Mit Megawatt-Leistung in die Zukunft des Güterverkehrs
von Michael von Hassel

Neuer Ladepark an der A9 zeigt, wie die Infrastruktur für elektrische Lkw entstehen kann - An der Autobahnausfahrt Langenbruck an der A9 ist Ende April ein neues Kapitel für den elektrischen Schwerlastverkehr aufgeschlagen worden. Gemeinsam haben Energie Südbayern (ESB), die Speditionen Dettendorfer und Amenda sowie der Ladeinfrastrukturhersteller Alpitronic dort einen leistungsstarken Ladepark für E-Lkw eröffnet. Das Projekt ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Energiewirtschaft, Logistik und Technologieanbieter gemeinsam die Voraussetzungen für klimafreundlichen Güterverkehr schaffen.
Besonders ist vor allem die Technik: In Langenbruck kommt erstmals in Südbayern ein öffentlich zugängliches Megawatt Charging System (MCS) zum Einsatz. Damit können elektrische Lastwagen künftig mit Ladeleistungen von bis zu einem Megawatt versorgt werden. Ergänzend stehen CCS-Schnellladesäulen mit bis zu 600 Kilowatt Leistung zur Verfügung. Selbst große Lkw-Batterien sollen so in deutlich kürzerer Zeit geladen werden können.
Mehr als nur Ladepark
Für Marcus Böske von Energie Südbayern ist der Standort deshalb mehr als nur ein weiterer Ladepark. Entlang der A9 zwischen München und Nürnberg entstehe ein strategisch wichtiger Baustein für den Hochlauf der Elektromobilität im Schwerlastverkehr. Entscheidend sei dabei die enge Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern und Logistikunternehmen. Ladeinfrastruktur lasse sich nicht allein aus Sicht des Stromnetzes planen. Ebenso wichtig seien Rangierflächen, Fahrtrouten, Ladezeiten und betriebliche Abläufe.
Ziel: Wirtschaftlich tragfähiger Gütertransport
Auch Georg Dettendorfer, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition, betonte den Praxisbezug des Projekts. Sein Unternehmen setzt bereits elektrische Zugmaschinen ein. Ziel sei jedoch kein Pilotversuch, sondern wirtschaftlich tragfähiger Gütertransport. Dafür brauche es verlässliche Ladepunkte, kalkulierbare Strompreise und Kunden, die emissionsarme Transporte aktiv nachfragten. Gerade auf festen Relationen und im Nachtverkehr, etwa auf dem Brennerkorridor, könnten E-Lkw künftig Vorteile bieten.
Ausschließlich Ökostrom
Der neue Ladepark ist auf Wachstum ausgelegt. Aktuell können bis zu fünf Fahrzeuge gleichzeitig laden, perspektivisch soll die Anlage auf eine zweistellige Zahl von Ladeplätzen erweitert werden. Eine dynamische Leistungsverteilung sorgt dafür, dass die verfügbare Energie effizient zwischen den Fahrzeugen aufgeteilt wird. Geladen wird ausschließlich mit Ökostrom. Neben Lastwagen richtet sich die Infrastruktur ausdrücklich auch an elektrische Busse.
Sebastian Amenda verwies darauf, dass Elektromobilität im Güterverkehr nur funktionieren werde, wenn Ladeinfrastruktur frühzeitig in Disposition, Tourenplanung und Pausenregelungen integriert werde. Nötig seien verlässliche Standorte entlang der Hauptachsen, damit Transporte nicht an fehlenden oder überlasteten Ladepunkten scheiterten.
Unterstützung kam auch aus der Politik. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Christian Moser würdigte insbesondere das Engagement familiengeführter Unternehmen. Klimaschutzziele im Verkehr ließen sich nicht allein durch Vorgaben erreichen, sondern durch Investitionen und funktionierende Infrastruktur. Der Standort Langenbruck sei deshalb ein wichtiger Baustein für den Markthochlauf elektrischer Nutzfahrzeuge.
Technologisch setzt der Ladepark auf Systeme des Südtiroler Herstellers Alpitronic. Dessen Vertreter Wolfgang Ademmer verwies darauf, dass die Batterien von Lkw deutlich größere Energiemengen aufnehmen müssten als Pkw. Entsprechend seien Ladeleistungen im Megawattbereich notwendig, um wirtschaftliche Standzeiten zu ermöglichen.
Die Verkehrswende im Schwerlastbereich wird nicht allein durch neue Fahrzeuge entschieden. Entscheidend sind Kooperationen zwischen Kommunen, Netzbetreibern, Energieversorgern, Logistikunternehmen und Technologieanbietern. Der Ladepark in Langenbruck zeigt, wie solche Partnerschaften konkret aussehen können und welche Infrastruktur entlang der großen Verkehrsachsen künftig benötigt wird.