Wasserstoffzug startet bei der Südostbayernbahn

GZ Ausgabe GZ-17-2026 vom 10. September 2026 | Bau & Mobilität
von Doris Kirchner
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Auf der Strecke zwischen Mühldorf und Burghausen beginnt eine neue Ära im Schienenverkehr: Die Südostbayernbahn (SOB) und Siemens Mobility haben den ersten Wasserstoffzug für den künftigen Regelbetrieb im Freistaat vorgestellt. Der Siemens Mireo Plus H befindet sich derzeit noch im Test- und Schulungsbetrieb. Ab Dezember 2026 sollen insgesamt drei dieser Züge regelmäßig Fahrgäste befördern.

Bei der offiziellen Präsentation in Mühldorf wurde der erste Zug symbolisch in die Flotte der Südostbayernbahn aufgenommen. Für die SOB ist das Projekt ein wichtiger Schritt weg vom Dieselantrieb. Die drei Wasserstoffzüge werden künftig im Rahmen des Verkehrsvertrags „Linienstern Mühldorf 2025+“ eingesetzt. Vorgesehen ist der Betrieb auf der nicht elektrifizierten Strecke Mühldorf–Burghausen.

Alternative für Strecken ohne Oberleitung

Der Mireo Plus H wurde speziell für den Einsatz auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken entwickelt. Anders als herkömmliche Dieselzüge erzeugt er während der Fahrt keine lokalen Abgasemissionen. Der für den Antrieb benötigte Wasserstoff wird in einer Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt. Auch beim Geräuschpegel soll sich die neue Technik bemerkbar machen: Die Züge sind leiser als herkömmliche Dieseltriebwagen.

Betankt werden die Fahrzeuge künftig an einer neu errichteten Wasserstofftankstelle von DB Energie in Mühldorf. Für die Herstellung bzw. Bereitstellung des Wasserstoffs wird die Anlage mit Ökostrom betrieben. Damit soll der gesamte Antrieb möglichst klimafreundlich erfolgen.

Christoph Kraller, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern, sieht in dem Projekt ein Beispiel dafür, wie der Abschied vom Diesel auf der Schiene gelingen kann. Neben der Einsparung von CO2 seien auch die geringeren Geräuschemissionen nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Fahrgäste und Anwohner von Vorteil.

Bayern will bis 2040 aus dem Diesel aussteigen

Auch die Bayerische Staatsregierung setzt auf alternative Antriebe, um den Dieselbetrieb im bayerischen Schienenpersonennahverkehr langfristig zurückzudrängen. Verkehrsminister Christian Bernreiter verwies bei der Vorstellung in Mühldorf auf das Ziel, den Dieselbetrieb bis 2040 zu beenden. Dabei setzt der Freistaat auf diverse technische Lösungen: Neben der Elektrifizierung von Bahnstrecken sollen Batterie- und Wasserstoffzüge dort zum Einsatz kommen, wo eine Oberleitung wirtschaftlich nicht sinnvoll oder kurzfristig nicht realisierbar ist.

Gerade im sogenannten Chemiedreieck bietet sich der Einsatz von Wasserstoffzügen nach Ansicht des Verkehrsministeriums an. Die Strecke zwischen München, Mühldorf und Burghausen erschließt eine der wichtigsten Industrieregionen Bayerns und verfügt zugleich über zahlreiche nicht elektrifizierte Abschnitte. Bernreiter bezeichnete den Einsatz der neuen Züge deshalb als wichtigen Schritt für den Schienenverkehr in der Region. Gefertigt werden die Fahrzeuge bei Siemens Mobility in Bayern.

8,2 Millionen Euro Förderung vom Bund

Auch der Bund beteiligt sich finanziell an dem Projekt. Das Bundesministerium für Verkehr unterstützt die Beschaffung der drei Wasserstoffzüge mit 4,4 Millionen Euro. Weitere 3,8 Millionen Euro fließen in die notwendige Tankstelleninfrastruktur. Insgesamt werden damit 8,2 Millionen Euro aus Bundesmitteln bereitgestellt. Der Parlamentarische Staatssekretär Ulrich Lange bezeichnete die neuen Züge als Beispiel dafür, wie innovative Antriebstechnologien vom Forschungs- und Förderprojekt in den regulären Alltag überführt werden können. Die Förderung umfasst neben den Fahrzeugen und der Tankstelle auch einen Elektrolyseur.

Die Mittel werden im Rahmen der „Richtlinie zur Förderung alternativer Antriebe im Schienenverkehr“ vergeben. Teile der Finanzierung stammen aus dem Deutschen Aufbau- und Resilienzplan (DARP) und den europäischen Aufbau- und Resilienzfazilitäten im Programm NextGenerationEU. Koordiniert wird die Förderrichtlinie von der NOW GmbH, die Umsetzung erfolgt über den Projektträger Jülich.

Bis Dezember laufen Tests und Schulungen

Bis zum regulären Start im Dezember steht für die Südostbayernbahn zunächst der Testbetrieb im Mittelpunkt. Die drei Fahrzeuge werden derzeit erprobt und das Personal wird für den Betrieb und die neue Antriebstechnik geschult.

Siemens Mobility sieht in der Aufnahme des Testbetriebs einen wichtigen Meilenstein. Wasserstoff- und Batteriezüge könnten insbesondere auf Strecken eine Alternative darstellen, auf denen eine Elektrifizierung nicht wirtschaftlich oder kurzfristig umsetzbar sei, erklärte Markus Frank, kaufmännischer Leiter Regionalverkehr bei Siemens Mobility.

Für die Fahrgäste auf der Strecke Mühldorf–Burghausen soll der Wechsel im Dezember vor allem im Alltag sichtbar werden. Die neuen Fahrzeuge sind barrierefrei und modern ausgestattet. Zugleich soll mit dem Einsatz der drei Mireo Plus H ein Stück Verkehrswende auf einer bislang vom Diesel geprägten Strecke Realität werden.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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