BHV-Frühjahrstagung in Oberstdorf: Bayerns Heilbäder als Wirtschaftsmotor
von Doris Kirchner

Bayerns Heilbäder und Kurorte nehmen laut einer aktuellen Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) eine deutlich größere wirtschaftliche Rolle ein als bislang wahrgenommen.
Die rund 70 Kurbetriebe, Heilbäder und Kurorte im Freistaat unter dem Dach des Bayerischen Heilbäder-Verbands (BHV) erwirtschaften demnach jährlich rund 5,6 Milliarden Euro Umsatz. Die touristische Wertschöpfung beträgt knapp 2,9 Milliarden Euro und sichert rechnerisch mehr als 86.000 Arbeitsplätze im Freistaat. Vorgestellt wurden die Ergebnisse im Rahmen der Frühjahrstagung des BHV in Oberstdorf (Landkreis Oberallgäu).
Klarer Trend ins Plus
Die Untersuchung zeigt eine klare Aufwärtsentwicklung: Seit 2015 ist der touristische Gesamtumsatz der Heilbäder und Kurorte um rund 24 Prozent gestiegen. Die Wertschöpfung legte im gleichen Zeitraum um mehr als 20 Prozent zu. Besonders dynamisch entwickeln sich dabei die einzelnen Wirtschaftsbereiche: Das Gastgewerbe verzeichnet ein Umsatzplus von rund 25 Prozent, der Dienstleistungssektor sogar von mehr als 27 Prozent. Insgesamt entstehen in Bayerns Heilbädern und Kurorten jährlich knapp 80 Millionen Aufenthaltstage.
BHV-Präsident und Landrat Peter Berek hob in Oberstdorf die doppelte Bedeutung der Kurorte hervor: Bayerns Heilbäder seien nicht nur Gesundheitsorte, sondern zentrale Wirtschaftsfaktoren für den ländlichen Raum. Sie schafften Arbeitsplätze und stabilisierten ganze Regionen.
Nach Angaben des Verbandes tragen die Heilbäder erheblich zur regionalen Infrastruktur bei, da touristische Einnahmen in lokale Dienstleistungen, Handel und kommunale Angebote zurückfließen. Auch steuerlich ist die Branche relevant: Rund 520 Millionen Euro an Mehrwert- und Einkommensteuer werden jährlich generiert.
Laut Studie sichert der Tourismus in Kurorten insgesamt rund 100.000 Arbeitsplätze im Freistaat. Die wirtschaftliche Wirkung geht dabei weit über klassische touristische Leistungen hinaus. Der BHV beschreibt die Heilbäder als Querschnittsbranche, die Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Gesundheitsdienstleistungen gleichermaßen stärkt. BHV-Geschäftsführer Frank Oette verwies auf die hohe volkswirtschaftliche Rendite: Jeder Euro, der in Prävention, Gesundheitstourismus und Infrastruktur investiert wird, komme mehrfach für Kommunen, Unternehmen und den Staat zurück.
Vor diesem Hintergrund fordert der BHV eine stärkere gesundheitspolitische und wirtschaftspolitische Verankerung der Prävention. Diese müsse künftig eine deutlich größere Rolle spielen, auch zur Entlastung des Gesundheitssystems. Aus Sicht von Präsident Berek „haben wir die Infrastruktur, die Kompetenz und die Nachfrage“. Jetzt brauche es den politischen Willen, Prävention konsequent zu stärken. Dies sei nicht nur gesundheitspolitisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch klug.
Auch kommunale Vertreter unterstützen diese Einschätzung. Tobias Kurz, stellvertretender BHV-Vorsitzender und Bürgermeister des übernachtungsstärksten Kurortes Bad Füssing, unterstrich die strategische Bedeutung: „Heilbäder sind Ankerpunkte für Entwicklung. Sie verbinden Gesundheit, Tourismus und Wirtschaftskraft.“