Waldumbau braucht aktive Bewirtschaftung
von Doris Kirchner

Frühjahrssitzung des Gemeinsamen Forstausschusses der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“ - Im Rahmen der Frühjahrssitzung des Gemeinsamen Forstausschusses der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“ im hessischen Bad Arolsen haben die kommunalen Waldbesitzer ihre Position zum Umgang mit den Wäldern im Klimawandel deutlich bekräftigt. Vertreter des Deutschen Städte- und Gemeindebundes sowie des Deutschen Landkreistages sprachen sich klar gegen Forderungen nach großflächigen Stilllegungen von Waldflächen aus. Ebenso kritisch bewertet wurden staatlich geförderte Programme, die den Ankauf von Waldflächen durch Nichtregierungsorganisationen mit dem Ziel der Nutzungsaufgabe unterstützen.
Hessens Forstminister Ingmar Jung betonte eingangs die besondere Rolle des Kommunalwaldes, der wirtschaftliche Nutzung, ökologische Verantwortung und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbinde. Zugleich verwies er auf bestehende Herausforderungen durch europäische Vorgaben, insbesondere durch die Wiederherstellungsverordnung und die europäische Entwaldungsverordnung. In ihrer derzeitigen Ausgestaltung seien diese Regelwerke nicht praxistauglich, führten zu zusätzlichem Verwaltungsaufwand und seien nicht ausreichend finanziell unterlegt. Aus Sicht der kommunalen Waldbesitzer bedarf es daher größerer Flexibilität, verlässlicher Finanzierungsstrukturen und stärker an den lokalen Gegebenheiten orientierter Lösungen, um die Wälder langfristig zu sichern.
Im Mittelpunkt der Fachtagung stand der Beitrag des Waldexperten Dr. Ralf Petercord, der auf die Notwendigkeit aktiver waldbaulicher Maßnahmen hinwies. Er machte deutlich, dass die Holzvorräte in deutschen Wäldern derzeit vielfach zu hoch seien und reduziert werden müssten, um Risiken zu minimieren und den notwendigen Waldumbau zu ermöglichen. Hintergrund sind zunehmende Belastungen durch den Klimawandel, insbesondere durch Trockenperioden und Extremereignisse, die vor allem ältere und strukturarme Bestände anfällig machen.
Auch aus Sicht des Ausschussvorsitzenden Moritz Petry (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz), greift die Forderung nach einer weitgehenden Nutzungsaufgabe von Waldflächen zu kurz. Er verwies darauf, dass die Kohlenstoffspeicherleistung ungenutzter Wälder begrenzt sei. Mit zunehmendem Alter erreichten Bestände einen Zustand, in dem keine zusätzliche Bindung von Kohlenstoff mehr erfolge. Gleichzeitig steige das Risiko großflächiger Schäden, die mit einer plötzlichen Freisetzung erheblicher Mengen an Kohlenstoff verbunden sein könnten. Demgegenüber wiesen junge und wachsende Wälder die höchste Fähigkeit zur Bindung von Kohlenstoff auf. Eine aktive Waldbewirtschaftung sei daher eine zentrale Voraussetzung für wirksamen Klimaschutz.
Klimabeitrag des Waldes
In diesem Zusammenhang wurde hervorgehoben, dass der Klimabeitrag des Waldes nicht allein im stehenden Holzvorrat liege, sondern maßgeblich durch den kontinuierlichen Zuwachs sowie die Nutzung des Rohstoffes Holz bestimmt werde. Insbesondere die Verwendung von Holz in langlebigen Produkten, etwa im Bauwesen, trage dazu bei, Kohlenstoff langfristig zu binden und gleichzeitig emissionsintensive Materialien zu ersetzen. Insgesamt entzieht der deutsche Wald der Atmosphäre jährlich rund einhundert Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid, was etwa 15 Prozent der gesamten Emissionen entspricht.
Vor diesem Hintergrund sehen die kommunalen Spitzenverbände in einer Einschränkung der Waldbewirtschaftung nicht nur ein Risiko für die Anpassungsfähigkeit der Wälder, sondern auch für das Erreichen der Klimaziele insgesamt. Besonders kritisch beurteilt werden Programme, die gezielt den Ankauf von Waldflächen zur dauerhaften Stilllegung fördern. Solche Maßnahmen verzerren aus Sicht der kommunalen Waldbesitzer den Markt, entziehen Flächen einer nachhaltigen Nutzung und stehen im Widerspruch zu anderen klimapolitischen Zielsetzungen.
Der kommunale Forstausschuss sprach sich für eine konsequente Unterstützung des Waldumbaus hin zu klimaresilienten und strukturreichen Mischwäldern aus. Zentrale Elemente sind eine risikoorientierte Nutzung, die rechtzeitige Verjüngung der Bestände, die Stärkung der Holzverwendung insbesondere im Bauwesen sowie die Sicherung der Bodenfunktionen und die Vermeidung großflächiger Kahlflächen.
Nutzungsverzicht kein geeignetes Instrument
Abschließend betonten die Vertreter der kommunalen Waldbesitzer, dass ein pauschaler Nutzungsverzicht kein geeignetes Instrument für einen wirksamen Klimaschutz darstellt. Erforderlich sei vielmehr ein ausgewogenes und wissenschaftlich fundiertes Waldmanagement, das Nutzung, Anpassung und Schutz in Einklang bringt. Die Kommunen appellieren daher an die Politik, bestehende Fehlanreize zu überprüfen und die aktive Waldbewirtschaftung als zentralen Bestandteil einer nachhaltigen Klimastrategie anzuerkennen.