Gewinner des Wettbewerbs „Land.Dorf.Zukunft“: Vitale ländliche Räume stärken
von Doris Kirchner

Die diesjährigen Gewinner des Wettbewerbs „Land.Dorf.Zukunft“ stehen fest. Die für die Ländliche Entwicklung zuständige Staatsministerin Michaela Kaniber wird am 22. Oktober in der Münchner Residenz für herausragende Projekte der Ländlichen Entwicklung elf Staatspreise verleihen. Jeder Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.
In der Kategorie „Umfassende Leistungen für Dörfer und Gemeinden“ geht der Staatspreis 2026 an die Flurneuordnungen der Buttenwieser Gruppe (Landkreise Dillingen und Donau-Ries), die Dorferneuerung Weidenbach (Lkr. Ansbach), die Dorferneuerung Lorenzreuth (Lkr. Wunsiedel im Fichtelgebirge) sowie die Dorferneuerung Etzelwang (Lkr. Amberg-Sulzbach).
Flurneuordnungen der Buttenwieser Gruppe
Das Donauried bei Buttenwiesen ist eine wertvolle Kulturlandschaft, die es zu schützen gilt. Auf 4000 Hektar galt es, Moorbodenschutz, Landwirtschaft und Naturschutz in Einklang zu bringen – eine Herausforderung für alle Beteiligten. Dank der Flurneuordnung sichern heute hofnahe Äcker die landwirtschaftlichen Erträge, Flüsse und Bäche vernetzen die Landschaft und schaffen wertvolle Biotopverbunde. Feuchtweiden und blühende Wiesen schützen den Moorboden und stärken Klima und Artenvielfalt nachhaltig.
Dorferneuerung Weidenbach
In Weidenbach packen die Bürgerinnen und Bürger aktiv an: 7.500 Stunden Eigenleistung ermöglichten drei Dorfgemeinschaftshäuser als soziale Treffpunkte, ein leerstehendes Anwesen dient zukünftig als barrierefreies Ärztehaus und sichert die medizinische Versorgung. Flächenentsiegelung sowie umgestaltete und begrünte Straßenräume verbessern das Ortsbild, erhalten den historischen Charakter und lassen Regenwasser versickern. Der renaturierte Wannenbach als neue grüne Lunge und zahlreiche private Sanierungen werten die gesamte Marktgemeinde auf und stärken gleichwertige Lebensbedingungen in allen Ortsteilen.
Die Dorferneuerung Lorenzreuth und die Förderoffensive Nordostbayern erweckten Lorenzreuth in nur fünf Jahren zu neuem Leben. Trotz großer Höhenunterschiede im Ort gelang die attraktive Gestaltung der Ortsmitte. Dabei rückte die Röslau in den Mittelpunkt: Das Gewässer wurde entschlammt und aufgeweitet, neue Holzstege und die offene Ufermauer schaffen Aufenthaltsqualität und machen den Fluss erlebbar. Das ehemalige Wirtshaus wurde zum Dorfladen „LODL“ mit regionalen Produkten und eine Unverpackt-Theke. So wird nicht nur die Nahversorgung vor Ort ermöglicht, sondern im Obergeschoss auch Wohnraum geschaffen.
Dorferneuerung Etzelwang
Etzelwang setzt auf Innenentwicklung statt Wachstum am Ortsrand. Mit viel Eigenleistung entstand ein neues Ortszentrum mit naturnahem Wasserspielplatz. Aufenthalts- und Erlebnisbereiche sowie aufgewertete Grünflächen bringen Jung und Alt zusammen. Der denkmalgeschützte Gemeindestadel (1825) wurde zum modernen Begegnungszentrum und leerstehende Räume umgenutzt. Der neue barrierefreie Festplatz mit Stadel schafft Raum für Begegnung und verbindet Tradition mit Moderne – ein starkes Beispiel für nachhaltige Dorfentwicklung und lebendige Gemeinschaft. Mit dem Projekt „Umnutzung des Schulhauses zum Mehrgenerationenwohnen“ soll die Zukunft Etzelwangs mit Bürgerbeteiligung und Bürgerfinanzierung aktiv gestaltet werden.
Gewinner in der Kategorie
„Herausragende Einzelleistungen im Bereich ‚Lösung von Landnutzungsansprüchen‘ mit Hilfe von Bodenordnung“ sind die Flurneuordnung Stockstadt am Main (Lkr. Aschaffenburg), die Dorferneuerung Birnbaum im Markt Steinwiesen (Lkr. Kronach), die Flurneuordnung der Landauer Grieswiesen (Lkr. Dingolfing-Landau) und die Realisierung der KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart (Lkr. Mühldorf am Inn).
Flurneuordnung Stockstadt am Main
Nordwestlich von Stockstadt am Main wird der 2,7 Kilometer lange Unterlauf der Gersprenz ökologisch neu belebt. Jahrelang scheiterte das Vorhaben an fehlenden Flächen, bis eine zügige Bodenordnung (zwei Jahre) die Situation löste. Ein vier Meter breiter Gewässerrandstreifen schützt das Wasser nun vor Nährstoffeinträgen und Erosion. So schuf die Ländliche Entwicklung nicht nur die Basis für Investitionen in Natur und Lebensqualität, sondern zugleich ein übertragbares Vorzeigeprojekt für künftige Gewässerumbauten.
Im Ortsteil Birnbaum verbessert die Dorferneuerung dank Bodenordnung den Alltag der Bürgerinnen und Bürger: Ringwege erschließen die Höfe nun rückwärtig und beruhigen den Verkehr im Ort spürbar – zugleich bleibt die typische Kulturlandschaft mit ihren historischen Flurstrukturen erhalten. Durch Bodenmanagement wurden Hangflächen ins Eigentum des Marktes überführt und Ausgleichsflächen bereitgestellt. Maßnahmen wie Entbuschung, extensive Beweidung und naturnahe Wasserbecken fördern Biodiversität, schützen vor Starkregen und steigern die Lebensqualität.
Flurneuordnung der Landauer Grieswiesen
Die Flurneuordnung an der Isar verfolgte das Ziel, landwirtschaftliche Flächen aus dem Überschwemmungsgebiet zu verlagern. So wurden Hochwasserschutz und Wasserrückhalt nachhaltig verbessert. Gleichzeitig profitieren Betriebe von besseren Bewirtschaftungsbedingungen und effizienten Grundstückszuschnitten. Die nun hangparallele Nutzung mildert Bodenerosion bei Starkregen. Erst das Verfahren ermöglichte die Renaturierung: Aus der stark verbauten Isar entstand ein naturnaher Fluss mit neuem Seitenarm. Außergewöhnlich war die intensive Beteiligung der Landauer Bürger.
Realisierung der KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart
Im Mühldorfer Hart entsteht 80 Jahre nach Kriegsende ein zentraler Erinnerungsort. Der freiwillige Landtausch ordnete 146 Hektar neu und überführte die zersplitterten Privatflächen einvernehmlich an die Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Damit kann der „Bunkerbogen“ als Teil der KZ-Gedenkstätte nun final realisiert werden. Das Verfahren löst den Konflikt zwischen Privateigentum und öffentlichem Erinnerungsinteresse und schafft langfristige Rechtssicherheit für Gedenken, Bildungsarbeit und Besucherlenkung.
In der Kategorie „Herausragende Einzelleistungen im Bereich Soziale Dorf- und Gemeindeentwicklung“ werden dieses Jahr die Dorferneuerung Dombühl (Lkr. Ansbach), das Gemeindeentwicklungskonzept des Marktes Waal (Lkr. Ostallgäu) und die Dorferneuerung in Baierbach (Lkr. Landshut) ausgezeichnet.
Der Bahnhof in Dombühl war lange ein verfallener Ort mit bröckelndem Putz und vernagelten Fenstern. Mit dem Kauf durch die Marktgemeinde gelang die Wende: vom sozialen Brennpunkt zum sozialen Treffpunkt. Heute beleben Dorfladen und Café das Erdgeschoss und versorgen Reisende und Pendler, im Obergeschoss befinden sich eine barrierefreie Arztpraxis und Büroräume. Der Umbau und die Umnutzung des Bahnhofgebäudes war die Initialzündung für die Umnutzung weiterer Gebäude für neuen, bedarfsgerechten Wohnraum in unmittelbarer Nähe.
Das Gemeindeentwicklungskonzept in der Gemeinde Waal gab den Startschuss für die soziale Dorfentwicklung. Ziel war es, Mobilität, soziale Teilhabe, Kultur und generationenübergreifendes Miteinander – getragen vom starken Ehrenamt – zu stärken. Seit 2023 unterstützt die örtliche Quartiersmanagerin, die bestehende Strukturen und Angebote stärkt, lokales Engagement mit zivilgesellschaftlichen Partnern und der Kommune vernetzt. So wurden zahlreiche Angebote, wie der Seniorenbus oder ein Erzählcafè initiiert.
Dorferneuerung in Baierbach
Mit der Revitalisierung des denkmalgeschützten Wiesmerhofs entstand im Ortskern ein lebendiges Begegnungszentrum für alle Generationen. Senioren finden Geborgenheit in der Tagespflege, Jugendliche einen eigenen Raum, Familien erleben Gemeinschaft in multifunktionalen Räumen – alle profitieren vom regen Austausch. Der Bewegungspark für Erwachsene und ein Spielplatz beleben das Dorfzentrum zusätzlich. Die Nutzung bestehender Strukturen, geteilte Flächen und energieeffizientes Bauen setzen ein starkes Zeichen für Ressourcenschutz und Bauqualität – auch für kleine Landgemeinden.
Der alle zwei Jahre stattfindende Wettbewerb stellt Nachhaltigkeit, integrierte Entwicklung und aktive Bürgerbeteiligung in den Mittelpunkt. In diesem Jahr lag ein besonderes Augenmerk auf den Themen „Bodenordnung“ und „soziale Dorferneuerung“. Ziel ist es, vitale ländliche Räume zu stärken und konkrete Verbesserungen für die Menschen vor Ort zu schaffen.