Bundesweiter Tag des offenen Denkmals: Vorhang auf für Bayerns Geschichte
von Doris Kirchner

Vom Königsschloss bis zum Kloster, vom historischen Wohnhaus bis zum Bodendenkmal: Beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals öffneten mehr als 6.000 Denkmäler ihre Türen. Allein in Bayern konnten laut Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume mehr als 900 historische Orte besichtigt werden.
Erstmals seit zehn Jahren fand die Eröffnung der größten Kulturveranstaltung Deutschlands wieder im Freistaat statt. Zentraler Veranstaltungsort war der Maxplatz in Bamberg. Ein „Markt der Möglichkeiten“ informierte über die verschiedenen Bereiche der Denkmalpflege, ergänzt durch ein Kultur- und Mitmachprogramm.
Das Motto „NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur“ rückte historische Bauwerke in den Mittelpunkt, die mit Verkehr, Versorgung und Wirtschaft verbunden sind. In Bamberg zählten dazu die Schleuse 100 des Ludwig-Donau-Main-Kanals, das ehemalige Elektrizitätswerk und der historische Lokschuppen.
Besondere Einblicke boten Schaubaustellen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Besucher konnten Restauratoren und Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und sich über traditionelle Techniken, moderne Methoden und die Herausforderungen beim Erhalt historischer Bausubstanz informieren.
Denkmalschutz zwischen Bewahren und Beleben
Bambergs Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier bezeichnete die bundesweite Eröffnung als Auszeichnung für die Stadt. Gewürdigt werde neben dem UNESCO-Weltkulturerbe auch das Engagement vieler Menschen für den Denkmalschutz. Zugleich müsse Bamberg lebendig bleiben und dürfe nicht zu einem reinen Museum werden. Bayerns Heimatstaatssekretär Martin Schöffel betonte ebenfalls die Bedeutung des Erhalts: „Der Erhalt historischer Gebäude ist gelebte Nachhaltigkeit.“
Technik und Tradition
Auch andernorts in Bayern öffneten zahlreiche Denkmäler. In München konnten unter anderem die ehemalige Universitätsfrauenklinik in der Maistraße sowie die Alte Münze, Dienstsitz des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, besichtigt werden. Führungen und Veranstaltungen gab es zudem an den Außenstellen in Regensburg und Thierhaupten.
Technikgeschichte ließ sich im Schöngeisinger Wasserkraftwerk erleben. Die von Oskar von Miller errichtete Anlage gilt als zweitältestes deutsches Laufwasserkraftwerk. Seit 1892 nutzt sie die Kraft der Amper zur Stromerzeugung und zählt damit zu den frühen Anlagen erneuerbarer Energie in Deutschland.
Historisches Erbe öffnet Türen zur Geschichte
Weitere Stationen zeigten die Vielfalt der bayerischen Denkmallandschaft: In Bad Abbach öffnete ein 1962 errichtetes Getreidesilo, in Windischeschenbach eine sanierte Fabrikantenvilla aus dem späten 19. Jahrhundert. In Bad Windsheim stand ein restauriertes mittelalterliches Wohnhaus von 1437 im Mittelpunkt.
In Kitzingen führten Touren durch die Deusterkeller, die im 19. Jahrhundert als Lager-, Gär- und Eiskeller der Bierherstellung dienten. Bayreuth widmete sich unter dem Titel „Tunnel, Gleise, Haferflocken“ seiner Industriegeschichte. In Lindau konnten Besucher den 33 Meter hohen Neuen Leuchtturm erkunden, der gemeinsam mit dem bayerischen Löwen die Hafeneinfahrt prägt.
„Der Tag des offenen Denkmals ist für uns eine der wichtigsten Veranstaltungen im Jahr. Hier können wir Denkmalpflege erlebbar machen“, unterstrich Bayerns Generalkonservator Mathias Pfeil.