Systemfahrzeug mit Mehrwert, elektrischer Traktor zeigt Zukunftsperspektiven: BayWa Demo-Tage – Flexible Technik für den kommunalen Bauhof
von Constanze von Hassel

Wie können Bauhöfe mit einer einzigen Fahrzeugplattform unterschiedlichste Aufgaben bewältigen? Antworten darauf gaben die BayWa Demo-Tage, die erstmals als Roadshow für Frühling, Sommer und Herbst Station neben Deggendorf, Erbach und Giebelstadt auch in Olching machten. Mehr als 100 Maschinen von über 35 Herstellerpartnern wurden dabei im praktischen Einsatz vorgestellt: von Grünflächenpflege über Straßenunterhaltung bis hin zu Transport- und Winterdienstlösungen.
Neben vielfältigen Lösungen stand dabei auch ein Fahrzeugkonzept im Mittelpunkt, das speziell für Kommunen interessant ist: Gemeinsam mit MAN und dem österreichischen Fahrzeugbauer Ressenig bietet die BayWa ein Systemfahrzeug an, das sich durch verschiedene Wechselaufbauten innerhalb weniger Minuten an unterschiedliche Aufgaben anpassen lässt.
Ein Fahrzeug – viele Einsatzmöglichkeiten
Das Herzstück bildet ein hydraulisches Wechselsystem von Ressenig. Ohne aufwendige Umbauten kann derselbe MAN TGM beispielsweise als Kranfahrzeug, Transporter oder mit einem Wasserfass für Bewässerungsaufgaben eingesetzt werden. Auch weitere kommunale Anwendungen wie Hubsteiger, Kehrmaschine oder Winterdiensttechnik lassen sich integrieren. Das spart Fahrzeugkapazitäten, erhöht die Auslastung und schafft mehr Flexibilität im Bauhof.
„Uns geht es nicht darum, einzelne Maschinen zu verkaufen, sondern komplette Lösungen für unsere kommunalen Kunden anzubieten“, betont Björn Dettlaff, Leiter Vertrieb Maschinen der BayWa. „Wir treten hier als Generalunternehmer auf und entwickeln gemeinsam mit unseren Partnern ein Fahrzeugkonzept, das unterschiedlichste kommunale Anforderungen abdeckt.“

Gerade für Städte und Gemeinden, die ihre Fahrzeugflotten wirtschaftlich einsetzen müssen, bietet das Konzept Vorteile: Ein Grundfahrzeug übernimmt je nach Aufbau Arbeiten auf der Baustelle, hebt mit dem Ladekran schwere Lasten, transportiert Material oder übernimmt mit einem Wasseraufbau Bewässerungsarbeiten in Grünanlagen. Dank der integrierten Kommunalhydraulik können zahlreiche hydraulische Anbaugeräte betrieben werden.
Praxis statt Ausstellung
Mit den neuen Demo-Tagen verfolgt die BayWa bewusst einen anderen Ansatz als bei klassischen Produktausstellungen. Maschinen werden nicht nur präsentiert, sondern unter realen Bedingungen vorgeführt.
„Die BayWa zeichnet aus, dass wir Maschinen direkt in die Regionen bringen und sie unseren Kundinnen und Kunden im praxisnahen Einsatz zeigen“, erläutert Dettlaff. „Im Vordergrund steht immer die Lösung für die jeweilige Aufgabe – nicht die einzelne Maschine.“
Nach den etablierten Winterdienst-Tagen sollen die neuen Demo-Tage künftig im Wechsel stattfinden und so jährlich neue Entwicklungen für Kommunen und Gewerbebetriebe vorstellen.
Blick in die Zukunft: Elektrischer Großtraktor
Noch Zukunftsmusik, aber bereits ein viel diskutiertes Exponat war der vollelektrische Fendt 600 Vario mit Namen Agromec E600, der von der BayWa-Tochter Abemec BV in den Niederlanden zum E-Traktor umgerüstet wurde. Das Unternehmen entwickelt bereits seit mehreren Jahren elektrische Großtraktoren in Kleinserie und bringt seine Erfahrungen nun nach Deutschland.

Der Prototyp verfügt über eine 170-kWh-Batterie und erreicht je nach Einsatz vier bis sechs Stunden Arbeitszeit. Über Schnellladung oder eine zusätzliche Frontbatterie lässt sich die Einsatzdauer verlängern. Besonders für kommunale Anwendungen, bei denen emissionsfreies Arbeiten zunehmend gefordert wird, könnte diese Technik künftig interessant werden.
Dettlaff sieht den elektrischen Großtraktor vor allem als Ausblick auf kommende Entwicklungen: „Wir wollen zeigen, wohin die Reise gehen kann. Viele Kunden möchten die Technologie zunächst kennenlernen und ihre Möglichkeiten einschätzen.“
Noch ersetzt der E-Traktor den Diesel nicht. Doch die Demo-Tage zeigen auf, dass alternative Antriebe inzwischen auch im leistungsstarken Kommunalsegment angekommen sind und dass Flexibilität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit künftig zunehmend Hand in Hand gehen sollen.