Kommunen im Zentrum des Hitzeschutzes
von Redaktion

Gastbeitrag von Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer - Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen erhöhen die gesundheitlichen Risiken für die Menschen in Bayern. Kommunen stehen dabei im Zentrum des Hitzeschutzes: Sie kennen die lokalen Gegebenheiten und können gezielt Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergreifen, etwa durch kühle Aufenthaltsorte oder öffentliche Trinkwasserangebote.
Die Erde erwärmt sich weiter. 2024 lag die globale Durchschnittstemperatur bereits 1,62 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau¹. Prognosen der Vereinten Nationen zeigen zudem: Selbst, wenn alle Staaten ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen vollständig erfüllen, ist bis 2100 mit einer globalen Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad Celsius zu rechnen².
Hitze als klimabedingtes Gesundheitsrisiko
Die Folgen dieser Entwicklung sind längst spürbar. Die Sommer 2024³ und 2025⁴ gehörten weltweit zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch in Deutschland nehmen Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen spürbar zu. Hitze gilt heute als größtes klimabedingtes Gesundheitsrisiko. Sie kann für alle gefährlich werden, besonders aber für vulnerable Gruppen, wie etwa ältere Menschen, Pflegebedürftige, Schwangere, (Klein-)Kinder oder Personen mit chronischen Vorerkrankungen.
Die gesundheitlichen Auswirkungen reichen etwa von Hitzekollaps und Erschöpfung bis hin zum lebensbedrohlichen Hitzschlag; zudem kann Hitze bestehende Erkrankungen verschlimmern.
Eine Studie der DAK-Gesundheit aus dem Jahr 2024 zeigt, dass rund zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland während Hitzewellen erhebliche Belastungen erleben. In besonders heißen Jahren kommt es zu mehreren tausend hitzebedingten Todesfällen⁵.
Die zentrale Rolle der Kommunen
Kommunen spielen eine Schlüsselrolle im Hitzeschutz. Sie kennen lokale Gegebenheiten – etwa hitzeanfällige Stadtbereiche – ebenso wie die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Dadurch können sie kurzfristig wirksame Maßnahmen wie Warnsysteme, öffentliche Trinkwasserangebote oder kühle Rückzugsorte gezielt bereitstellen. Gleichzeitig gestalten sie die langfristige Stadt- und Freiraumplanung, etwa durch Begrünung, Entsiegelung oder kühlende Infrastruktur. Mit klar strukturierten Hitzeaktionsplänen schaffen Kommunen verlässliche Abläufe und Verantwortlichkeiten und leisten so einen entscheidenden Beitrag zum Gesundheitsschutz in zunehmend heißen Sommern.
Stadt Nürnberg
Ein konkretes Beispiel ist die Stadt Nürnberg, die bereits einen umfassenden Hitzeaktionsplan entwickelt hat: https://www.nuernberg.de/internet/umweltreferat/hitze.html.
Unterstützung durch das LGL
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat zudem einen praxisorientierten Handlungsleitfaden entwickelt, der sich an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientiert. Er beschreibt bewährte Schritte für die Planung und Umsetzung kommunaler Hitzeaktionspläne – von zentraler Koordination und interdisziplinärer Zusammenarbeit über die Nutzung von Hitzewarnsystemen und zielgerichteter Kommunikation bis hin zur langfristigen Stadtplanung.
Das Team des Bayerischen Kompetenzzentrums für Gesundheitsschutz im Klimawandel am LGL unterstützt bayerische Kommunen zudem kostenfrei mit Beratungsterminen, Informationsmaterialien und Veranstaltungen bei der Entwicklung eigener Hitzeaktionspläne.
Der Handlungsleitfaden des LGL sowie weitere Informationen sind über den folgenden Link abrufbar:
Quellennachweise:
¹ https://www.uni-graz.at/de/neuigkeiten/klimawandel-aktuell-climatetracer-der-uni-graz-liefert-zuverlaessige-daten/
² https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2025
³ https://www.nasa.gov/news-release/temperatures-rising-nasa-confirms-2024-warmest-year-on-record/
⁴ https://www.ecmwf.int/en/about/media-centre/news/2025/2025-third-warmest-year
⁵ https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/umweltbundesamt-veroeffentlicht-studie-zu