Zu Gast bei Marco Kistner, Erster Bürgermeister der Gemeinde Veitsbronn

GZ Ausgabe GZ-3-2026 vom 29. Januar '26 | GZ zu Gast bei...
von Constanze von Hassel
Porträtfoto
Marco Kistner, Erster Bürgermeister der Gemeinde Veitsbronn. Bild: Veitsbronn

Welche Kommune und wie viele Einwohner vertreten Sie? 
Ich darf der Gemeinde Veitsbronn (zugleich Sitz der Verwaltungsgemeinschaft mit Seukendorf und eines Schulverbands mit drei Nachbarkommunen) im Landkreis Fürth mit - laut Zensus - knapp über 6.300, tatsächlich aber über 6.600 gemeldeten Einwohnerinnen und Einwohnern als Bürgermeister vorstehen.

Wann haben Sie Ihr Amt angetreten und sind Sie hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig?
Mein Amtsantritt war am 1.5.2014 (zu dem Zeitpunkt war ich der jüngste Bürgermeister im Landkreis), die Aufgabe nehme ich hauptberuflich wahr.

Welchem Beruf sind Sie vor Amtsantritt nachgegangen bzw. üben Sie diesen nach wie vor aus?
Nach meinem Studium mit Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt (FH) war ich knapp zehn Jahre in der Schulverwaltung der Stadt Nürnberg tätig und konnte mich dort vor allem im Bereich Schulbau und -sanierungen einbringen. Das Schöne daran war: die Tätigkeit war nah an der Kommunalpolitik und mit konkreten, sichtbaren Ergebnissen. 

Was war Ihr persönlicher Anreiz in die Kommunalpolitik zu gehen?
Das Grundinteresse an Politik war einfach schon immer da. Nachdem ich bereits als Jugendlicher bei der Feuerwehr, bei den Kärwaburschen und auf der Bühne eines Laientheaters aktiv war, wurde ich von Matthias Dießl (später Landrat und mittlerweile Bayerns Sparkassenpräsident) quasi "angeworben". Und ich konnte früh feststellen, dass in der Kommunalpolitik erste (wenn auch kleine) Ergebnisse deutlich schneller kommen, wenn man hartnäckig ist.

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Das Studium war natürlich eine Hilfe, aber wie so oft weichen Theorie und Praxis stark voneinander ab. Seminare bei der HSS und gelegentliche Besuche einer Gemeinderatssitzung als Zuhörer waren eine gute Unterstützung. Als ich dann Bürgermeister wurde hatte ich schließlich schon zwölf Jahre Ratserfahrung, u.a. fast zehn Jahre als Fraktionsvorsitzender. Auch war ich zu diesem Zeitpunkt neben Kreisrat noch Bezirksrat und war so auf allen Ebenen der Kommunalpolitik verankert.

Wo lagen bei Ihrem Amtsantritt die Herausforderungen?
Der Erhalt der Infrastruktur (v.a. Kanal- und Wassernetz) war und ist heute noch eine enorme Daueraufgabe. Dazu kam der massiv notwendige Ausbau von Betreuungsplätzen U3, U6 und jetzt für Grundschulkinder.

Welche Themen beschäftigen Sie momentan?
Die Umstellung auf eine digitale Verwaltung ist die beste Gewähr dafür, dass keine Themen unter den Tisch fallen. Aber die Umstellung ist erst einmal zeit- und personalintensiv. Ansonsten ist angesichts immer weiter steigender Umlagen und immer größerer Aufgabenlast aktuell Maßhalten angesagt. Deswegen setze ich mich bei Mandatsträgern aller Ebenen leidenschaftlich für eine ausreichende Finanzausstattung der Kommunen ein.

Womit werden Sie sich noch auseinandersetzen müssen/wollen?
Negativ: Angesichts der Haushaltslage immer wieder aufs Neue dem Hinterfragen von Leistungen und Standards sowie der verständlichen Vermittlung von Einschränkungen.

Positiv: vielleicht doch eines Tages hoffentlich der Umgestaltung des Ortszentrums

Haben Sie einen wichtigen Ratschlag für junge Kolleginnen und Kollegen?
Zuvorderst: die Wahl in dieses Amt ist ein größerer Schnitt und der Alltag größeren Veränderungen ausgesetzt, als man vorher glaubt oder auch glauben will.

Im Rathaus ist eines ganz wichtig, auch, wenn es die Betroffenen vielleicht nervt: hinterfragt die Vorgänge! Viele althergebrachte Handlungsweisen sind nicht nur überholt, sondern teilweise mittlerweile auch nicht mehr zulässig. Es ist ein Wahnsinn, was selbst der Bürgermeister der kleinsten Gemeinde (ohne Juristenriege an seiner Seite) wissen sollte...

Schlussendlich: Entscheidungen, mit denen kein Beliebtheitspreis zu gewinnen ist, gehören dazu.

Wie beziehen Sie Kolleginnen und Kollegen / Bürgerinnen und Bürger / Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihre Arbeit und in Ihre Entscheidungsfindung ein?
Im Rathaus gehören regelmäßige jours fixes & Besprechungsrunden dazu, um Themen samt Fallstricken möglichst umfassend zu beleuchten und Schleifen zu vermeiden. Als Bürgermeister bin ich für die Öffentlichkeit natürlich bei vielen Gelegenheiten ansprechbar, dazu biete ich monatlich eine Online-Sprechstunde sowie ein Bankgespräch an, immer an einer anderen Sitzbank im Gemeindegebiet.

Wieviel Einfluss wird die Digitalisierung auf die künftige Kommunalpolitik haben?
Wenn wir die Chancen entschlossen und zielgerichtet nutzen, dann enorm viele, sowohl zur Entlastung des ganzen Verwaltungsapparats als auch zur besseren Bürgerinformation. Die größte Herausforderung dürfte jedoch der Umstellungsprozess sein…

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie begleitet?
Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen.

Wie wollen Sie in Erinnerung bleiben?
Als engagierter Bürgermeister mit Leidenschaft und Kompetenz, der nicht nur das getan hat, was ankam, sondern auch das, worauf es ankam.

Constanze von Hassel

Constanze von Hassel, Chefredakteurin

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