Biodiversitätspreis 2026: Gute Ideen für Hecken und Säume
von Doris Kirchner

Unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“ hat der Bayerische Naturschutzfonds den Biodiversitätspreis 2026 verliehen. Stiftungsvorsitzender Thorsten Glauber überreichte die Auszeichnungen in Bamberg an acht Preisträger. „Mit dem Biodiversitätspreis würdigen wir vorbildliches Engagement und machen gute Ideen sichtbar“, erklärte Bayerns Umweltminister.
Hauptpreis
Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Biodiversitäts-Hauptpreis für herausragendes Einzelengagement wurde die Familie Haake aus Oberfranken bedacht. Unter dem Titel „Gepflanzt, als anderswo gerodet wurde“ würdigte der Naturschutzfonds das Engagement der Familie in der Gemarkung Grössau im Landkreis Kronach. Dort ist es seit den 1980er Jahren gelungen, nicht nur viele kleinteilige Strukturen wie Hecken und Feldraine zu erhalten, sondern einen umfangreichen Biotopverbund aus Hecken und anderen Lebensräumen auszubauen. Maßgeblich dazu beigetragen haben Lothar Haake und seine Familie.
Durch eigene Pflanzungen, Kooperationen mit der Gemeinde und Naturschutzverbänden, die Gewinnung weiterer Grundbesitzer sowie intensives Engagement bei der Flurzusammenlegung trieben sie die Maßnahmen voran. Dabei wurden etwa 2,5 Kilometer bestehende Hecken und Wegsäume erhalten, ausgebaut, verbunden und verbreitert. Rund 4,9 Kilometer Hecken und Waldränder wurden neu gepflanzt. Hinzu kamen über 200 Obst- und Einzelbäume auf Streuobstwiesen und an Wegen sowie etwa 1,5 Kilometer bachbegleitende Strukturen wie Weiden, Erlen und Heckenpflanzen. Rund 40 Tümpel und zwei Teiche wurden mit vielfältigem Begleitbewuchs versehen. Zusätzlich entstanden zahlreiche Lesesteinhaufen an Hecken und Wegen.
Mit jeweils 4.500 Euro wurden zwei Projekte für kommunales Engagement ausgezeichnet. Einer der Preise ging an den Landkreis Mühldorf am Inn für das Projekt „Verbindende Landschaftselemente: Hecken als ökologische und soziale Brücken“. Seit fast vier Jahrzehnten setzt sich der Landkreis Mühldorf a. Inn für die Neuanlage von Hecken und Säumen ein, um wertvolle Heckenstrukturen zu fördern. Bis Ende 2025 wurden 165 Hecken mit einer Gesamtlänge von knapp 20 Kilometern angelegt. In den vergangenen Jahren konnten jährlich rund ein Kilometer Hecke gepflanzt werden. Jede einzelne dieser Hecken trägt zum Aufbau des Biotopverbundes bei.
Der Fachbereich Naturschutz des Landkreises Mühldorf berät interessierte Eigentümer vor Ort. Die Umsetzung erfolgt anschließend in enger Zusammenarbeit mit der Jagus-Umweltgruppe des AWO-Projektehauses Waldkraiburg. Das Heckenprojekt zeichnet sich nach Angaben des Naturschutzfonds durch seinen freiwilligen und kooperativen Ansatz sowie eine langjährige Erfolgsgeschichte aus. Es verbindet Naturschutz, soziale Integration und Umweltbildung und erreicht dadurch eine breite Akzeptanz bei Flächeneigentümern und beteiligten Akteuren.
Zweiter Preis
Der zweite Preis in dieser Kategorie ging an die Stadt Bamberg für das Projekt „Ökologische Straßenrandpflege“. Die Stadt ist geprägt von dem Biotoptyp Magerrasen auf Sand. Bereits 1999 startete das Umweltamt gemeinsam mit dem Garten- und Friedhofsamt sowie dem Staatlichen Bauamt ein Projekt zur Förderung blütenreicher Straßenränder. Diese werden inzwischen nur noch ein- bis zweimal im Jahr gemäht, das Mähgut wird entfernt. Auch der Maschinenpark des Bauhofs wurde an die naturschonende Pflege angepasst. Dadurch konnte die Artenzahl von 320 auf 485 Arten im Jahr 2025 erhöht werden. Seit Beginn des Projekts lässt die Stadt jährlich alle vorkommenden Pflanzenarten untersuchen, insbesondere auf sechs Kilometern Länge am Berliner Ring und an mehreren zuführenden Straßen. Die Zahl der Rote-Liste-Arten in diesen Biotopen hat sich seit Projektbeginn verdoppelt. Die Gesamtfläche beträgt inzwischen etwa zehn Hektar. Durch Broschüren und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit gilt das Projekt als bundesweites Modellprojekt.
Dritter Preis
Drei dritte Preise mit jeweils 2.000 Euro gingen an Projekte mit dem Schwerpunkt Umweltbildung. Ausgezeichnet wurden die BUND-Naturschutz-Kreisgruppe Kelheim für das Umweltbildungsprojekt NANU! „Hecken und Feldgehölze – viel mehr als nur Gestrüpp“, die Würmranger im Jane Goodall Institut Deutschland für „Hecke macht Schule“ sowie der Ortsverschönerungs- und Gartenbauverein Isen für den „OVV-Heckenlehrpfad am Rentnerweg in Isen“.
Das Kelheimer NANU!-Projekt ist ein gemeinsames Angebot der BUND-Naturschutz-Kreisgruppe und des Landschaftspflegeverbands Kelheim VöF. Seit mehr als 20 Jahren ermöglicht es Kindern und Jugendlichen außerschulische Naturerfahrungen. Mehr als 46.800 junge Menschen haben daran bereits teilgenommen. Neben Lebensraumführungen zu Wiese, Wasser, Wald, Hecke und Boden liegt ein Schwerpunkt auf der Bedeutung von Hecken und Feldgehölzen für Artenvielfalt, Boden, Klima und Landwirtschaft.
Die Würmranger engagieren sich seit mehr als 14 Jahren ehrenamtlich für Naturerfahrung und Naturschutz. Ihr Projekt „Hecke macht Schule“ verbindet Bildungsangebote mit konkreten Lern- und Begegnungsorten im Münchner Westen. Dazu gehören unter anderem die Renaturierung der Würm in Obermenzing, der „Zukunftswald“ in Allach und der „Bunkergarten“ auf dem Gelände der Mittelschule Allach. Schulen werden zudem in Pflanz- und Pflegeaktionen einbezogen.
Der Heckenlehrpfad des OVV Isen erhält eine historisch gewachsene Heckenstruktur entlang der ehemaligen Bahnstrecke Thann-Matzbach–Haag und entwickelt sie ökologisch weiter. Zusätzliche heimische Gehölze, Totholz- und Steinstrukturen sowie Brutkästen wurden integriert. Entlang des Pfades informieren 54 Tafeln über heimische Sträucher und Bäume, sechs weitere über Tierarten. Eine von Jugendlichen errichtete Käferburg bietet Insekten, Igeln und Kleinsäugern zusätzlichen Lebensraum.
Mit jeweils 500 Euro wurden die Grund- und Mittelschule Eging am See sowie die Grundschule Adelschlag bedacht. Die Schule in Eging erhielt den Sonderpreis für die „Wiese der Artenvielfalt“. Auf dem Projektgelände entstanden unter anderem eine artenreiche Blumenwiese, eine Hochstaudenflur, ein Amphibientümpel, eine Schmetterlings- und Bienenspirale, eine Naschhecke sowie Nistkästen. Mit einer „Klimarobusten Hecke der Vielfalt“ soll das Gelände künftig noch stärker vernetzt werden.
Die Grundschule Adelschlag wurde für das Projekt „Schule in der Natur – Natur in der Schule“ geehrt. Seit 2022 wurden mehrere Hecken- und Saumprojekte umgesetzt. 2023 entstand auf Initiative der Schülerinnen und Schüler eine Benjeshecke, zwei weitere Hecken folgten. Die Anlagen dienen auch als Unterrichtsorte. Für das kommende Frühjahr ist geplant, eine wenig wertvolle Buchsbaumpflanzung durch Beerensträucher zu ersetzen und damit einen zugänglichen Naschgarten zu schaffen.