

Konkrete Änderungen gibt es an den einzelnen Schularten. Am Gymnasium wird beispielsweise die Mindestzahl der Schulaufgaben in Deutsch in den Jahrgangsstufen 5 bis 8 von vier auf drei pro Schuljahr reduziert. In Mathematik sinkt sie in der Jahrgangsstufe 9 ebenfalls von vier auf drei. Zugleich können innovative Formate stärker zum Einsatz kommen. Für die Jahrgangsstufe 11 wird zudem erstmals ein zentraler digitaler Test zu mathematischen Grundkompetenzen angeboten. Die Teilnahme ist zunächst freiwillig.

Auch an den Realschulen werden klassische Leistungsnachweise um Projekte, Debatten, mündliche Kommunikationsprüfungen oder Portfolios ergänzt. Um dafür Zeit zu schaffen, wird die Mindestzahl kleiner Leistungsnachweise in Fächern mit mehr als zwei Wochenstunden ab dem Schuljahr 2026/27 von drei auf zwei pro Halbjahr reduziert.

Mehr Praxis, flexiblere Förderung

An den Mittelschulen wird die Projektorientierung ebenfalls ausgebaut. In den Jahrgangsstufen 5 bis 7 gibt es künftig in einem Fach pro Schuljahr eine bewertete Projektarbeit mit mündlichen, schriftlichen und praktischen Bestandteilen. Außerdem wird die Stundentafel flexibler: Bis zu zwei Wochenstunden können in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 für die gezielte Förderung einzelner Schüler, von Gruppen oder der gesamten Klasse in Deutsch, Mathematik und Englisch eingesetzt werden.

Beim Personal stehen die Schulen trotz der angespannten Rahmenbedingungen nach Angaben des Ministeriums stabil da. Rund 5.000 junge Menschen beginnen zum neuen Schuljahr ihren Vorbereitungsdienst. Insgesamt stellt der Freistaat rund 4.100 Lehrkräfte ein. Zur Sicherung der Unterrichtsversorgung haben zahlreiche Lehrkräfte freiwillig ihr Stundenkontingent aufgestockt. Dennoch verwies Stolz auf die Schwierigkeiten, die das Stellenmoratorium mit sich bringe. „Ich rede die Herausforderungen nicht klein und sie werden auch an Schulen spürbar sein“, betonte die Ministerin. Eine Perspektive gebe es jedoch für das kommende Schuljahr: Dann sollen 1.500 zusätzliche Lehrerplanstellen den Schulen wieder mehr Spielraum und Planungssicherheit geben.

Neue Regeln für digitale Medien

Ein weiterer Kernpunkt ist der Umgang mit digitalen Medien. Bayern baut die Angebote zur Medienkompetenz aus und erweitert den „Digitalkompass Schule“ um einen Chat-Kompass für die Grundschule sowie einen Social-Media-Kompass für die Jahrgangsstufen 5 bis 8. Gleichzeitig ist die private Nutzung von Handys bis einschließlich Jahrgangsstufe 7 an Schulen grundsätzlich untersagt. Auch Erziehungsberechtigte werden stärker miteinbezogen; unter anderem sind Elternveranstaltungen in allen sieben Regierungsbezirken vorgesehen.

Lehrkräfte gezielt stärken

Neben Basiskompetenzen, Prüfungskultur und digitaler Bildung liegt das Augenmerk auf Sport und Bewegung sowie der weiteren Unterstützung der Lehrkräfte durch den Ausbau des Programms „LehrKraftStärken“. Vorgesehen sind unter anderem Onlineangebote und Selbstlernkurse zu Arbeitsorganisation, schwierigen Gesprächen und herausfordernden Situationen. Künftig sollen bereits angehende Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst mit den Unterstützungsangeboten vertraut gemacht werden. Die KIBBS-Teams, die bei Krisen an Schulen zum Einsatz kommen, werden personell um 20 Prozent verstärkt.

„Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler immer dazu motivieren, mutig ihren Weg zu gehen, Neues zu entdecken und stolz auf ihre Leistungen zu sein“, hob Stolz hervor. Schulen sollten mehr Raum für gute Lösungen vor Ort erhalten.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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