Neue Publikation: Seltene Waldformen im Visier
von Doris Kirchner

Mittel- und Niederwälder gehörten über Jahrhunderte hinweg zu den prägenden Nutzungsformen der Wälder in Deutschland. Während im späten 17. und 18. Jahrhundert noch rund zwei Drittel der Waldflächen auf diese Weise bewirtschaftet wurden, machen sie heute nur noch etwa 0,1 Prozent der Gesamtwaldfläche aus. Eine neu erschienene Broschüre mit dem Titel „Mittel- und Niederwälder in Bayern“, herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft sowie dem Biodiversitätszentrum Rhön, widmet sich diesen selten gewordenen Waldformen und stellt deren ökologische sowie soziokulturelle Bedeutung in den Mittelpunkt. Vorgestellt wurde sie im Güterwald Willanzheim von Vertretern der beteiligten Fachbehörden sowie der Regierung von Unterfranken.
Regierungsvizepräsident Jochen Lange verwies auf die besondere Verantwortung Bayerns für den Erhalt dieser Waldformen. Knapp die Hälfte der deutschen Mittel- und Niederwälder befinde sich in Franken. Vor diesem Hintergrund werde die Fortführung dieser arbeitsintensiven Bewirtschaftung durch verschiedene Initiativen unterstützt. Dazu zählt unter anderem das Projekt „Lichte Wälder in Franken“, in dessen Rahmen auch die vorliegende Broschüre entstanden ist.
Artenreichste Lebensräume im Freistaat
Laut Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, soll die Veröffentlichung dazu beitragen, diese besondere Form der Waldbewirtschaftung stärker ins Bewusstsein zu rücken und deren Bedeutung einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Ergänzend fördern die bayerischen Forst- und Umweltverwaltungen die Bewirtschaftung von Mittel- und Niederwäldern unter anderem über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald.
Dr. Monika Kratzer, Präsidentin des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, hob die besondere Bedeutung dieser Wälder für die biologische Vielfalt hervor. Mittel- und Niederwälder gehörten zu den artenreichsten Lebensräumen im Freistaat. Allein in den Mittelwäldern Frankens wurden zahlreiche Arten festgestellt, darunter rund 80 Tagfalterarten sowie etwa 550 holzbewohnende Käferarten. Die strukturreichen Lebensräume böten damit wichtige Voraussetzungen für den Erhalt der Biodiversität.