Zu Gast bei: Gertrud Hitzler, Erste Bürgermeisterin, Markt Aindling
von Constanze von Hassel

Welche Kommune vertreten Sie und wie viele Einwohner zählt sie?
Markt Aindling – ca. 4.800 Einwohner.
Seit wann sind Sie im Amt (und sind Sie haupt- oder ehrenamtlich tätig)?
Seit 2020, im Hauptamt.
Welchen Beruf übten Sie vor Amtsantritt aus?
Lehrkraft und stv. Schulleitung an einer privaten Wirtschafts-, Berufsfach- und Realschule.
Was hat Sie persönlich motiviert in die Kommunalpolitik zu gehen?
Die Möglichkeit und der Wunsch meine Heimat aktiv mitgestalten zu können, wie z.B. die Wasserversorgung in kommunaler Hand zu behalten.
Wie haben Sie sich auf Ihr Amt vorbereitet?
Ich war vorher zweite Bürgermeisterin und hatte eine super Unterstützung durch meinen Vorgänger sowie die Verwaltung – allerdings war eine Vorbereitung auf Corona und Starkregenereignisse nicht im „Lehrplan“.
Welche Herausforderungen standen zu Beginn Ihrer Amtszeit im Vordergrund?
Eben - die Einschränkungen sowie die nötigen Entscheidungen während und rund um Corona.
Auf welches Projekt oder welche Entscheidung Ihrer Amtszeit sind Sie besonders stolz?
Mit den Blaulichtorganisationen der gesamten VG haben wir die Coronazeit gut organisiert und damit über Gemeinde- und Vereinsgrenzen hinaus eine über die Notwendigkeit hinausgehende Freundschaft gefestigt. Bei der Abarbeitung der Starkregenereignisse sind wir ebenfalls ein gutes Stück weitergekommen. Und zwei Vereine sind gerade dabei, ein ungenutztes altes Gebäude als Vereinsheim zu sanieren, in dem nun auch ein Saal für gemeindliche Nutzungen wie Seniorenarbeit u. a. entsteht.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Die schwierige finanzielle Lage mit den sehr hohen Kosten im Bereich der Kinderbetreuung schränkt die freien Mittel einer so kleinen Kommune ohne nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen erheblich ein.
Mit welchen Themen möchten oder müssen Sie sich künftig auseinandersetzen?
Wichtig wird zum einen sein, dass wir den Bereich der Nachbarschaftshilfe und das Ehrenamt weiter stärken. In der sehr ländlich geprägten Gemeinde ist es wichtig den guten Zusammenhalt in der Gemeinde auch in die nächste Generation weiterzugeben. Die andere große Herausforderung wird es sein, mit den geringer werdenden finanziellen Spielräumen die wichtigen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen.
Wie beziehen Sie Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft in Ihre Arbeit und Entscheidungsprozesse ein?
Wir haben hier sehr kurze Kommunikationswege. Bürger und die Kollegen aus der Verwaltung wissen, dass ihre Expertise gewünscht und wertgeschätzt wird. Im Marktgemeinderat haben wir eine gute Diskussionskultur und konnten die Entscheidungen auch immer mit großer Mehrheit gemeinsam entscheiden. Vielleicht dauert eine Entscheidung bei grundlegenden Themen dann etwas länger, ein Kompromiss, den alle auch gut vertreten können, ist es allemal wert.
Welchen Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Ich bin mir da noch nicht so ganz sicher! Die Kommunikation wird schneller sein, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass sie automatisch besser wird. Es gibt aber auch Chancen der besseren Teilhabe.
Welchen Rat geben Sie jungen Kolleginnen und Kollegen?
Den Menschen zuhören und nicht aufgeben, wenn mal was nicht so auf Anhieb funktioniert!