EXPO REAL 2026: Kommunale Infrastruktur rückt in den Mittelpunkt
von Constanze von Hassel

Die Immobilienmesse in München erweitert ihr Programm um Infrastrukturinvestitionen. Der aktuelle Trendindex zeigt wachsendes Interesse an sozialen Einrichtungen, Energieprojekten und Rechenzentren. Gleichzeitig belasten Finanzierungskosten und bürokratische Hürden die Branche.
Die Finanzierung öffentlicher Infrastruktur wird zu einem Schwerpunkt der EXPO REAL vom 5. bis 7. Oktober 2026 in München. Mit dem neuen Forum „InfrastructureNow“ will die Messe München Investoren, Projektentwickler und öffentliche Akteure zusammenbringen. Wie Exhibition Director Claudia Boymanns bei einem Pressegespräch erläuterte, sollen dabei auch Möglichkeiten zur Finanzierung kommunaler Projekte diskutiert werden.
Der aktuelle Trendindex der Messe zeigt, dass private Investoren zunehmend auf Infrastrukturprojekte blicken. 70 Prozent der befragten Investoren, Projektentwickler und Immobilienfinanzierer sind der Ansicht, dass privates und institutionelles Kapital künftig einen größeren Teil des Infrastrukturbedarfs decken muss. 46 Prozent geben an, dass Infrastrukturprojekte in den vergangenen fünf Jahren für sie an Bedeutung gewonnen haben.
Für den Trendindex wurden im August 430 Aussteller und Besucher der EXPO REAL befragt. Die Untersuchung führte das Meinungsforschungsinstitut IfaD im Auftrag der Messe München durch.
Neues Forum für Infrastrukturinvestitionen
Das Forum „InfrastructureNow“ in Halle A3 soll die Immobilienwirtschaft mit Infrastrukturinvestoren und öffentlichen Akteuren zusammenbringen. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Finanzierungsmodelle sowie die Frage, welche Infrastrukturprojekte sich für private Investitionen eignen.
Geplant sind unter anderem Diskussionen über Wind- und Solarparks, dezentrale Energielösungen und die Verbindung von Energieversorgung und Quartiersentwicklung. Eine begleitende Sonderschau stellt konkrete Infrastrukturprojekte und deren Finanzierung vor.
Als internationales Beispiel wird die Stadt London ein Programm präsentieren, mit dem sie städtische Infrastruktur für Investoren erschließen will. Dabei sollen auch die Unterschiede zwischen klassischen Immobilieninvestitionen und Infrastrukturprojekten deutlich werden. Während bei Immobilien vor allem Grundstücke und Gebäude im Vordergrund stehen, spielen bei Infrastrukturinvestitionen langfristige Betreiberverträge eine wesentliche Rolle.
Für Boymanns geht es dabei auch um den Erfahrungsaustausch zwischen Kommunen. Angesichts angespannter öffentlicher Haushalte könnten unterschiedliche Finanzierungsmodelle und internationale Beispiele Anregungen für eigene Vorhaben liefern.
Soziale Infrastruktur gewinnt an Bedeutung
Besonders interessant für Städte, Gemeinden und Landkreise ist das wachsende Interesse an sozialen Einrichtungen. Im Trendindex nennen 34 Prozent der Befragten soziale Infrastruktur als Investitionsschwerpunkt. Dazu zählen beispielsweise Einrichtungen für Bildung, Gesundheit und Verwaltung. Digitale Infrastruktur wie Rechenzentren kommt auf 36 Prozent, Energieprojekte auf 33 Prozent. Wohnimmobilien bleiben mit 67 Prozent der Nennungen der am häufigsten genannte Investitionsschwerpunkt.
Unter den 184 befragten Investoren, Projektentwicklern und Immobilienfinanzierern geben 49 Prozent an, sich stark oder sehr stark mit sozialer Infrastruktur zu beschäftigen. Bei Energieprojekten sind es 46 Prozent, bei digitaler Infrastruktur 34 Prozent.
Ob und in welcher Form privates Kapital für öffentliche Aufgaben eingesetzt werden soll, bleibt allerdings eine kommunalpolitische Entscheidung. Gerade bei Einrichtungen der Daseinsvorsorge stellen sich Fragen nach langfristigen Kosten, Betreiberverantwortung und öffentlichem Einfluss.
Kommunale Beteiligung unter Kostendruck
Die angespannte wirtschaftliche Lage macht sich auch bei der Zusammensetzung der EXPO REAL bemerkbar. Nach Angaben von Boymanns ist die Beteiligung auf kommunaler Seite zurückgegangen. Betroffen seien unter anderem Landkreise, die keine vermarktbaren Grundstücke mehr anbieten könnten oder für die eine Messebeteiligung zu teuer geworden sei. Auch regionale Gemeinschaftsstände hätten einzelne Partner verloren.
Gleichzeitig verzeichnet die Messe eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland. Zum Zeitpunkt des Pressegesprächs waren mehr Aussteller als im Vorjahr angemeldet. Die vermietete Ausstellungsfläche liegt etwa auf dem Niveau von 2025. Neue Beteiligungen kommen unter anderem aus Griechenland, Südkorea und der Golfregion.
Die wirtschaftliche Zurückhaltung spiegelt sich im Trendindex wider. 40 Prozent der Befragten beurteilen die aktuelle Lage am Immobilienmarkt zurückhaltend oder sehr zurückhaltend. Im Vorjahr waren es 22 Prozent. Der Anteil der Optimisten sank im selben Zeitraum von 44 auf 25 Prozent.
Als wesentliche Herausforderungen nennt die Branche weiterhin die Verfügbarkeit von Kapital, hohe Finanzierungskosten und langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren. 73 Prozent der Befragten sehen im Bürokratieabbau eine wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Immobilienwirtschaft, 69 Prozent in einer besseren Kapitalverfügbarkeit.
Wohnungsbau und Bauturbo auf der Agenda
Ein weiterer Schwerpunkt der EXPO REAL ist die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Der Trendindex zeigt, dass die Branche vor allem bei den Baukosten Handlungsbedarf sieht. 97 Prozent der Befragten halten deren Senkung für wichtig oder sehr wichtig. Auch bessere Finanzierungskonditionen, serielles Bauen und das Bauen im Bestand werden häufig genannt.
Deutlich zurückhaltender fällt die Einschätzung zur bisherigen Umsetzung des sogenannten Bauturbos aus. 57 Prozent der 337 befragten Teilnehmer aus Deutschland vergeben dafür die Note 4 oder schlechter.
Boymanns verwies beim Pressegespräch allerdings auf unterschiedliche Erfahrungen in der Praxis. Während einzelne Kommunen bereits mit den neuen Instrumenten arbeiten, sei die Projektentwicklerseite bislang zurückhaltender. Auf der Messe sollen deshalb Vertreter aus der kommunalen Praxis und der Immobilienwirtschaft über ihre Erfahrungen diskutieren. Auch Augsburg wird dabei vertreten sein.
Weitere Programmpunkte beschäftigen sich mit der Wohnraumförderung auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sowie der Umnutzung von Büroflächen zu Wohnraum. Am Beispiel München werden zudem die kommunale Wohnungspolitik und die geplante Weiterentwicklung der Sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) behandelt. Dazu sind Vertreter der Stadtratsfraktionen und der Verwaltung eingeladen.
Zum ersten Messetag kündigte Boymanns außerdem eine neue Kurzstudie des Pestel-Instituts an. Sie soll unter anderem den Zusammenhang zwischen Wohnungsbau, wirtschaftlicher Entwicklung und der Verfügbarkeit von Fachkräften untersuchen.
Rechenzentren und Klimaanpassung
Mit dem wachsenden Bedarf an Rechenleistung gewinnt auch die Entwicklung von Rechenzentren für die Immobilienwirtschaft an Bedeutung. 69 Prozent der Befragten erwarten laut Trendindex, dass diese Nutzungsart künftig wichtiger wird. Im Vorjahr waren es 63 Prozent.
Auf der EXPO REAL sollen sowohl Investitionsmöglichkeiten als auch Standortfragen und Genehmigungsverfahren diskutiert werden. Für Kommunen stellt sich dabei insbesondere die Frage nach der erforderlichen Stromversorgung. Der steigende Energiebedarf von Rechenzentren und die Verfügbarkeit entsprechender Netzkapazitäten werden nach Einschätzung von Boymanns zunehmend Einfluss auf Standortentscheidungen haben.
Auch die Anpassung bestehender Städte an höhere Temperaturen wird im Programm aufgegriffen. Im „Transforming Beyond Forum“ ist für Dienstag, 6. Oktober, um 16.30 Uhr eine Diskussion über Klimawandel und die Gebäudeentwicklung der Zukunft vorgesehen. Dabei geht es unter anderem um Begrünung, versiegelte Flächen und den Umgang mit städtebaulichen und denkmalpflegerischen Anforderungen.
Die EXPO REAL will damit auch den Austausch darüber ermöglichen, wie Städte auf zunehmende Hitze reagieren und welche Maßnahmen unter den jeweiligen finanziellen und baulichen Rahmenbedingungen umsetzbar sind.
Weitere Informationen und das Veranstaltungsprogramm unter www.exporeal.net.