Umfrage zum Bayerischen Krankenhaustrend 2026: Warnung vor kritischer Finanzierungslage

GZ Ausgabe GZ-9-2026 vom 30. April 2026 | Gesundheit & Daseinsvorsorge
von Doris Kirchner
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Nach wie vor sehen sich die bayerischen Krankenhäuser mit erheblichen finanziellen und strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Wie aus dem „Bayerischen Krankenhaustrend 2026“, der auf einer aktuellen Umfrage unter Klinikverantwortlichen basiert, hervorgeht, fordern sie ein Ende der aus ihrer Sicht widersprüchlichen Finanzierungspolitik.

Leistungsfähige Kliniken gelten als zentrale Voraussetzung für eine schnelle und qualitativ hochwertige Versorgung im Krankheits- und Notfall. Wie die Bayerische Krankenhausgesellschaft bei der Vorstellung der Umfrage im Münchner Presseclub erläuterte, werde es jedoch immer schwieriger, diesen Anspruch zu erfüllen. Gründe seien eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung, steigende bürokratische Anforderungen sowie zunehmend komplexe gesetzliche Vorgaben.

Bayerns Krankenhäuser schreiben Verluste

Zwar habe ein von der Bundesregierung eingeführter, befristeter Rechnungszuschlag nach den hohen Defiziten der vergangenen Jahre zuletzt für eine leichte Entlastung gesorgt. Dennoch schreiben laut Umfrage weiterhin zwei Drittel der bayerischen Krankenhäuser Verluste. Auch der Ausblick auf das kommende Jahr wird als kritisch bewertet. Besondere Sorge bereitet der BKG die fehlende Planungssicherheit, da auf kurzfristige Hilfsmaßnahmen neue dauerhafte Belastungen folgen könnten. Im Raum stehen unter anderem pauschale Erlöskürzungen von mehr als einer Milliarde Euro.

Kritik an der Finanzierungspolitik

Laut der BKG-Vorsitzenden Tamara Bischof zeigten die Ergebnisse der Umfrage deutlich, dass die Kliniken die Krankenhausreform umsetzen, gleichzeitig aber verlässliche Rahmenbedingungen benötigten, um die dauerhafte Defizitsituation zu überwinden. Die derzeitige Finanzierungspolitik werde als unstetig und belastend wahrgenommen.

Auch BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen zufolge wird nicht erwartet, dass die Krankenhausreform kurzfristig zu mehr wirtschaftlicher Stabilität führt. Vielmehr rechneten die Einrichtungen mit zusätzlichen Kosten durch neue Vorgaben, die Behandlungen weiter verteuern könnten.

Vermeidung nicht notwendiger Behandlungen

Vorsitzende Bischof wies darauf hin, dass Krankenhäuser keine hohen Gewinne erwirtschafteten und Einsparungen im stationären Bereich nur dann sinnvoll seien, wenn sie nicht zu einer weiteren Verschärfung der finanziellen Lage führten. Die Vermeidung nicht notwendiger Behandlungen wird dabei als wichtiger Beitrag zur Entlastung des Systems gesehen.

Für die Umsetzung geplanter Reformmaßnahmen fordert die BKG einen abgestimmten Ansatz aller Beteiligten. Neben strukturellen Veränderungen werden auch Maßnahmen wie gezielte Konsumsteuern diskutiert. Ohne wirksame Prävention und eine bessere Steuerung von Patientenströmen könnten vermeidbare Behandlungen und Kosten nicht ausreichend reduziert werden.

Weitergehende Maßnahmen

In Bezug auf die Krankenhausreform in Bayern zeigen die Klinikverantwortlichen grundsätzlich Verständnis für den Kurs des Gesundheitsministeriums, bestimmte planbare Eingriffe stärker zu bündeln. Dazu zählen unter anderem Operationen an Hüfte oder Knie, Wirbelsäuleneingriffe sowie Adipositas-Operationen. Die BKG unterstützt eine solche Konzentration bei mengenabhängigen Leistungen sowie Vorschläge für verpflichtende Zweitmeinungen. Nach Einschätzung von Roland Engehausen könnten entsprechende Maßnahmen jedoch noch weiter gehen.

Gleichzeitig wurde in der Umfrage darauf hingewiesen, dass eine flächendeckende stationäre Versorgung, insbesondere in der Akutmedizin, weiterhin sichergestellt werden müsse. Roland Engehausen erklärte, die Klinikverantwortlichen stellten sich zwar aktiv dem Transformationsprozess, gleichzeitig befürchteten 84 Prozent von ihnen Unverständnis in der Bevölkerung bei Einschränkungen des jeweiligen Leistungsspektrums.

Vor diesem Hintergrund fordert die BKG mehr Ehrlichkeit gegenüber der Öffentlichkeit. Einsparmaßnahmen und Strukturreformen dürften nicht ohne Hinweis auf mögliche Auswirkungen auf die Versorgung dargestellt werden.

KI-Potenziale

Positiv bewertet wird hingegen das Potenzial der Künstlichen Intelligenz. Diese sei aus dem Klinikalltag nicht mehr wegzudenken. Die Mehrheit der Befragten sieht derzeit keinen zusätzlichen Regulierungsbedarf. Engehausen betonte, ein professioneller KI-Einsatz könne zum Innovationstreiber in der Versorgung werden, sofern neue bürokratische Hürden vermieden würden.

René Marx, Pflegedirektor der Landshuter Regiokliniken, führte abschließend aus, dass sich die Versorgungsrealität in den Kliniken spürbar verändere. Gründe hierfür seien eine steigende Komplexität, die zunehmende Zahl multimorbider Patientinnen und Patienten sowie ein hoher Druck auf die personellen Ressourcen.

Interdisziplinäre Lösungen

Die Einbindung der Pflege in strategische Diskussionen sei daher von zentraler Bedeutung, so Marx. Pflege sei ein wesentlicher Bestandteil der Patientenversorgung, sowohl in der praktischen Umsetzung als auch in der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems. Die Umfrageergebnisse zeigten, dass nachhaltige Lösungen nur interdisziplinär, strukturiert und mit einem klaren Blick auf die Anforderungen im Versorgungsalltag erreicht werden könnten.

Doris Kirchner

Doris Kirchner, Chefin vom Dienst

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