17. Bayerisches EnergieForum in Gunzenhausen: Energieplanung zukunftsfest ausrichten
von Doris Kirchner

Mit einem ebenso umfangreichen wie vielfältigen Programm, das politische Orientierung mit praxisnahen Impulsen verband, wartete das 17. Bayerische EnergieForum, eine gemeinsame Veranstaltung von Bayerischer GemeindeZeitung und Bayerischem Gemeindetag, in der Stadthalle Gunzenhausen auf. „Das Forum mit 36 Vorträgen und einer starken Ausstellerpräsenz ist nicht nur Informationsplattform, sondern ein Arbeitsraum für konkrete Umsetzung“, unterstrich GZ-Chefredakteurin Constanze von Hassel vor 360 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Ein zentraler Bestandteil des EnergieForums, das medial einmal mehr von TV Bayern live begleitet wurde, war erneut das Kommunalforum des Bayerischen Gemeindetags, dass sich gezielt an Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Verwaltungsleiter und kommunale Fachexperten richtet. Die Beiträge gaben einen konzentrierten Überblick über politische Rahmenbedingungen, aktuelle Entwicklungen und die praktische Umsetzung der Wärmewende.
Ausgezeichnete neue Energiewirte
Einen Höhepunkt stellte die Auszeichnung der neuen Energiewirte der Bayerischen Verwaltungsschule (BVS) dar. Als sichtbares Zeichen für den wachsenden Stellenwert kommunaler Expertise in der Energiewende überreichte Monika Rauh, Ministerialdirigentin im Bayerischen Wirtschaftsministerium, die Zertifikate.
Nach den Worten von Gunzenhausens Zweitem Bürgermeister Friedrich Kolb verfolgt die mittelfränkische Kleinstadt eine Vielzahl an Projekten im Bereich Energie, Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Ein zentrales Vorhaben sei aktuell die umfassende Sanierung des örtlichen Bahnhofs, der mit einem Investitionsvolumen von etwa 10 Millionen Euro zu einem modernen Mobilitätszentrum ausgebaut wird. Dieses soll verschiedene Verkehrsangebote wie öffentlichen Nahverkehr, Carsharing und Radverkehr bündeln.
Neue Technologie
Darüber hinaus wird ein neues Baugebiet mit rund 80 Bauplätzen erschlossen, in dem erstmals ein sogenanntes kaltes Nahwärmenetz eingesetzt wird. Da diese Technologie für die Kommune neu ist, bestehen noch keine praktischen Erfahrungen, und der Erfolg wird mit gewisser Unsicherheit erwartet. Ergänzend dazu wurde das Rathaus bereits energetisch saniert, um den Energieverbrauch zu senken.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt liegt auf der Krisenvorsorge, insbesondere im Hinblick auf mögliche Stromausfälle. Die Kommune arbeitet laut Kolb daran, die Funktionsfähigkeit zentraler Einrichtungen auch in solchen Situationen sicherzustellen, darunter ein kommunales Krankenhaus, das für die Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar ist.
Wie Direktor Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag darlegte, stelle die Energiewende Kommunen weiterhin vor große Herausforderungen, gleichzeitig seien in wichtigen Bereichen Fortschritte erkennbar. Als zentralen Erfolg nannte Graf die seit 2026 verpflichtende finanzielle Beteiligung von Standortgemeinden an neuen Wind- und Photovoltaikanlagen. Kommunen erhielten nun einen festen Anteil an den Einnahmen, was ihre bisherige schwache Verhandlungsposition beenden und die Akzeptanz für erneuerbare Projekte vor Ort stärken soll.
Probleme bestünden jedoch weiterhin bei den Stromverteilnetzen. Deutschland weist im europäischen Vergleich sehr hohe Netzentgelte und Renditen für Betreiber auf, während die große Zahl an Netzbetreibern ineffiziente Strukturen begünstigt. Kommunen seien daher gefordert, ihre Kontrollrechte stärker zu nutzen und die Kostenentwicklung genauer zu beobachten.
Auch im Bereich der Gasversorgung zeichnen sich Konflikte ab: Geplante gesetzliche Regelungen könnten Kommunen verpflichten, stillgelegte Gasleitungen zu dulden. Dies könnte bestehende Verträge überlagern und langfristig zu Nutzungskonflikten im öffentlichen Raum führen, insbesondere angesichts der unsicheren Zukunft vieler Gasnetze.
Positiv ist Graf zufolge die bevorstehende Einführung eines einheitlichen Mustervertrags für Wärmenetze. Dieser soll klare und langfristige Rahmenbedingungen schaffen, etwa durch standardisierte Vertragslaufzeiten, transparente Entgeltregelungen und klare Zuständigkeiten. Für Kommunen bedeute das mehr Rechtssicherheit und eine einfachere Umsetzung von Wärmenetzprojekten.
Die kommunale Wärmeplanung bleibe ein zentrales Instrument für die Dekarbonisierung, unterstrich der Verbandsdirektor. Allerdings sei eine Reform des Gebäudeenergierechts geplant, die von festen Vorgaben auf eine schrittweise Erhöhung erneuerbarer Energien umstellt und den Planungsaufwand für kleinere Kommunen reduzieren soll. Viele praktische und wirtschaftliche Fragen seien hierbei allerdings noch ungeklärt.
Dokumentation und Links
In der GZ-Ausgabe 13/2026, die am 2. Juli erscheint, veröffentlichen wir die Dokumentation der Veranstaltung. Freigegebene Vorträge finden Sie unter www.bayerisches-energieforum.de/. Das Passwort hierfür erhalten Sie per Mail an veranstaltungen@gemeindezeitung.de.