Studie „Mobilität in Deutschland“: Bayern setzt weiter auf den Mobilitätsmix
von Constanze von Hassel

Wie oft, womit und wie weit die Menschen in Bayern unterwegs sind, zeigt die Sonderauswertung der bundesweiten Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD). Die größte Mobilitätserhebung nach der Corona-Pandemie liefert mit Daten von mehr als 39.000 Haushalten und über 78.000 befragten Personen im Freistaat ein detailliertes Bild des Mobilitätsverhaltens – bis auf Ebene einzelner Landkreise und kreisfreier Städte. Für Kommunen bietet die Untersuchung damit eine wichtige Grundlage für die Verkehrsplanung.
„Der bayerische Mobilitätsmix bewährt sich. Wir spielen keine Verkehrsträger gegeneinander aus“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter bei der Vorstellung der Ergebnisse in München. Nur ein ausgewogener Mix, bei dem jedes Verkehrsmittel seine Stärken einbringen könne, schaffe ein gutes Angebot für alle Bürgerinnen und Bürger.
Auto unverzichtbar auf dem Land
Die Studie bestätigt zunächst bekannte Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während in den Metropolräumen Rad- und öffentlicher Verkehr eine größere Rolle spielen, bleibt das Auto insbesondere in ländlichen Räumen das dominierende Verkehrsmittel. 85 Prozent aller bayerischen Haushalte besitzen mindestens ein Auto – vier Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Erhebung im Jahr 2017.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Mobilität insgesamt zurückgegangen ist. Die Menschen legen weniger Wege zurück und bleiben häufiger an einzelnen Tagen zuhause. Ein wesentlicher Grund dafür ist die seit der Corona-Pandemie deutlich stärkere Verbreitung des Homeoffice. Trotz der geringeren individuellen Mobilität steigt der Gesamtverkehr aufgrund des Bevölkerungswachstums weiter an.
Positiv entwickelt haben sich nach den Ergebnissen der Studie der Rad- und Fußverkehr. Insbesondere in den Städten ist der Anteil der Wege, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, gegenüber 2017 gestiegen. Bernreiter sieht darin auch einen Erfolg der Investitionen von Freistaat und Kommunen in die entsprechende Infrastruktur. Seit Inkrafttreten des Bayerischen Radgesetzes im August 2023 wurden nach Angaben des Ministers bereits rund 600 Kilometer neue Radwege geschaffen. Bis 2030 sollen gemeinsam mit den Kommunen insgesamt 1.500 Kilometer neue Radwege entstehen.
Deutlich kritischer fällt dagegen die Bewertung des öffentlichen Personennahverkehrs aus. Nur noch jeder dritte Bayer zeigt sich mit dem ÖPNV zufrieden. Die Ergebnisse bestätigten, dass die Angebotsqualität wichtiger sei als der Preis, sagte Bernreiter. „Es geht eigentlich immer um die Verlässlichkeit. Die Angebotsqualität muss stimmen.“ Voraussetzung dafür seien leistungsfähige Schienen- und Nahverkehrsinfrastrukturen sowie ein verlässlicher Betrieb.
Zugleich wächst die Zufriedenheit mit dem motorisierten Individualverkehr. 77 Prozent der Menschen in Bayern sind nach der Studie mit dem Auto als Verkehrsmittel zufrieden oder sehr zufrieden. Für Bernreiter ist dies auch Ausdruck der kontinuierlichen Investitionen in die Straßeninfrastruktur. Der Freistaat stellt nach seinen Angaben jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Staats- und Bundesstraßen bereit.
Belastbare Daten für die kommunale Verkehrsplanung
Für Kommunen bietet die neue Datengrundlage zahlreiche Ansatzpunkte. Die Ergebnisse lassen sich teilweise auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte herunterbrechen und fließen unmittelbar in das Landesverkehrsmodell Bayern ein. Dadurch erhalten Städte und Gemeinden belastbare Daten für Verkehrsgutachten, Infrastrukturentscheidungen und die Weiterentwicklung ihrer Mobilitätskonzepte.
Robert Follmer, Bereichsleiter Mobilitäts- und Regionalforschung beim beauftragten Institut infas, betonte die Bedeutung der bayerischen Sonderauswertung. Bayern habe durch zusätzliche Investitionen eine besonders hohe Stichprobendichte erreicht. „Sie haben wirklich eine sehr, sehr mächtige Datenanlage“, sagte Follmer. Die Ergebnisse zeigten, dass sich Mobilität nur langfristig verändere. Beim Radverkehr sei dies „ein mehrfacher Marathonlauf in der Verkehrsgestaltung“.
Die Studie macht deutlich: Weder das Auto noch Bus und Bahn oder das Fahrrad allein werden die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in Bayern künftig erfüllen. Vielmehr bleibt die Herausforderung für Freistaat und Kommunen, die verschiedenen Verkehrsträger bedarfsgerecht miteinander zu verknüpfen und insbesondere die Infrastruktur so auszubauen, dass die Menschen in Stadt und Land verlässliche Mobilitätsangebote vorfinden.