100 Jahre Klärwerk Großlappen, 60 Jahre IFAT Unsichtbare Infrastruktur mit sichtbarer Wirkung

GZ Ausgabe GZ-9-2026 vom 30. April 2026 | Umwelt & Lebensraum
von Michael von Hassel
Drei Personen
V.l.: Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer, Erster Werkleiter der Münchner Stadtentwässerung, Bernd Fuchs, und Messechef Stefan Rummel. Bild: MH

In München trafen zwei Jubiläen zusammen, die eng miteinander verbunden sind. Das Klärwerk Großlappen, seit 1926 in Betrieb, steht für moderne Abwasserreinigung, Gewässerschutz und Lebensqualität in einer wachsenden Großstadt. Zugleich verweist die IFAT als Weltleitmesse für Umwelttechnologien auf die internationale Bedeutung von Wasser-, Abwasser-, Recycling- und Ressourcenthemen.

Baureferentin Dr. Jeanne-Marie Ehbauer betonte die zentrale Rolle der Münchner Stadtentwässerung für Umwelt, Gesundheit und Stadtgesellschaft. Sauberes Wasser sei eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität, wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Zusammenhalt. Besonders sichtbar werde dies an der Isar: Dass ein Fluss mitten durch eine Millionenstadt Badegewässerqualität aufweise, sei keine Selbstverständlichkeit, sondern Ergebnis konsequenter Investitionen in Abwassersammlung und -reinigung.

Bernd Fuchs, Erster Werkleiter der Münchner Stadtentwässerung, unterstrich, dass moderne Abwasserreinigung hochkomplexe Technik und dauerhafte Leistungsfähigkeit erfordere. Die Anlagen arbeiteten rund um die Uhr und seien zugleich ein Schlüssel für nachhaltigen Gewässerschutz, Ressourceneffizienz und zukunftsfähige Infrastruktur. Ein besonderer Fokus liege auf der Energieversorgung: Die Münchner Stadtentwässerung verstromt das in der Schlammfaulung gewonnene Klärgas und erreicht nach eigenen Angaben bereits eine Energieautarkie von über 85 Prozent.

Zugleich steigen die Anforderungen deutlich. Fuchs verwies auf die novellierte Kommunalabwasserrichtlinie mit verschärften Grenzwerten für Stickstoff und Phosphor sowie auf die Spurenstoffelimination. Deshalb plant und baut die Münchner Stadtentwässerung eine vierte Reinigungsstufe im Klärwerk II – perspektivisch wohl auch im Klärwerk I Großlappen.

Messechef Stefan Rummel würdigte die Faultürme von Großlappen als sichtbares Symbol eines ansonsten weitgehend unsichtbaren „Immunsystems“ der Stadt. Umwelttechnologien arbeiteten oft im Verborgenen, seien aber Grundlage moderner Lebensqualität. Die IFAT habe sich seit 1966 von 146 Ausstellern zu einer Weltleitmesse mit nahezu 3.400 Ausstellern entwickelt. Themen wie klimaresiliente Kommunen, Wasser als Ressource, Recycling und Circular Economy seien ohne technologische Innovation nicht zu bewältigen.

Geburtstagsständchen im Faulturm. Bild: MH
Geburtstagsständchen im Faulturm. Bild: MH

Zum Jubiläum präsentierte die Münchner Stadtentwässerung zudem eine Ausstellung zur Geschichte des Klärwerks. Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein symbolträchtiges Projekt: Aus hochgereinigtem Abwasser wurde gemeinsam mit Fachleuten der TU München und der Forschungsbrauerei Weihenstephan ein alkoholfreies Jubiläumsbier gebraut, als anschauliches Beispiel dafür, welches Potenzial in moderner Wasseraufbereitung steckt.

Die Veranstaltung machte deutlich: Kommunale Daseinsvorsorge ist weit mehr als Betrieb und Unterhaltung technischer Anlagen. Sie ist Voraussetzung für Gesundheit, Umweltqualität, Standortattraktivität und Klimaanpassung. Großlappen zeigt, dass Investitionen in Abwasserinfrastruktur langfristig wirken – oft unbemerkt, aber täglich spürbar.

Unsichtbare Infrastruktur mit sichtbarer Wirkung: 100 Jahre Klärwerk Großlappen, 60 Jahre IFAT
Unsichtbare Infrastruktur mit sichtbarer Wirkung: 100 Jahre Klärwerk Großlappen, 60 Jahre IFAT
Unsichtbare Infrastruktur mit sichtbarer Wirkung: 100 Jahre Klärwerk Großlappen, 60 Jahre IFAT
Unsichtbare Infrastruktur mit sichtbarer Wirkung: 100 Jahre Klärwerk Großlappen, 60 Jahre IFAT
Unsichtbare Infrastruktur mit sichtbarer Wirkung: 100 Jahre Klärwerk Großlappen, 60 Jahre IFAT
Michael von Hassel

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