Zwischen Pioniergeist und Praxistest: Elektrische Geräteträger für den Bauhof
von Michael von Hassel

Bei einem Praxisworkshop der Henne Nutzfahrzeuge GmbH in Heimstetten bei München standen Ende Mai drei sehr unterschiedliche Ansätze für kommunale Elektromobilität im Mittelpunkt: der batterieelektrische Geräteträger ORTEN ET 400 U, der neue Elektro-Pick-up KGM Musso EV sowie der vollelektrische Hanggeräteträger Sauerburger e-GRIP. Vertreter von Autobahnmeistereien, Wasserwirtschaft, Kommunen und staatlichen Einrichtungen diskutierten dabei vor allem eine Frage: Welche elektrischen Arbeitsfahrzeuge sind im kommunalen Alltag heute bereits sinnvoll einsetzbar?
„Das ist keine Frontalveranstaltung“, betonte Boris Giesen, Verkaufsleiter bei Henne Nutzfahrzeuge, gleich zu Beginn. Ziel sei der direkte Austausch zwischen Herstellern und Anwendern. Genau dieser Praxisbezug zog sich durch die gesamte Veranstaltung.
Elektrischer Unimog für kommunale Einsätze
Besonderes Interesse galt dem ORTEN ET 400 U, einem vollständig elektrifizierten Unimog. Peter Hagen von der Firma Orten erklärte, warum man sich bewusst auf dieses Segment konzentriert habe: Während elektrische Lkw inzwischen serienmäßig verfügbar seien, gebe es im Bereich der kommunalen Geräteträger noch kaum emissionsfreie Lösungen.
Technisch basiert das Fahrzeug auf einem umgebauten Unimog-Fahrgestell. Der Dieselantrieb wird vollständig entfernt und durch einen elektrischen Antriebsstrang mit 800-Volt-Technik ersetzt. Zum Einsatz kommen Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP), die als besonders sicher gelten. Im präsentierten Fahrzeug waren 220 Kilowattstunden Batteriekapazität verbaut, je nach Radstand sind bis zu 400 Kilowattstunden möglich.
Wichtig für kommunale Betreiber: Bestehende Anbaugeräte wie Mäharme, Streuer, Schneeschilde oder Frontzapfwellen können weiterhin genutzt werden. „Alles, was man bisher am Diesel-Unimog betrieben hat, funktioniert auch elektrisch“, so Hagen.
Als entscheidende Herausforderung bezeichneten die Referenten weniger die Fahrzeugtechnik als vielmehr die Ladeinfrastruktur. Im Sommer seien typische Mäheinsätze meist ohne Zwischenladen möglich. Im Winterdienst hingegen müsse bei langen Einsätzen mit einer Zwischenladung gerechnet werden. Das Fahrzeug kann per DC-Schnellladung mit bis zu 300 kW geladen werden.
Neben Umweltaspekten rückten auch wirtschaftliche Fragen in den Fokus. Trotz hoher Anschaffungskosten könne sich ein elektrischer Geräteträger über niedrigere Energie- und Betriebskosten nach sechs bis acht Jahren amortisieren. Für Kommunen relevant sei zudem die Clean Vehicles Directive (CVD), da emissionsfreie Fahrzeuge die vorgeschriebenen Beschaffungsquoten positiv beeinflussen.

Elektro-Pick-up für Bauhof und Streckenkontrolle
Mit dem Musso EV präsentierte KGM Europe den ersten vollelektrischen Pick-up der Marke, die vielen noch unter dem früheren Namen SsangYong bekannt ist. Dirk Frischknecht von KGM betonte, dass man gezielt den kommunalen Markt adressiere, weil dort künftig verstärkt elektrisch beschafft werden müsse.
Das Fahrzeug verfügt über eine 80,4-kWh-LFP-Batterie. Angeboten werden eine Zwei- und eine Allradversion. Besonders hervorgehoben wurde, dass der Allradantrieb auch im Rückwärtsgang verfügbar sei – ein Detail, das laut Hersteller bei manchen Wettbewerbern fehle.
Mit Reichweiten von bis zu 550 Kilometern bei langsamer Fahrt und Anhängelasten von bis zu 2,3 Tonnen zielt der Musso EV auf typische kommunale Anwendungen wie Streckenkontrolle, Grünpflege oder leichte Transportaufgaben. Der Einstiegspreis liegt laut Hersteller bei rund 35.285 Euro netto.
Interessant für Kommunen: KGM arbeitet derzeit an zusätzlichen elektrischen Schnittstellen für Anbaugeräte und Sonderaufbauten. Auch Lösungen für Schneeschilder und Streugeräte befinden sich in Entwicklung.

Öl- und emissionsfrei am Hang
Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der neue Sauerburger e-GRIP. Der vollelektrische Hanggeräteträger wurde speziell für Arbeiten in sensiblen Bereichen wie Gewässerrandstreifen oder Steillagen entwickelt. Geschäftsführer Franz Sauerburger sprach offen über die Motivation hinter dem Projekt: „Die Zeit der Verbrenner ist für diese Einsatzzwecke meines Erachtens vorbei.“
Besonderes Augenmerk legten die Entwickler auf den vollständigen Verzicht auf Hydrauliköl. Zapfwelle und Geräteantrieb erfolgen elektrisch. Dadurch eignet sich das Fahrzeug insbesondere für Einsätze im Bereich Wasserwirtschaft und Naturschutz.
Technisch setzt der e-GRIP auf Radnabenmotoren und eine ungewöhnliche Hinterachslenkung über unterschiedliche Raddrehzahlen. Dadurch wird keine zusätzliche Energie für die Lenkung benötigt. Die Entwickler versprechen sich davon einen besonders hohen Wirkungsgrad.
Die Batterie mit 54 kWh ermöglicht laut Hersteller je nach Einsatzdauer Arbeitszeiten von fünf bis sieben Stunden. Das Fahrzeug bleibt bewusst auf 20 km/h begrenzt, um Energieverbrauch und Gewicht niedrig zu halten. Mit einem Leergewicht von rund 1,8 Tonnen bleibt der e-GRIP zudem transportfreundlich.
Kommunen testen noch vorsichtig
Der Workshop zeigte deutlich: Die Technik entwickelt sich schnell, doch viele Kommunen befinden sich noch in der Erprobungsphase. Reichweite, Ladeinfrastruktur, Wintereinsatz und Wirtschaftlichkeit bleiben zentrale Fragen. Gleichzeitig wächst der Druck durch Klimaziele und gesetzliche Vorgaben.
Die Hersteller setzen daher bewusst auf Praxistests gemeinsam mit Bauhöfen und öffentlichen Betreibern. Denn eines wurde in Heimstetten ebenfalls deutlich: Elektrische Geräteträger werden den klassischen Diesel kurzfristig nicht vollständig ersetzen. Für klar definierte Einsatzbereiche könnten sie jedoch schon heute eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Ergänzung sein.